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Das Reich der Phantasie

Dezember 17, 2014

Neulich morgen auf dem Schulweg. Noch morgens vor dem Losgehen hat der Junge Mann ein riesiges Bild auf dem Küchenfußboden drapiert, nicht ohne vorher eine extra Schreibunterlage drunterzu machen.

Das mach ich heute noch zu Ende! Das ist nämlich noch nicht fertig!” erklärt er mir wichtig. Ist in Ordnung. Haben wir also heute Abend schon was vor. Immerhin bringt er jetzt oft Bilder mit nach Hause. Gestern dieses riesige, aus mehreren DinA4-Seiten zusammengeklebte “noch nicht fertige“, vor einigen Tagen ein anderes, mit einem Hai & Dornen & Stacheln am Körper. Ich finde sie alle großartig!

Auf dem Schulweg nun, da brichts aus ihm heruas:
Der Elias, der hat gekichert. Der sagt, so sieht kein Hai aus! Der malt immer nur ECHTE Sachen! Aber meiner ist aus Phantasie!”

“Was? Wieso kichert der denn, wenn du was malst?” frage ich, sofort ziemlich sauer.

Der Paul auch! Der hat auch gesagt: Sowas gibts ja gar nicht in echt. Ist mir doch egal! Das ist aus Phantasie! Deswegen hat der die Dornen! DIE malen ja immer nur Sachen aus in echt!”
“Junger Mann, wer über Phantasiebilder lacht ist dämlich!“, sage ich (ich bin manchmal recht direkt wenn mir Reaktionen anderer Kinder ECHT gegen den Strich gehen). “Man kann alle möglichen Bilder malen! Egal ob jetzt in Echt oder aus Phantasie!”

Genau!” und jetzt bricht der Wissenschaftler in ihm durch: “Und sowieso! Die Ozeane kennt man noch gar nicht richtig! Da gibts ganz viel, das ist noch totaaaal unerforscht! Vielleicht gibts da sogar so einen Hai wie meinen! Weiß doch keiner!“.

“Tja, Junger Mann, und sowieso: Phantasie ist eben eine eigene Welt! Die ist auch echt – nur eben anders!”

“Genau. Und ich habe sowieso eine ganz eigenen Planeten. Da wohne ich mit den Klonen!“. Den Planeten kenne ich. Fast täglich bekomme ich Geschichten aus der Klon-Welt des Jungen Mannes erzählt. Manche Kinder haben vermutlich keine eigene Phantasie oder kriegen die ab-erzogen, wenn sie über die Phantasie-Bilder anderer lachen. Sowas Blödes!

*TOTALLY suggested Reading: Jeannette Winterson: “Art Objects: Essays on Ecstasy and Effrontery

 

Ich so, allein erziehend.

Dezember 12, 2014

Ja, dieses Jahr mach(te) ich das Ganze hier alleine. Der Junge Mann und ich müssen irgendwie zu zweit klarkommen und es geht auch, ja, es geht.

Wenn man sich an folgende Dinge gewöhnt hat:
– man ist immer müde. Egal, ob man nun um 20 Uhr oder um 23 Uhr ins Bett geht: so richtig ausgeschlafen ist man nie. Aber: Kaffee hilft.
– man hat IMMER noch 1000 Dinge auf der Liste, die man nicht schaffen wird.
– man muss organisieren wie ein Meister, und zwar wie ein absoluter Zen-Organisations-Meister.
– man muss viele nette Leute kennen und Freunde haben, die einem helfen.
– man muss sich daran gewöhnen dass Fast Food durchaus mal zum Leben gehört.
– man muss wissen, dass man von all den Dinge die man machen sollte, man sicher nur 90% im Kopf hat und den Rest vergisst. Und dann sollte man eine Alternative finden können.
– man sollte selbst Freude im schönen Aussehen, Frisuren und Make-Up finden, denn es wird niemand da sein, der dir sagt dass du schön bist.
– man sollte damit leben können, dass die Wohnung NICHT immer sauber sein wird. Und dass abends das Brot aus ist.
– man muss sich prinzipiell etwas entspannen und wissen was die WIRKLICH wichtigen/dringenden Dinge sind. Alles andere muss warten.
– man muss auch mal um Hilfe fragen können.
– man muss sich auch mal eingestehen wenn es nicht mehr geht. Weshalb ich hin und wieder abends Sushi bestelle und die Glotze anmache anstatt was Herzensarbeit-Mäßiges zu tun und dabei etwas Richtiges zu kochen.

Prinzipiell läuft es aber, das mit dem “alleinerziehend”. Vor allem wenn man das beste Kind ever zuhause hat und den Abend immer noch mit ner Kuschelrunde beschliessen darf, bevor (eventuell! Nur wenn wirklich möglich & nötig!) die Haus- und Herzensarbeit auf einen wartet. Es geht schon, ja, es geht.

Die Schuldfrage

Dezember 8, 2014

Der Junge Mann stellt die Schuldfrage jetzt oft. Das heißt, eigentlich stellt er sie nicht – er nimmt an, dass Dinge die passieren von anderen Leuten verursacht sind. Meine Hose ist dreckig? Der Hannes hat mich geschubst, da bin ich hingefallen!
Ich hab die Hausaufgabe vergessen? Du hast vergessen, mich dran zu erinnern!

Ich hab was kaputt gemacht? Ich wusste ja nicht, dass das so zerbrechlich ist!

Es hat gekleckert? Der Teller stand schlecht & meine Serviette war nicht da!

Es gibt immer etwas das erklärt, warum der Junge Mann gar nicht schuld sein kann.

Im Zweifelsfall sucht er sich Mitstreiter, die ihm bestätigen, dass er alles richtig gemacht hat. “Die Praktikantin hat gesagt, dass ist alles super geschrieben, liebe Lehrerin, da muss ich nichts mehr korrigieren!“.  Das System funktioniert – für ihn – bestens. Kritik anzunehmen ist nicht so seins….

Neulich saß er jedoch an einer Matheaufgabe, die dann doch schwieriger war als er dachte. Nach 5 Minuten fragte ich mal nach, wie es stände und bekam nur eine patzige Antwort.

Darauf ich: “Junger Mann!!!! Ich kann ja nix dafür, dass das schwierig ist!”
“Ich auch nicht! Das ist doch nicht meine Schuld, dass ich hier die ganze Zeit falsch rechne!”.

Ich bin zum Lachen ins Bad verschwunden. Schnellstens.

 

 

Hm. Bin ich (k)eine Feministin?!

Dezember 5, 2014

Zum Thema Kosmetik bekam ich folgende Kommentar, den ich heute einmal beantworten möchte:

Ich finde es wirklich schade und bin jedesmal, mit jedem post, enttäuscht, dass du offenbar keine feministin bist.

Warum hast du zB so ein bild von “tussis”(wobei der begriff ja schon selber negativ konontiert ist) und warum möchtest du dich von ihnen so sehr abgrenzen? Mit dem, was du schreibst, wird ja deutlich, dass “tussi” für dich etwas ist, was du als abwertend empfindest. fragen, die du dir stellen könntest.

Ich hätte es schön gefunden, etwas zu lesen, dass NICHT andere frauen abwertet. (“SO will ich nicht sein, das sind solche und solche personen, die so und so sind”). Oder dass dich andere frauen nerven, weil sie vor einem kosmetikregal stehen..? (und womöglich kosmetika ausprobieren?).. keine ahnung, was das soll, aber du führst das auch nicht aus.

find ich schade. und find ich blöd

Ich wünsche mir weniger abwertung von frauen. Das werden sie in der gesellschaft bereits zu genüge

Tja. Erstmal musste ich kurz darüber nachdenken, denn, ganz im Ernst, ich habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht, ob ich nun eine Feministin bin und wenn ja, welcher Art. Das konnte ich auch nicht so schnell klären, aber vielleicht sollte ich hier einfach persönlich mal etwas klarstellen.

Erstens: dieser Blog stellt mich so dar, wie ich eben bin. Ich wäge nicht immer ab, was ich sage und schreibe, ich habe durchaus Meinungen zu manchen Menschen, die eventuell Vorurteile sind oder einseitig. Oder die etwas auf die Spitze treiben – ironische Überhöhung, sozusagen. Nein, ich lege nicht jedes meiner Worte auf die Goldwaage, schon gar nicht in diesem Blog.

Zweitens: wenn Menschen enttäuscht sind davon, dass ich hier so schreibe wie ich bin, dann tut es mir leid, aber ich will mich nicht mehr für alle & jeden drehen & wenden. Ich nehme Kritik gerne entgegen und glaubt mir, ich denke darüber nach. Aber ich werde trotzdem nicht alles ändern, nur eventuell und nur manches. Wen das so stört dass er dauerhaft von mir & diesem Blog enttäuscht ist, dann lest bitte nicht weiter mit.

Drittens: ich erkläre hier nicht alles, was ich denke oder warum ich manche Gedanken hege. Das gehört hier nicht hin & es wäre auch viel zu weitläufig. Warum ich zum Beispiel keine “Tussis” mag und da offensichtlich negative Konnotationen habe? Weil es mich nervt, wenn manche Frauen sich nur auf Kosmetik & Schönheit reduzieren & mit einem durch und durch modegeprägten Weltbild durch die Gegend latschen. Das ist für mich eine “Tussi” und ich habe Gründe, diese Menschen nicht zu mögen. Weil ich nämlich denke, dass das viel zu wenig ist für ein erfülltes Leben. Meine Meinung. Ich werde aber nicht jedesmal, wenn ich hier ein Schlagwort fallen lasse, unten eine Fußnote mit *Erklärung anfügen.

Viertens: ich als Mensch definiere mich gegen und mit meinen Mitmenschen. Und das tue ich ganz automatisch und zwar NICHT aufgrund von Geschlechts- oder “Ethnien”Zugehörigkeit, sondern indem ich mir den MENSCHEN angucke. Ich weiß, dass manche Menschen so etwas wie “Zwangs”-Solidarität mit anderen fordern (Frauen von Mit-Frauen, und ähnliches). Es tut mir leid, das ist nicht meine Denkweise. Ich weiß dass wir alle automatisch und in Gedankenklischees von unseren Mitmenschen bewertet werden (und ich sicher auch von anderen. Ganz sicher.), aber ich möchte für mich gerne das Recht in Anspruch nehmen, Menschen soweit wie möglich individuell zu bewerten. Und nicht, nur weil jemand AUCH Frau ist, zu sagen: Super, wir sind solidarisch, ich mag dich und ich werd nix gegen dich sagen. Ich kann gegen Frauen, die ich nicht mag, etwas haben – genauso gegen Männer. Oder Tiere. Üblicherweise habe ich dafür einen Grund. Einen, der nichts mit Geschlecht zu tun hat, sondern mit der Person an sich, die sich aus vielen Charakteristika zusammensetzt – auch aus ihrem/seinem Geschlecht.

So. Ich hoffe, das klärt hier einiges.

 

Ich kann das alleine, Level 4

Dezember 2, 2014

Nein, das mit dem “Ich kann das alleine!” gibt sich nicht, wenn das Kind 5, 6 oder 7 Jahre als wird. Es wird nur, wie alter Wein, eben ….. anders. Bei uns ist es nun soweit gekommen, dass der Junge Mann als Zweitklässler ganz viel alleine machen kann und auch will.

Er will zum Beispiel das letzte Stück zur Schule alleine gehen und ich darf auf gar kei-nen Fall solange hinten stehen bleiben bis er in die Schule eingebogen ist. Ich muss gleich gehen. Er will sich alleine duschen. Und baden. Und Haare waschen. Und Haare ausspülen. Und abtrocknen. Tauche ich auch nur im Bad auf um mal Dreckwäsche in die Waschmaschine zu schmeißen, dann heißt es gleich: “Du kannst wieder gehen, ich kann das ALLEINE!“. In Ordnung. Ich verschwinde ja schon!

Er macht seine Hausaufgaben und manchmal deckt er den Tisch. Er saugt für mich Staub (wenns ihm gerade passt). Seine Aufgabe im Haushalt, einmal pro Woche die Spülmaschine auszuräumen, erledigt er mit Bravour, nur hin & wieder entdecke ich Tassen & Schüsseln danach an völlig unglaublichen Orten.

Er fühlt sich groß & er ist groß. Ich glaube, das Tollste am Alleine-Können ist, dass er lernt auf andere Rücksicht zu nehmen. Wenn ich krank bin, passt er auf dass alles läuft. Und wenn er sieht, dass jemand Hilfe braucht, kümmert er sich. Natürlich nicht immer aber doch – es läuft. Das Groß-Sein ist auf nem neuen Level angekommen. Schön, dass sie so wachsen.

 

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Die Sache mit der Organisation

November 26, 2014

Dieses Jahr war (bin) ich allein erziehend. Aus Gründen & keineswegs negativen.
Nach jetzt 8 Monaten alleinerziehend kann ich persönlich auch sagen: Organisation ist alles. Nach den ersten 6 Wochen hatten wir uns eingependelt, Strukturen entwickelt, Helfer mobilisiert. Es läuft also, und bis auf kleinere Notzeiten sogar ganz gut. Ich nutz(t)e jede freie Minute für irgendetwas, das getan werden muss und plan(t)e morgens in der Tram, wofür ich die 30 Minuten Mittagspause nutzen möchte. Bibliotheken? Einkaufen? Überweisungen? Läuft. Tatsächlich, es funktioniert.
Allerdings, nach 8 Monaten stelle ich fest, dass ich zwar dieses Jahr Einiges geschafft habe, und auch noch mehr schaffen könnte. Aber: gleichzeitig merke ich dass es Grenzen gibt. Grenzen, die ich nicht überschreiten will & denen ich mich mittlerweile willentlich verweigere. Ich entdecke, völlig unerwartet, die Fähigkeit zu mir selber & meinen Ansprüchen nein zu sagen, und zwar zu mir selbst.
- Nein, ich brauche nicht NOCH ein neues Projekt, auch wenn es toll wäre.
- Nein, ich brauche kein neues Buch, wenn ich mal überraschend 1 Stunde frei habe Und nix zu lesen bei.
- Nein, ich brauche die Küche abends nicht mehr bis in den letzten Winkel aufzuräumen und – – Nein, ich muss auch nicht um 21.30 Wäsche falten.
Etwas, das jahrelang lief, läuft aus: meine Fähigkeit immer alles fertig zu haben, bevor ich mich ausruhen kann und darf. Dass es soweit gekommen ist,

verdanke ich mir selbst. Denn mit dem Vollzeitjob, Kind, Herzensarbeit & noch 3 anderen Projekten kam der Punkt an dem nix mehr ging. Und da war sie da, nach einigen sehr sehr dunklen Tagen: die für mich unglaublich befreiende Erkenntnis! Ich kann auch einfach mal dasitzen und Kaffee schlürfen. Und denken oder auch nicht. Ich muss keine Bücher von der Bibliothek abholen, wenn zuhause noch drei liegen, halb gelesen. Und wenn sie sowieso gerade dem auf dem gleichen Stapel landen würden. Ich hab sie bestellt; und jetzt hol ich sie nicht ab. Rasendes Gefühl der Selbstbefreiung! Denen hab ichs gezeigt! Stattdessen: mit nem Kaffee einfach mal rumhocken.
Zeit für mich haben und sie, ja, tatsächlich: verplempern. Der größte Luxus: den Kopf leeren & einfach mal nur schweifen. Ich hab’s geschafft. Manchmal.

Das große Gemüse-Quiz

November 25, 2014

Essen & Der Junge Mann – dieses Thema ist immer wieder, nun ja, nicht ganz einfach. Vor einigen Tagen jedoch stellte sich heraus, dass es auch in der Schulspeisung Dinge gibt, die der Junge Mann gerne mag, und die NICHT Klöße mit Obst sind oder Kartoffeln mit Schnitzel. Ich wüsste nur wirklich gerne, was er da genau gegessen hat?! Hier der Originaldialog zum Mystery-Gemüse.

“Duhuuuu, Mamaaaaa, gestern gabs was ganz Leckeres in der Schulspeisung, das was grün!”
“Aha?”
“Ja, ein GEMÜÜÜÜÜSE! “

(Ich, jetzt sehr interessiert): “ACH! Wie sah das Gemüse denn aus?” (Würden wir etwa ein neues Gemüse auf die Speisekarte setzen dürfen???)
“Es war grün!”

“Und???”

“Es war lang!”

“Ah! Bohnen!”

“NEIN…. keine BOHNEN! Die waren so lang & grün und ganz lecker! “

“Zucchini?”
“Nein, ich weiß doch wie Zucchini aussehen! Das waren keine Zucchini!”

“Aber dann waren es doch Bohnen?!

“Nein! Das war lang & grün?”
“War es schmal?”

“Ja!”

“Bohnen!”
“Nein!!!! “

Also bitte: welches Gemüse ist lang, schmal & grün, aber KEINE Bohnen? Gurken scheiden aus, die mag der Junge Mann nicht und hat, glaube ich, in seinem ganzen Leben noch kein Stückchen Gruke gegessen. Ich konnte es bislang auch im Praxistest im Supermarkt (“Guck mal! Grüne Bohnen!” – —–“IIIIIHHHHH!!!!!”) nicht klären.

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