… und dann kommt was Neues.
“Ich weiß !!“, sagt der Kleine Mann, “wenn man gestorben ist, dann muss man den eingraben. Und dann kommt was Neues!” . Genau, Kleiner Mann. Erfasst. Nur dass es uns, als Da-Bleibenden, erstmal sehr schwerfällt damit klarzukommen, dass nun was Neues nachkommt und das Alte nicht mehr da ist.
Oma war nämlich immer da. Kleiner-Manns-Uroma mit deren Rollator man immer so super durchs Heim sausen konnte. Uroma, die gerne mal nen Lolli mit dem Kleinen Mann schleckte. IMMER Schokolade in Riesenportionen für ihn hortete. Sodass der Kleine Mann zu Ostern Schokolade bekam, die wir Oma gerade zu Weihnachten geschenkt hatten. Und dann noch ein Eis. Und ein Stück Kuchen.
Oma weigerte sich, sich von den Schwestern im Heim helfen zu lassen. Lieber machte sie was anders oder gar nicht. Lieber rollerte sie alleine in den Aldi als andere zu bitten. Jetzt ist sie einfach gegangen, und für sie ist das bestimmt schöner wenn man nicht mehr aufwacht als sich langsam ins Dunkel zu begeben was nun für sie angestanden hätte, als die Augen immer schlechter wurden.
Oma war “Würstchen beim Fleischer auf die Hand kaufen” für mich. Und lecker Kochen. Oma hatte weiche Haut und machte die besten Bouletten der Welt. Oma konnte früher mal steptanzen und lief über die zugefrorene Elbe bei Magdeburg. Oma bekam zum Kindergeburtstag Silberlöffel von “Silbermann und Söhne, Magdeburg” geschenkt, die nun auf unserem Kaffeetisch liegen. Die Engländer fand sie netter als die Russen, weshalb der Kleine Mann für sie immer “Mein kleiner Boy!” war und nicht etwa “malenkii maltschik”. Oma konnte super nähen und hat mir ihre selbst gemachten Ensembles vermacht. Oma hatte einen Brieffreund, der in Kriegsgefangenschaft kam und daher plötzlich aus ihrer Welt verschwand. Und dann kam Opa und Oma arrangierte sich mit ihrem Leben. Aber der Brieffreund war bis zum Schluss immer da. Er war Anfang 90, Oma 87 und Opa seit einiger Zeit tot.
Oma hat mir gezeigt, dass man sich mit einigen Dingen auch einfach arrangieren kann ohne dass das Leben deshalb nicht mehr lebenswert wäre. Oma ist immer wieder aufgestanden und hat weiter gemacht. Oma war: sich aufrappeln, immer weiterleben und trotzdem zufrieden sein. Jetzt darf sie sich ausruhen und wieder alles alleine tun. Aber hier fehlt sie. Ganz dolle.
Arbeits-Front
Am Telefon des Kollegen:
“Sachn Se mal, ham Se noch Karten für den 10.5.?”
“Ja, aber nur noch hinter dem Orchester. Kostet 30 Euro.”
Kundin, erstaunt und erbost: “So viiiiiel? Wird das nicht noch billiger?”
“Nein, denn es gibt keine Last-Minute-Ermäßigungen. Und alles andere ist leider ausverkauft.”
“Warum? Was kostets denn vor dem Orchester?”
“Da kosteten die Karten 120,- €. Aber wie gesagt – da ist leider alles ausverkauft.”
“Also 30,- Euro, ja? Hinter dem Orchester? Und das wird nicht billiger?”
“Nein.”
“Auch nicht kurz vor dem Konzert?”
“Leider nein.”
“Auch nicht an der Abendkasse? Wirds da nicht billiger?”
“Nein, leider nicht.”
“Sehen Sie eigentlich, von wo ich Sie anrufe?”
“Nein…?!” und was ist der Punkt daran? Ändert das was am Preis? Seit wann wirds günstiger je weiter weg man wohnt????
“Na gut, dann nehme ich die Karte.” (Kundin zahlt am Telefon, Kollege schwitzt und nimmt sich erst mal nen Kaffee. Wenn der erste Anruf gleich so einer ist… )
5 Minuten später. Mein Telefon klingelt.
“Ja, hallo hier ist Frau X. Ist Ihr Kollege zu sprechen?”
“Nein, der spricht leider gerade. Kann ich Ihnen helfen?”
“Ja, ich hab da gerade eine Karte gekauft, für 30 Euro! Und meine Freundin, die kriegt das billiger, die ist bei Ihnen Abonnent!”
“Ja, aber gekaufte Karten kann man leider nicht umtauschen oder zurückgeben.”
“Warum nicht? Deshalb rufe ich doch an!”
(???) “Ja, aber eine Rückgabe ist leider ausgeschlossen.”
“Aber beim letzten Mal gab´s die Karten auch billiger!”
“Ja, das war ein Sonderangebot, das gibt´s dieses Mal leider nicht. Und, wie gesagt, gekaufte Karten kann man leider nicht zurückgeben.”
“Aber meine Freundin ist doch Abonnentin!”
“Dann kann die Freundin gerne für Sie bestellen, aber die Karten können wir jetzt nicht zurücknehmen”
“Aber, warum hat ihr Kollege mir denn nicht gesagt, dass es da einen Sonderpreis für Abonnenten gibt?”
“Nun ja, Frau X, weil SIE keine Abonnentin sind!”
“Aber doch meine Freundin!”
(?????) “Ja, das weiß mein Kollege aber leider nicht, dass Sie eine Freundin haben, die Abonnentin ist.”
“Ich möchte trotzdem mit Ihrem Kollegen sprechen!”
“Gerne, dann müssen Sie noch etwas warten. “
Jetzt brauch ICH erstmal nen Kaffee. Und das alles um 9.13 Uhr…..
Zurück!
Zurück aus dem langen Wochenende. Und, ganz neue Nachricht, der Kleine Mann liebt Blumen. Jetzt 100%ig bestätigt. Und seine Mama liebt er auch. Weshalb er mir auch im großelterlichen Garten erst eine ganze Wiese voller Butterblumen abpflückte und dann noch, nach Ablieferung der Butterblumen mit einem schönen großen Tulpenstrauß auftauchte. Frisch bei Oma gepflückt! Nur für Mama…. ähm, ja. Danke, Kleiner Mann. Ich hab dich auch dolle lieb.
Fashion Victim
Wir sind auf dem besten Wege dahin: zum Fashion-Victim. Der Kleine Mann hat nämlich festgestellt, dass Hosen mit Löchern VIEL cooler sind als die ohne. Ich nähe ihm also voller Mutterliebe Flicken auf die durchgeschubberten Jeans – und er?
Nimmt sich ein Paar MIT Löchern weil: “Die sind viiiiel schöner!” . Das sagt er im gleichen verzückt bewundernden Ton, den er auch Blumen gegenüber anschlägt: “Guck mal, die sind wirklich schöööööön…..!” . Und einen Hosenverbrauch hat der gerade! Mensch, Kleiner Mann, mach mal halblang! Er schubbert ernsthaft jede Woche eine Jeans an den Knien durch. Mittlerweile sogar noch das Innenfutter. Macht der das Extra? Jetzt haben die Hosen sogar schon Risse im Schritt. Wie macht der das? Unser Kind sieht aus als hätte er ne destroyed Jeans an. Jedenfalls tue ich gegenüber den Kindergärtnerinnen so – denn flicken, zunähen oder was auch immer ist gerade völlig sinnlos. Die Zeit investiere ich lieber in ernsthafte, sinnvolle Tätigkeiten, nicht in Risse die am nächsten Tag wieder offen sind. Da können die auch gleich offen bleiben – spart Zeit. Praktisch denken, lautet das Credo von Mama007 und vor allem: Prioritäten setzen! Hat schon mein Lateinlehrer immer gesagt. Damals hab ich da noch drüber gelacht….
Wir sind jedenfalls Hosen-verzweifelt. Ebay schafft Abhilfe mit einem Sammel-Jeans-Einkauf. Aber bis die ankommen, steht der Kleine Mann jeden Morgen vor seinem Bett und bemängelt, dass da un-löchrige Hosen drauf liegen. Gute Hosen, die einzigen die noch da sind. Geht zur Hosenschublade, sucht sich was Löchriges raus und steht kurz darauf vor uns: “Ich möchte auch noch den Gürtel! Der ist schön, guck mal: orange, weiß und azul [blau]!” . Mir wird das langsam unheimlich….
Groß, größer, am größsten!
“Maaaaaamaaaaaa!” schreit der Kleine Mann als ich erst spät, nämlich zum Abendbrot, zuhause auftauche. Zack! ist er im Flur und hängt an meinem Knie.
“Ich hab dich gaaaaaanz doll vermisst!” sagt er mit glückseliger Stimme. “Hast du mich auch gaaaaaaaanz doll vermisst?”
“Klar, Kleiner Mann, ich hab dich sogar gaaaaaaanz ganz doll vermisst!”
“Ich noch mehr! So viel wie ein Brachiosaurus mit 10 Kilo!!!!!”
“Ich wie ein Brachiosaurus mit 100 Kilo!”
“Ich noch meeeeehr! Wie….. eintausend Kilo!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!”
“Hah! ich noch mehr.” sage ich, sicher, dass der ultimative Sieg meiner ist. Immerhin hab ich beruflich auch mit Zahlen zu tun. “Ich hab dich so doll vermisst wie ein Brachiosaurus mit einer Million Kilo!”
“Häh?” sagt der Kleine Mann. “Eine Million? Das ist doch total weeeenig.” dreht sich um und geht zurück zum Tisch. Das Käsebrot ruft…..
Die einfachen Freuden
Glück ist einfach. Und hier, in diesem Artikel der ZEIT wird das so deutlich, dass mir ganz anders wurde. War es früher wirklich so, dass man sich seiner selbst sicherer war? Ist es der postmoderne Mensch, der sich nirgendwo wirklich zu hause fühlt? Es ist auf jeden Fall genauso wie in einem meiner Lieblingslieder von Mercedes Sosa:
“Man verabschiedet sich, ohne Trauer, von den einfachen Dingen.
So wie ein Baum, der im Herbst die Blätter abwirft….
Und am Ende ist die Traurigkeit nur der langsame Tod der kleinen Dinge,
der kleinen Dinge, die das Herz trauernd zurücklassen.“
Vielleicht ist es einfacher, zum Glück zurückzufinden, wenn man in seinem Leben täglich Pausen einbaut, die den Blick weg lenken von den alltäglichen Kleinkramdingen. Weiß nich´ob wir das immer so schaffen. Schön wärs. Mein Rezept seit einigen Monaten ist das Kuscheln mit dem Kleinen Mann vor dem Einschlafen. Erst Buch vorlesen, dann Licht aus und dann kann losgekuschelt werden. Der Kleine Mann liebt Kuscheln und macht es sich bequem. Manchmal erzählt er noch was Wichtiges vom Tage: wer wen gehauen hat, zum Beispiel. Und dass das nicht schön ist! Und manchmal sagt mir der Kleine Mann: “Du, Mama…… du bist meine allerliebste allerweichste Mama!” .
Nach 10 Minuten Kuscheln ist der Kleine Mann einschlafbereit und ich sowas von entspannt….
“Entschuldigung, aber…..”
“Entschuldigung, aber dafür bin ich eigentlich nicht zuständig!” . Diesen Satz sollten Sie mal öfter üben, Frau Mama007. Denn mir passieren immer so Sachen wie neulich bei der Arbeit. Kultursektor. Ja, wir machen auch “so Sachen für Kinder”.
Aber, liebe Eltern, wenn man zu “so ner Sache für Kinder” gehen möchte, dann bietet es sich an auch mal vorher zu fragen ob da überhaupt noch Plätze frei sind. Wenn man das nämlich nicht macht, KANN es zu bösen Überraschungen kommen. So wie neulich, bei der Sache, die ich dann ausbaden durfte. Und das kam so:
In diesem Fall kam um kurz vor knapp, sprich: 5 Minuten vor Beginn der “Sache für Kinder” eine Mama mit einem Kleinen Kerl, schätzungsweise genauso alt wie der Kleine Mann. Locker und flockig sagt die Mama zu mir: “Zwei mal bitte, für mich und den Max hier!” . Max ist ein schmächtiges kleines Kerlchen das mich erwartungsvoll anschaut.
“Hm,” sage ich “ich hab leider keine Karten mehr!” und wende mich schon zu Max hin, der mich jetzt noch mit VIIIIIEL größeren Augen anschaut. “Gar nichts mehr?” fragt er mit leicht zitternder Stimme. Die Mama steht daneben. Und schweigt. “Neeee Max, das tut mir ganz dolle leid!” sage ich “aber man braucht ne Karte dafür und die sind jetzt alle!” . Max hat schon Tränen in den Augen. Er sucht nach einem Ausweg. “Aber wir könnten doch…. auf dem Boden sitzen!” sagt er und schaut mich an. Große Kulleraugen… Mama steht daneben. Und schweigt.
Ich erkläre Max in meiner liebsten Mamastimme dass das so echt nicht geht und leider – muss er nu draußen bleiben, mit Mama. Mama steht daneben – und schweigt. Max bricht umgehend ernsthaft und aus tiefstem Herzen in Tränen aus. Er weint bitterlich. Bitterlich! Hätte er wenigstens nen Wutanfall gekriegt, den hätte ich weggesteckt. Aber bitterliches Weinen bei einem kleinen Kerl – das geht mich wirklich an. Ich fühl mich scheiße – Mama steht daneben und schweigt.
Also echt jetzt mal, ja?! Wenn Eltern ihre Kinder schon auf “so Sachen für Kinder” (egal ob Konzert, Zirkus oder whatever) so scharf machen – warum kommen die dann nicht pünktlich!? Ich käme nie auf die Idee den Kleinen Mann schon ganz heiß zu machen auf irgendwas wenn ich keine Karte dafür 100%ig in der Tasche habe! Und WIESO um Himmels willen steht man bitte als Mutter daneben während die Verkaufskraft (in dem Fall also: ICH!) sich bemüht, dem Kleinen Mann das Unglück verständlich zu machen? Und schweigt? Hej, das wäre doch deine Sache, liebe Mutter! nicht meine! Du hast ihn immerhin so angespitzt dass der Kleine nu so dolle dahin will dass “Keine Karte” für ihn die Welt zusammenbrechen lässt. Manchmal versteh ich´s echt nicht….
