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Ich? Oder du?

Mai 16, 2011

Ja, also, wenn man so mit dem Kleinen Mann unterwegs ist, dann ist da keine Zeit für Sperenzchen. Der Kleine Mann düst auf dem Laufrad vorneweg, derart bergrunter dass Mama007 mit ihren Büroabsatzschuhen zwischendurch echt mal ne Joggingrunde einlegen muss. Spätestens dann, wenn der Kleine Mann meint, es wäre (trotz vieler gegenteiliger Ansagen meinerseits) OK ist, auf dem Fahrradweg zu fahren. NEIN, ist es nicht! Also: keine Maiglöckchen gekauft, obwohl der alte Mann so süß am U-Bahn-Ausgang stand. Keine ZEIT! Nur um nichts Falsches zu sagen: ich bin oft echt gerne mit dem Kleinen Mann unterwegs. Aber in Ruhe. Einkaufen, Fahrrad fahren, Spielplatz…. liebend gerne. Aber diese Hinbringerei zum Kindergarten und abends nach Hause, das könnte ich gern öfter mal delegieren. Mach ich auch hin und wieder.

Man ist einfach immer für den Kleinen Mann verfügbar. Frisur verrutscht – keine Zeit. Mal kurz Augen zumachen – geht nicht. Kurz durchpusten und Gedanken schweifen lassen – höchst selten. Dabei mach ich das so gerne. Mochte ich schon als Kind! Geht aber nicht. Ich werde gebraucht zum „Nein, halt dich fest“, „Nein, da nicht lang“, „Nein, guck nach VORNE!“-Sagen. Unter anderem. Manchmal ist das echt anstrengend. So, als wäre man selbst gar nicht da, sondern nur die Mutterrolle. Ich frage mich, wieso das manchmal so kräftezehrend ist. Vielleicht weil man nie Pause hat. Solange der Kleine Mann wach ist, werden ich/wir benötigt. „Wir selber“ sind eigentlich kaum da.

Neulich habe ich in der „Zeit“ so ein schlaues Interview mit einer Psychologin gelesen, da gings um die „perfekte Mutter“, die es laut Psychologin so auch gar nicht gibt. Aha. Aber: viele Frauen leben ihre weiblichen Rollen unterschiedlich stark in verschiedenen Lebensphasen aus. Häh? Mir klingt das zu sehr nach durchorganisiertem Leben und es erklärt auch nicht, warum mir dieser Rollenwechsel so schwer fällt. Und warum das überhaupt „Rollen“ sein sollen. Immerhin gehören die anderen „Rollen“ ja auch zu mir und ich bin es selbst. Und was heißt überhaupt „ich selbst“? Wenn jem,and von „Rollen“ spricht, fühle ich ehrlich gesagt immer gleich auseinanderdividiert. Hej, das gehört doch alles zusammen und zu mir! Ich glaube, „Facetten“ fände ich besser. Bis zur Mutterrolle hatte ich überhaupt nie das Gefühl eine „Rolle“ zu spielen, aber jetzt kommt es mir manchmal schon so vor als wäre ich jemand anders in meiner Haut. Mama007 eben. Unter der Woche von Mama zu Bürotante zu mir selbst und wieder zurück.

Aber dann – dann gibts wieder die Momente in denen der Kleine Mann mit einem spielt und liest und kuschelt. Wo einfach ganz viel Zeit da ist um Familie zu sein. Also, so richtig Familie. Miteinander zusammensein. Zusammen im ÖPNV sitzen und sich gegenseitig erklären warum welcher Zug schneller, roter, langsamer ist. Mit dem Geruch, der leise vom Kleinen Mann aufsteigt, der so nach sich riecht. Da bin ich dann ganz ich selbst. Gar nicht mehr Mama007, oder Bürotante oder ich selbst. Einfach nur da….. wahrscheinlich der platonsche Idealzustand. Korrigiert mich, falls es nicht Platon war.

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2 Kommentare leave one →
  1. Mai 16, 2011 12:10 pm

    Ich sags jetzt mal nur Ihnen, aber ich habe mich ungemein schwer getan, in der neuen Rolle „Mutter“ anzukommen. Ich wollte das Kind vom ersten Tag an, aber irgendwie war doch alles anders…
    Das erste Jahr war für mich das Allerschlimmste; als unsere Püppi dann immer größer wurde und damit auch selbstständiger, wurde es auch für mich besser und besser. Und jetzt, wo sie drei Jahre alt ist, merke ich, dass ich so ganz langsam wieder den inneren Ruhezustand erreiche, den ich oft vor dem Muttersein hatte und danach eigentlich nie wieder…
    Ich habe oft gemerkt, dass ich immer einen Schritt neben mir herlaufe und mich wundere, dass tatsächlich eine „Mama“ aus mir geworden ist.
    Das ist jetzt alles viel nachdenklicher geworden, als ich wollte… 😉
    Frau Müller.

  2. Mai 28, 2011 8:47 pm

    Ich musste weinen, als ich den Eintrag gelesen hab. Bei dem Satz: Mit dem Geruch, der leise vom Kleinen Mann aufsteigt, der so nach sich riecht. Da bin ich dann ganz ich selbst. Das fand ich gar herzzerreißend schön.

    Ich kann mit dem Begriff „Rolle“ eigentlich doch was anfangen. Denn Rollen sind nicht immer alle so präsent wie Facetten, irgendwie. Man kann aus ihnen herausschlüpfen, sie manchmal ablehnen, sie liegen nicht immer offen da, kommen nicht automatisch zum Vorschein, wenn das Licht schräg auf sie fällt. Achso, und eine neue Rolle kann man sich erarbeiten, Facetten klingen so, als ob sie entweder da wären oder nicht. Gerade in Bezug auf diese Mutter-Rolle muss ich sagen, ich muss das Konzept jeden Tag neu überarbeiten.

    Und das sage ich, die während des Schreibens dieses Kommentares zwei Mal zum schreienden Baby geeilt ist…das nenne ich doch mal einen aprupten Rollenwechsel!

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