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5 Minuten

Juni 15, 2011

Morgens können wir immer 5 Minuten telefonieren. Unsere Zeit gemeinsam. Schon irre wie sich die Relationen verschieben. Früher: mehrstündige Telefonate um die halbe Welt, heute: 5 Minuten morgens, kurz noch was Wichtiges absprechen, kurze Rückversicherung dass der Andere da ist, im Sinne von: Hej, wir sind ja immer noch ein Paar! Ja, manchmal hat das schon was Überraschendes an sich, diese eigentlich ja ganz simple Erkenntnis.

Seit der Kleine Mann tatsächlich da ist, und auch nicht mehr hauptsächlich ein kleines schreiendes Bündel ist, ist das Ganze eigentlich eher noch etwas schwieriger geworden. Man kann sich nicht mehr über ihn absprechen, weil er alles ganz genau versteht. Auch in beiden Sprachen. Langsam verstehe ich, warum Eltern der Oberschicht im zaristischen Russland gerne mal zu Tisch französisch sprachen wenn die Kinder nix mitkriegen sollten…. woher ich das weiß? Ich glaube, es stand mal in einer Autobiografie. Vielleicht Nabokovs „Erinnerung, sprich!“ ? Eventuell, keine Garantie. Jedenfalls hört der Kleine Mann alles mit, und er versteht seine beiden Sprachen aber sowas von genau…. und es ist ihm peinlich wenn man Anekdoten von ihm zum Besten gibt, vor fremden Leute wie etwa Oma und Opa. Egal ob auf deutsch oder ausländisch.

Jedenfalls: wann soll denn die Zeit sein, in der man mal in Ruhe (!) über sich, den anderen und das Kind reden kann? Fragen klären, mal einfach was bereden, sich austauschen? Morgens wohl kaum: Aufstehen, Kaffee machen, Frühstücken, Kleinen Mann anziehen (lassen), los. Abends wohl eher auch nicht: 8 Stunden Arbeit, müde, noch kurz Spielen, Kochen, Ausziehen, Sandmännchen, Zähne putzen, ins Bett bringen. Danach ist für mich Ende der Fahnenstange.

Also: 5 Minuten am Morgen, es heißt ja immer, das sei nur eine Frage des Zeitmanagements. Sind andere Eltern auch so müde am Abend? Mann, ich höre immer nur von so Energiebündeln, die es am Abend sogar noch schaffen was für ihre Arbeit/Hobby zu tun. Also ernsthaft zu arbeiten. Bis spät nachts. Dann stehen sie am Morgen wieder früh auf, bringen die Kinder weg, arbeiten…. auweia. Das macht die Sache für mich nicht besser, denn es kommt noch das schlechte Gewissen dazu, dass ich das definitiv nicht kann. Daher: lieber morgens noch 5 Minuten. Ganz für uns alleine, am Telefon.

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3 Kommentare leave one →
  1. mama06 permalink
    Juni 15, 2011 10:31 am

    Hi, also ich bin Abends auch immer fix und alle. Zum Hobbys pflegen bin ich fast immer zu müde. 😉 Du bist nicht alleine

  2. Pfiffika permalink
    Juni 17, 2011 6:31 am

    Nein, nein, sie sind absolut nicht allein!

    Ich habe keine Ahnung mehr, wie wir das „damals“ gemacht haben…
    Die von uns präferierten festen Bettgehzeiten resultieren aus diesem Dilemma.
    Wenn es in Gegenwart der Kinder pressiert, unterhalten wir uns in leidlichem Englisch

    Aber der Englischunterricht der Großen hinterlässt Spuren:,,..ihr redet gerade über xyz! Was ist daran so schlii-iimmm?“

    Seit dem letzten Sommer sind wir ziemlich sicher, dass die Mädels in unserer Abwesenheit nicht das Haus abfackeln oder sich umbringen; also gehen wir jeden Abend eine Runde um den Block…mal schweigend, mal kuschelnd, streitend… was immer so anliegt.
    Das tut ausgesprochen gut!!!
    Dieser pädagogische Rat:,, Nehmen Sie und ihr Partner sich Zeit füreinander; planen Sie einen festen Termin ein.“ ist tatsächlich nicht sooooo übel 😉

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