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Kindergarten!

März 22, 2011

Unser Kindergarten…. was haben wir geschwitzt, bis wir einen Platz hatten. Es war uns tatsächlich eingefallen, erst einen Platz zu suchen als das Kind 7 Monate alt war. Das hatte durchaus seine Gründe, führte aber dazu, dass uns in allen wohnungsnahen Kindergärten nur höhnisches Gelächter entgegenschlug, wenn man mal anrief um vorsichtig zu fragen ob eventuell noch freie Plätze…  „Freie Plätze? Wie alt is det Kind? SIEBEN MONATE????? Damit müssense sich inna Schwangerschaft anmelden, tut ma leid! Sie könns ja nochmal innem Jahr probieren….!“.

Bei den kleinen Kinderläden im Kiez, die noch Plätze hatten gingen wir zur Besichtigung hin.

„Guckense mal, hier kochenwa ….“ (ein verdrecktes Loch namens Küche, das aussah als würde hier nur einmal alle 2 Wochen geputzt) „… und hier spielen die Kinder dann….“ (flusiger Teppichboden, der mal nen guten Staubsaugereinsatz gebrauchen könnte). „Und, gehen Sie mit den Kindern denn auch raus?“ – „NA KLAR! Gleich aufn Spielplatz hier vorm Haus!“. Ach so, der wo immer die Typen mit den Kampfhunden rumlungern und tagsüber Bier trinken und die Scherben im Sandkasten liegen….? Charming. Wir wollten den freien Platz dann doch nicht. „Macht nischt, wir haben noch jaaanz viele Bewerba!“. Dann is´ja gut…..

Schließlich fiel uns ein, dass man ja auch einen Kindergarten in Arbeitsnähe nehmen könnte. Es gab einen. Er war so wie wir uns das gewünscht hatten: groß, mit Garten, viele Kinder, frisches Essen, viele zweisprachige kleine Blagen. Wir hatten einen Termin. Zum allerersten Mal waren wir keine Störenfriede, nein, man begrüßte uns und machte duzi-duzi mit dem kleinen Kerlchen auf unserem Arm. Wir nahmen den Platz sofort! Leise fragten wir uns, ob wohl alles mit rechten Dingen zugeht – keine Warteliste? Nein, einfach so, Glück gehabt.

Jetzt, nach 2 Jahren weiß ich: es war die beste Entscheidung überhaupt. Um mich herum: super gestylte, designerklamottentragende, gut angezogene und frisierte und geschminkte Mamas, die mir zeigen wie UMWERFEND man auch als Mutter aussehen kann. Bei der Elternversammlung fühle ich mich zunächst etwas underdressed, seitdem gehen wir immer gut angezogen hin.Ich habe gelernt, dass Perlen wirklich edel aussehen können und dass Kleider im 50er-Jahre-Stil super aussehen wenn sie nur teuer genug waren.

Man hat ´ne Nanny, eventuell eine Kinderfrau, so ziemlich alle aber haben ein Aupair. Möglichst jemanden mit Fremdsprachenkenntnissen, eine Native-Speakerin sozusagen. Alle arbeiten megamäßig viel, ich mit meinen 8 Stunden täglich komm mir da schon als Pippifax vor. Alle haben irgendwelche Leitungsfunktionen und die meisten Männer sind eh „leitend tätig“ oder selbständig. Ich fühle mich als wäre ich noch Studentin und hätte mich auf einen Kongress mit lauter Koryphäen verirrt. Mann oh Mann, bin ich auch schon so alt wie die? habe ich tatsächlich auch so einen Bürojob wie die? Und warum fühle ich mich dann nicht so wie die anderen aussehen? Mögliche Fremdwahrnehmung und Eigenwahrnehmung tanzen in mir einen wohl etwas inkompatiblen Tango…. Das Witzige daran ist, dass ich wahrscheinlich WIRKLICH so ähnlich aussehe wie „die anderen“, mich aber ganz anders fühle. Ob das „den anderen“ auch so geht?! Soweit gedeihen unsere Gespräche zwischen Abgeben, Abholen, Kekse- (wahlweise pädagogisch wertvoller: Apfel-) zustecken, „NEIN, da nicht rumgrabbeln“ und Höschen anziehen leider nie.

Es ist wunderbar wenn wir mal die kleinen Kumpels zu uns einladen: Designerklamotten mit Haus in Stadtmitte (zielgruppe 1) trifft auf Billiglohn-Empfänger aus dem Kiez (zielgruppe 2). Schön, dass trotzdem alle miteinander reden, wenn auch manchmal etwas aneinander vorbei. „Macht Ihrer auch immer noch ein?“, „Schreit deiner auch immer so rum?“, „Haut deiner auch und schmeißt sich auf den Boden?“. „Kauft ihr nun das Haus in Stadtmitte?“. Naja, das Letzte betraf dann doch wieder nur Zielgruppe 1. Aber irgendwie ist es beruhigend zu wissen, dass auch Designermütter sich dieselben Fragen stellen wie ich. Vielleicht sind wir uns doch alle ähnlich?

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