Skip to content

Alleinsein

Juni 7, 2011

So richtig alleine ist man wohl in Familie nie. Komisch, ich dachte früher ohne Alleinesein könnte ich gar nicht leben. Und siehe da: man wird erwachsen, viele Dinge ändern sich und Alleinesein muss nicht dauernd sein. Man gewöhnt sich wohl dran – an die anderen, meine ich. Aber Alleinesein ist immer noch toll und damit noch ein Grund, sich auch hin und wieder etwas schlecht zu fühlen. Immerhin sind wir jetzt in Familie, da kann man sich nicht immer egoistisch wünschen man würde gerne mal alleine sein!

Der Kleine Mann ist mittlerweile Teil unseres Lebens, unbestreitbar. Genau wie seine 10.000 Fragen, Spielen, Rennen, Rasen , Krach machen. Es ist ein beruhigendes Gefühl, dass man sich dran gewöhnt hat immer da zu sein und den Geräuschpegel zu tolerieren. Es ist nun einfach so und ich muss nicht immer drüber nachdenken, so wie ganz zu Anfang. Das Vergleichen zwischen vorher-nachher hat sich gelegt. Und das ist toll. So als hätte man etwas geschafft von dem man immer dachte, es ginge doch nicht.

Es ist wohl das eingetreten, was immer alle prophezeit haben und ich gehofft habe: ich habe mich an die Familie und ans Kind gewöhnt. Dicke Haut zugelegt, Stresslevel erhöht, zack! schon gehts. Naja, „zack“ ist wohl etwas hochgegriffen, immerhin hat´s gut 3 Jahre in Anspruch genommen. Aber: immerhin! Jetzt sind wir ja schon an dem Punkt, an dem der Kleine Mann verkündet: „Heute habe Husten, da kann ich nicht in Kindergarten gehen. Muss Pause machen und im Bett bleiben.„.

Aber neulich war ich im Wald, alleine. Alles grün, viele Amseln und Vögel die ich nicht kannte, und: ganz alleine. Ich bin so gerne alleine. Keine Nordic Walker, keine Mountainbiker, keine anderen Spaziergänger. Es war ein Wald, in dem nur WALD war. Kein Kleiner Mann, kein Herr Mama007, nur ich. Und der Wald. Nach unserem Kiez und der Familie war das geradezu revolutionär.

Und nach zwei Tagen und Nachtspaziergängen auf tauenden Wiesen und unter Streuobstbäumen und ganz viel Ruhe und Waldesrauschen kam dann (wie immer!) der gefährliche Teil: zurück in die Normalität. Manchmal wünsche ich mir dafür eine Dekompressionskammer, so in der Art: erstmal nur kurz Kleiner Mann und Familie, dann etwas mehr, dann noch mehr… dann die volle Dosis. Von „Ganz alleine“ zu „Voller Dosis“ wie von 0 auf 100 zu gelangen fällt schwer. Jedenfalls mir. Dieses Umsteigen von „ich mach ganz ruhig und nur was ich möchte“ auf „jetzt raufen wir 3 uns zusammen und gucken was wir alles hinkriegen und nimm bitte die Füße vom Stuhl!“ in 5 Minuten zu schaffen ist anstrengend.

Das Zugfahren vom Wald bis in die Familienmitte war auch daher sehr hilfreich. „Entschuldigung, das ist mein Platz!„…..wurstel…… blätter….. dann wars heiß im Zug, dann eng… die Fußstütze ging nicht, ich hing halb in der Luft. Dann hatte ich Durst aber nichts zu Trinken und die Preise im Bordbistro…. naja. „Ja, Schatz, wir kommen etwas später….JA!! SPÄTER!!! 15 Mi-nu-ten! JA!!! DIE BAHN!!!!!!„…. „Entschuldigen Sie, aber hier die Ruhezone! deshalb haben Sie hier so schlechten Empfang….!„….. Der Mitreisende erhob sich und ging ins Bistro…

Eine bessere Dekompressionskammer gibts wohl gar nicht. Am Ende der Reise war ich wieder absolut familientauglich.

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: