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Wochenende

Juli 11, 2011

Wochenende im Kiez. Supersonnenwetter. Heiß. Springbrunnen und Plantsche endlich an. Der Spielplatz ist brechend voll, Bombenwetter, alle sitzen rum und essen Erdbeeren. Ja, trotz EHEC, Noro-Virus etc. – völlig egal es ist zu heiß. Alle 5 Eisläden in 150 Meter Radius sind so voll, dass sich Schlangen bilden.

Direkt daneben: die Alkoholiker von „neben dem Spielplatz„. Es ist gegen 17.00 Uhr und es stehen mittlerweile Tische aus den Wohnungen auf dem Platz. „Is noch Kümmerling da????“ hallts über den Spielplatzzaun. Auf Bank Nr. 1 sitzen lederbekleidete Langhaarige in den Mittvierzigern mit knalleroten Gesichtern. Mittellaut wird Techno gespielt, der mit den mäßig lauten Beatles von Bank Nr. 3 kollidiert. Dort sitzen die Mittsechziger mit fettigem Haar. Ganz hinten, unter den Bäumen, sitzen die Bekifften und lassen den Tag mit einem selbstgesungenen Medley von „Babe come back…“ ausklingen.

Die Mittvierziger haben ihre Kinder auf dem Spielplatz geparkt und es wird Bier und Schnaps gesoffen. Einer von denen hinkt total besoffen nach Hause. „Ihr spielt jetz erst ma ne Runde!“ wird gebrüllt. Ein laufen lernendes Krabbelkind wankt gerade aus der Plantsche durch die Tür auf einen riesigen Hund zu, der vor der Tür wartet und haut ihn auf den Kopf. Der Hund erträgt´s geduldig. Ein Elternteil ist nicht sichtbar. Mehrere Leute mit Kippe und Bierpulle sitzen neben der Plantsche und dirigieren ihre Kinder mittels Schreien. Eine spanische Mutti schreit ihr Kind an (Übersetzung): „Ich sags jetzt nur noch EINMAL, Fräulein! Kleine Kinder werden NICHT nassgespritzt! Das sag ich dir, sonst setzt es was und wir gehn nach Hause! Ich hab dich gewarnt!“ und eilt dann wieder zu ihrem spanischen Freundinnenclan auf der Bank. Die allein erziehende Mami von 3 Ecken weiter schreit ihren Sohn an: „Ich habs DREIMAL gesagt: NIX SCHMEISSEN!“ und lehnt sich danach völlig erschöpft auf der Bank zurück. ich vermute, sie hat immer noch keinen neuen Job weil sie keine Kinderbetreuung kriegt. Die Mama mit zwei rastalockigen Kleinkindern sieht wie immer extrem genervt aus. Der Papa verkrümelt sich gerade. Zwei abgerissenen Punk-Gothic-Mädels üben im Wasser Hula-Hoop-Reifen kreisen lassen. Von draußen dringt der Jazz der Straßenband gegen „Besa me mucho“ der Akkordeons der furchtbaren Sinti-und-Roma-Musiker. Mehrere Eltern mit süddeutschen Akzent zücken ihre mega große, mit einen Riesenteleobjektiv versehene Kamera und halten die ersten Augenblicke ihrer süßen Kleinen im berliner Kiez-Plantschbecken fest. Das halbe Dutzend Kinder der balkanisch anmutenden Flohmarktfamilien schmeißen sich wie jedes Wochenende eimerweise Wasser an den Kopf und schreien aufeinander ein. Ist die Plantsche aus, nehmen sie üblicherweise Sand statt Wasser. Die deutschstämmigen Babies einen Meter weiter tiefer fangen an zu heulen – wegen des Wassers und wegen des Krachs. Das spanische Mädchen von vorhin (das mit der Verwarnung) rast hinter dem Kleinen Mann her, spritzt ihn voll und brüllt: „Hej, eres mi amigo!!!!!!!“ – der Kleine Mann kommt heulend zu mir und schreit: „Ich bin nicht ihr amigo! Bin nicht ihr Freund!!!!“ .

Der Kleine Mann ist übrigens anderthalb Stunden durchs Wasser gerast, hat niemanden beschmissen, auch nur 2mal geheult, einem kleineren Jungen einen Eimer gereicht und ihn dabei angegrinst und war am Ende überglücklich, durchnässt und sehr sehr müde. War ein toller Sonntag. Und ich war sehr stolz, weil er ein toller Junge ist.

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