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Ruhig Blut.

Juni 30, 2011

Also wenn der Kleine Mann mir zum 5. Mal erklärt: „Ich pieke dich, dann bist du weg!“ Oder mir sagt: „Will noch nicht nach Hause! Will hierbleiben! Will weggehen! Will auch mitkommen! Will kein Würstchen! Warum gibts kein Würstchen?“  und gleich darauf folgt: „Du bist nicht mehr mein Freund“ – dann sind das die Momente, in denen ich tief tief durchatme.

Es ist der Moment an dem ich am liebsten kurz im Boden verschwände, dort 7 Jahre verbrächte, die aber nur 7 Sekunden Erdzeit entsprechen und dann entspannt und lieblich und ruhig lächelnd wieder hervorkäme und spräche: „Lieber Kleiner Mann, wir gehen jetzt nach Hause weil Mama007 das so möchte und es auch schon spät ist und Essenszeit und du bist schon ganz müde. Außerdem möchte ich nicht, dass du ständig davon redest, dass ich weg sein soll und Blödkopf ist auch kein schönes Wort. Dass ich aus all diesen Gründen nicht mehr dein Freund bin, macht mich auch traurig. “ Dann würde der Kleine Mann mir folgen, mir sein Händchen reichen und sich liebreizend lächelnd mit mir nach Hause begeben. Und würde fürderhin nie wieder solche Dinge sagen, die er nicht versteht und sich nicht darüber ärgern, dass er kein Würstchen bekommt weil er gerade dreimal explizit verneint hat eins zu wollen.

Leider verschwinde ich aber nicht für 7 Jahre/Sekunden unter der Erde. Der Spielplatz tut sich nicht auf und der Küchenfußboden auch nicht. Dementsprechend atme ich tief tief durch und es ist einer der ganz seltenen Momente in denen ich froh bin, einen kostenlosen „Kindernewsletter“ zu beziehen, der sich in diesen Tagen just diesem Thema widmete: Was tun, wenn Ihr Kind aggressiv ist? Was tun bei Schimpfwörtern?

Es muss also das Alter sein, denn der Newsletter wird einem pro Wachstum des Kindes zugestellt. Manchmal hat das etwas Beruhigendes. Auch wenn ich sonst Beratungsbücher ablehne und  Interviews mit Erziehungsexperten zunehmend verschmähe. Der Newsletter rät: „Bleiben Sie ruhig“ . OK. „Sagen Sie ruhig nein und reden Sie in einer ruhigen Minuten nochmal drüber.“ . In Ordnung, tue ich. „Bei Wiederholung: seien Sie konsequent und geben Sie dem Kind eine Auszeit.“ . Ist gebongt. Ich weiß, es klingt total trivial, aber wenn man alleine mit dem Kleinen Mann ist und der alle 30 Minuten einen Wutanfall kriegt, dann helfen manchmal auch triviale Ratschläge. Schon allein deshalb, weil sie bestätigen, was man ja selber eigentlich tun möchte. Und manchmal eben nicht schafft…. weil man als Blödkopf etwas hilflos dasteht.

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6 Kommentare leave one →
  1. Juni 30, 2011 7:27 am

    Mich graust es bei solchen immer mehr vor der Zeit, wenn der halbe Grieche aelter wird und voll in diese Phase eintritt. Wo er jetzt schon der auf-den-Boden-schmeisser und Wutheuler ist.
    Da hilft wohl wirklich nur ruhig bleiben und sich vorbeten, dass das vorbeigeht…

    • Juni 30, 2011 7:54 am

      Jawoll, beten und ne Kerze anzünden. Tiiiiiiiiiiiiief durchatmen und im Zweifelsfall in den Yogazustand eintreten…. meistens hilfts.

  2. Juni 30, 2011 8:47 am

    Ich hab’s jetzt gerade nicht im Blick, wie alt Dein Kleiner Mann ist, aber ich kann Dir eins sagen… Mit Einleben in den Kindergarten (dauerte bei uns zum Glück ein gutes Jahr, bis unser Junior die erste festen Kontakte hatte) gab es bei uns den Ausspruch „Du bist nicht mehr mein Freund, wenn Du nicht den Fernseher anmachst/mir ein Eis holst/ich Nudeln essen muss…….“ beinahe jeden Tag, dicht gefolgt von „Dann lade ich Dich nicht zu meinem Geburtstag ein“ – ganz normaler Kindergartenslang.
    Beim ersten „nicht mehr Freund sein“ musste ich auch noch durchatmen. Aber dann wandte ich das geschickt gegen ihn an, denn „wenn ich nicht mehr Deine Freundin bin, gibt’s auch kein Eis von mir…“
    Ansonsten gilt wirklich: entspannt bleiben und – vor allem- das Ganze nicht persönlich nehmen. Irgendwie müssen die Knirpse ihrer Wut ja Ausdruck verleihen

    Oho, grosse Worte… wenn ich mal wieder NICHT die Freundin unseres Juniors bin und mich ärgere, komme ich vorbei und lese nochmal meinen eigenen Kommentar

    Liebe Grüsse
    Nike

    • Juni 30, 2011 9:06 am

      Nun ja, der Kleine Mann ist 3 1/2 Jahre alt und hat das gerade vor 1-2 Monaten für sich entdeckt. Und ich finde, man kann schon sagen, dass solche Sätze einen auch persönlich traurig machen. Zu lernen, dass Worte verletzen können, gehört einfach dazu. Insofern ist „nicht persönlich nehmen“ auch nur bedingt möglich. Klar weiß ich, dass er das nicht so versteht was er da sagt. Aber dass er damit was „anrichtet“, das kann er schon lernen!
      Eingeladen bist du natürlich immer…. auch als „nicht-Freundin“ deines Kleinen! Mama007

  3. Juni 30, 2011 12:14 pm

    Ich, als Dreifach-Mutter, schicke Dir das Mütter-Mantra:
    EsistnureinePhaseEsistnureinePhaseEsistnureinePhaseEsistnureinePhase.

    O.k., ist diese Phase vorbei, kommt eine Neue. Anstrengend ist auch die Zeit kurz vor der Einschulung. Die Kinder wissen nicht, was auf sie zukommt, sie sind zwar neugierig, aber in gleichem Maße auch ängstlich. Und damit entsprechend unausgeglichen.

    Wenn sie dann in der Schule sind, beruhigt sich alles etwas (meistens), bevor dann die PAW-Phase (Pubertisten-Anwärter-Phase) beginnt. Und mit der wird es richtig spannend.

    Deshalb hier eine große Portion Nerven und immer schön auf das Bauchgefühl hören, dann klappt es 😉

    • Juni 30, 2011 12:21 pm

      Also gut: Yogazustand und los: Esistnureinphaseesistnureinephase…..

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