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Eher der Pragmatiker, mein Sohn.

Juli 9, 2014

Heute war der 1. Ferientag – und der Junge Mann geht in den Ferienhort. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einem neuen Plakat vorbei und der Junge Mann, dieser große Leser, entziffert es fix: “Die Zauberflöte”.

“Mama, was ist die Zauberflöte?”

“Das ist die Geschichte von einem jungen Mann, der eine schöne junge Frau sucht und befreit. “

“Und warum die Flöte?”

“Weil er die bei sich trägt und sie ihm hilft. “

“Von wem befreit er die denn?”

“Von der bösen Hexe, der Königin der Nacht.

“Und warum? “

“Weil er… äh… weil er sie sehr mag. “

“Und was passiert am Ende?”

“Da sind sie dann ein Paar, die beiden. “

“Und gibts da auch noch andere? Wer hilft ihm denn?”

“Der gute Zauberer Sarastro.”

“Und was ist mit der Flöte?”

—- ???? —-
“Ich meine, wozu braucht der die Flöte?”

“Das ist die Zauberflöte, mit der findet er den Weg.”

Interessiert: “Wie macht er das denn?
“Naja, er bläst auf ihr und dann zeigt sie ihm den Weg.

“Und wie genau funktioniert das?
“Tja… das wird nie so genau erklärt….”

“Und wer hat die gemacht?
“Der gute Zauberer.”

“Und wie hat er die gemacht?
“Tja, äh…

“Wahrscheinlich hat er die geschnitzt!” sagt der Junge Mann.

“Kann schon sein….”

“Und wie kam dann der Zauber in die Flöte?”

“Äh…. vielleicht hat sie der Zauberer dann verzaubert?”

“Ja, aber WIE?”

“Naja, ich bin ja keine Zauberin, da kenn ich mich nicht so aus. “

“Und wie kommt die dann zu dem jungen Mann?
“Der Zauberer gibt sie ihm.

“Und wenn der nun noch eine schnitzt? Eine zweite? Dann kann man die nicht mehr auseinanderhalten!”

“Tja.

“Und wozu braucht die Hexe die junge Frau? Warum muss der die befreien?”

“Hm, vielleicht musste sie für die Hexe arbeiten?”

“Warum denn ARBEITEN?”

“Naja, was sollte denn die Hexe sonst mit der Frau machen?”

“Aber warum muss er die befreien?”

“Weil sie sich da nicht wohl gefühlt hat. “

“Und woher wusste der das?”

—- zum Glück erreichen wir hier die Schule. Mozart, my ass.

 

Der letzte Schultag

Juli 8, 2014

Heute ist der Junge Mann beim letzten Schultag. Nachdem er sich die letzten zwei Wochen so lala über den Schulalltag schleppte, ist es heute nun soweit: er hat ein ganzes Schuljahr durch. Viele neue Kumpels gefunden und viel Neues gelernt. Und damit meine ich eigentlich nicht das Übliche: Lesen, Schreiben, Rechnen. Das natürlich auch und wir sind sehr stolz, dass er super liest und unglaublich schnell kofprechnet. Dass wir an einem Sommerabend zum ersten Mal beide LESEND auf dem Balkon saßen: er mit seinem neuen Dinobuch, ich mit meinem Roman. Das sind Momente, die man wohl nie vergisst.

Aber ich meine hier eigentlich die Dinge, die man fürs Leben braucht: er hat gelernt, dass manche Kinder schwindeln und das Blaue vom Himmel runtererzählen und dass man denen irgendwann gar nichts mehr glauben braucht. Er hat  gelernt, dass man sich um Kleinere kümmern muss. Und dass es wichtig ist, dass Freunde einem auch mal was schenken, und dass man selber schenken kann. Er kennt die Bedeutung des Wortes “angeben” und warum das nix Schönes ist.

Er traut sich, den kleinen Rest des Schulweges alleine zu gehen. Manchmal würde er am liebsten den GANZEN Schulweg alleine gehen. Er weiß nun auch, dass es Dinge im Leben gibt, die man durchhalten muss auch wenn es mal keinen Spaß macht. Und dass es immer doch auch Dinge gibt, die dann den Tag aufheitern.

Ja, der Junge Mann und wir als Eltern haben ein ganzes Jahr Schule geschafft. Der Junge Mann hat eine Zeugnismappe dabei und wir werden sehen was da heute nachmittag drin liegt. Aber egal was drauf steht: wir wissen, was er alles gelernt hat. Und der Junge Mann ist stolz, bald ein Zweitklässler sein zu dürfen.

Schuljahresendmüdigkeit.

Juli 5, 2014

Nie hätte ich geglaubt, dass der Junge Mann so schulmüde sein könne. Und müde im Allgemeinen. Abgesehen davon dass er sowieso generell gegen halb acht im Bett verschwindet, setzt ihm nun das Ende des Schuljahres zu.

Die Luft  ist raus” sagen alle und wenn ich den Jungen Mann um vier nachmittags abhole, dann schläft er mir fast aufm Rückweg ein. Es ist nur noch eine Woche Schule, und generell passiert da wohl nicht mehr viel – “7.7. Spilen im Park” hat er mir ins Hausaufgabenheft geschrieben. Manchmal bringe ich ihn sogar noch früher ins Bett und lass ihn mit einem Hörspiel ausruhen und den Kopf auslüften. Denn es geht fast nix mehr. Als er krank war, freute er sich noch mit fast 40 Fieber darüber, dass er vier Tage zuhause bleiben durfte – also wirklich!

Aber er freut sich, denn nach den Ferien ist er tatsächlich ein Zweitklässler und die Schreibschrift winkt. Darauf freut er sich!

 

Fußball bis einer heult.

Juli 3, 2014

Gerade ist ja WM – falls das noch irgendjemandem entgangen sein sollte. Und zum allerersten Mal schaue ich mit dem Jungen Mann WIRKLICH Fussball. Also Spiele, in denen seine Kommentare über ein “Alle Ball habe wolle!” (mit 2,5 Jahren) hinausgehen. Schon beim allerersten Spiel merke ich, dass mein Sohn ein umfangreiches Fußballwissen in der Schule angehäuft hat, von Abwehrkette über “Passen! Ihr müsst passen!“, die Regeln für Eckstöße und Einwürfe undsoweiter. Was er jedoch in der ersten Halbzeit von mir lernt, ist: dass es ZWEI Halbzeiten gibt, und das jede 45 Minuten dauert. Ich bringe ihm den wunderbaren Satz “Das Spiel hat 90 Minuten!” bei. Er revanchiert sich mit Klatschwissen, wie etwa dem Fakt dass seine Klassenlehrerin tatsächlich alle Spiele schaut – auch die um Mitternacht! Die Frau muss eine irrsinig gute Espressomaschine besitzen.

Und die Emotionen steigen hoch, hoch und noch höher… gleich beim ersten Spiel bricht er in Tränen aus, weil der Schiedsrichter eine gelbe Karte etwas unberechtigt vergibt. “Gemein!” schluchzt er. “Das ist so gemein!“. Dabei spielt noch nicht mal Deutschland! Wir trösten einander lange und ausgiebig. So eine Gemeinheit darf nicht ungesühnt bleiben!

Mittlerweile, und 6 Spiele später (wir gucken immer nur die um 18 Uhr und da auch da nicht alle), weiß er dass Torwarte manchmal mitspielen (Italien-Uruguay), dass man bei der roten Karte WIRKLICH vom PLatz muss und keiner dafür reinkommen darf und dass man nicht beissen darf (“Ein Spieler von DEINER Mannschaft hat einen von MEINER Mannschaft gebissen!”), dass es Verlängerung und “das berühmte Elfmeterschießen” gibt (Brasilien-Chile) und dass es chilenische Bergleute gab, die zwei Monate lang verschüttet waren (ebenda).

Er verblüfft mich mit Auassagen über Taktik: “Guck mal Mama, die spielen hinten mit der 5er-Abwehrkette!” und zeigt mir wenn die Abwehr wieder aufrückt. Ich erfahre, dass Freistöße “in der Schule” so gespielt werden, dass der Torwart rausmuss. Und ich weiß nun, dass er auch schon mal Torwart war und wer bei ihnen der beste Torwart ist, und wer der beste Stürmer. Und was die Kinder vor dem Spiel machen, wissen wir nun auch.

Und, am allerwichtigsten: wir haben zusammen gelernt dass man die andere Mannschaft und die anderen Fans respektieren muss. Denn hin und wieder sind wir für unterschiedliche Mannschaften und dann gilt: keine miesen Bemerkungen und wenn einer verliert, tröstet ihn der andere. Ich finde, das ist die wichtigste Lektion von allen. Respekt.

Ärger-Therapie

Juli 1, 2014

Der Junge Mann ist manchmal etwas unkonzentriert. Das dauert ihm alles zu lange in der Schule!!!!! Warum müssen Aufgaben länger als 3 Minuten dauern????? Warum muss man 20 Minuten rumsitzen????? Dazu kommt, dass er feinmotorisch noch nie der Held war. Basteln, Malen…. muss alles nicht sein, es sei denn man bringt ihn mit viel sanfter Überredung dazu, sowas zu tun. Dann will ers aber auch einfach schnell hinter sich bringen. Es soll bitte bald durch sein – also siehe oben. Es sei denn es handelt sich um Lego, da kann er ewig lange rumfummeln. Oder Puzzles. Aber nicht das, was man eben so in der Schule tut: Schreiben, rechnen, malen.

Aus diesen Gründen und weil ja nun bald die 2. Klasse dräut, wurden wir gebeten, den Jungen Mann doch mal mit etwas Ergotherapie zu beglücken. Um eben zu schauen ob das was bringe. Natürlich hab ich dem Jungen Mann erklärt warum wir dorthin gehen, aber er liebt es nicht. Ganz und gar nicht. Eher im Gegenteil: für ihn ist es die Ärgertherapie. “Weil man sich da ärgert!”.  Er nennt es so weil er ü-ber-haupt gar nicht dorthin will. Warum nicht, ist nicht ganz klar, denn wenn er da ist, findet er es eigentlich ganz nett. Aber ihn von der Schule dorthin zu kriegen erfordert ein äußerst sonniges Muttergemüt. Wenn ich das gerade nicht habe, dann wird es sehr sehr schwierig, Motivation zu finden. Er will lieber ein Eis essen. Auf den Spielplatz gehen. Das Spiel gucken. Aber auf GAR KEINEN FALL zur Ärgertherapie.

Die Ärgertherapie führt schon am Morgen dazu, dass der ganze Tag für ihn schwarz ist. Trotz aller Erklärungen meinerseits – Ärgertherapie. Für mich langsam auch, denn meine Argumente gehen langsam zur Neige. Sie sind ihm auch egal. Und ich denke darüber nach, ob wir jetzt einfach mal konkret darüber sprechen dass es eben Dinge gibt die sein MÜSSEN.  Das weiß er eigentlich schon länger, aber die Ergotherapie scheint jetzt der Prüfstein zu werden.

 

Pflegekinder – Spiegel Online. Mir wurde leicht übel….

Juni 30, 2014

Liebe Leser/innen, hier der Link zu einem Kurzfilmchen von Spiegel Online zum Thema Pflegekinder.

http://www.spiegel.tv/filme/pflegekinder/

Was da alles an Rassismus und Klischees rüberkommt, da wird einem übel. Wer will, mags selber sehen.

Irgendwas läuft hier falsch.

Juni 16, 2014

Kennt ihr das? Man sitzt in einem offiziellen Gespräch egal welcher Art und hat das Gefühl hier geht ganz arg was falsch? Genauso wars bei meinem Antrag für die Mutter-Kind-Kur.
Beim ersten, sehr netten freundlichen Gespräch hieß es, ich solle mir Gedanken machen ob ich lieber an die See oder in die Berge wolle. Ehrlich gesagt ist mir das nicht so wichtig, aber wenn ich es aussuchen darf, dann ist mir See ja lieber! Außerdem werden wir wegen der vielen Anträge eh erst im Oktober oder November fahren können – sofern wir überhaupt bewilligt werden. Gut, soweit. Damit kann ich leben! Ach ja, Hausaufgabe: schauen Sie sich mal an, welche Häuser es an der See so gibt! Okay, mach ich!
Nächster Termin mit allen Gutachten etc: ich habe also “See” angegeben, als mir Wünsche auf dem Formular abgefragt wurden. Die neue Beraterin macht mir schnell und scharf klar,  dass See keine gute Idee wäre – viel zu ausgebucht. Das würde erst im Dezember was werden – vielleicht über Weihnachten? Wegen der Feiertage und der damit zusammen fallenden riesigen Arbeitsbelastung im Büro will ich aber nicht im Dezember fahren. Die Kollegen nehmen schon genug Rücksicht auf diverse Notwendigkeiten meinerseits gerade. – Ja, dann könne man eben jetz nichts reinschreiben…. Das Gespräch dreht sich eine Weile im Kreis bis ich (selber überrascht) sage dass es mir ja leid täte (ich entschuldige mich! Wofür eigentlich!? denke ich im selben Moment in dem ich es tue. Hej, ihr selber habt mir doch gesagt, ich solle mich entscheiden zwischen See & Bergen!?) aber ich hätte von alldem wenig Ahnung und wäre eben gefragt worden ob ich lieber See oder lieber Berge wolle! – Nein, nein, so sei das nun auch nicht gemeint gewesen – Entschuldigung von der Gegenseite. Trotzdem dreht sich das Gespräch weiter immer rundum. See wäre eben sc hwierig. Alle Mütter wollten an die See, und das möglichst schnell und möglichst im Sommer. – Ich will ja gar nicht im Sommer. Oktober-November, wie von der Kollegin zunächst anvisiert, würden mir bestens passen!  – Ja, aber dadurch wäre eben immer alles ausgebucht. Ich könnte aber nach der Bewilligung ja mal alle Kliniken anrufen. Ich schlucke. Das ist eine ziemliche Aufgabe, noch zusätzlich zu meinem üblichen Pensum. Trotzdem biete ich an, dass ich gerne mal an einem Abend Kliniken anrufen könne. Antwort: am Abend bringe das gar nichts. Das müsse tagsüber geschehen. – Ich wende ein, dass ich tagsüber im Büro sein und nach Kind abholen etc. frühstens um 17 Uhr zuhause. – Das wäre zu spät.
Es endet damit dass der Antrag eingereicht wird und ich das Treffen verlasse mit dem Gefühl die Schuld für etwas zu bekommen mit dem ich nix zu tun habe. Ich war offensichtlich eine Anstrengung, fast eine Zumutung für die Mitarbeiterin vor Ort. Und diese Mitarbeiterin war NICHT von der Krankenkasse, sondern von einer Organisation die den Müttern zur Seite steht.

Nachdem man sich vor diesen Menschen nackig macht, und wirklich Privates da ausbreitet um überhaupt eine Kur beantragen zu können – in diesem sehr labilen, angreifbaren Zustand so ein Gespräch zu haben, das ist hart. Ich brauche wohl noch einige Tage um darüber hinwegzukommen.

Ich möchte aber nochmal sagen: die erste Mitarbeiterin war sehr sehr nett dort. Und es war ein sehr heißer Tag. Vielleicht sollte man das zugute halten – trotzdem war das ein Gespräch wie ich es sonst nur vom Sozialamt kannte.

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