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Zwei Sprachen, das bringt das Kind voran!

August 31, 2011

Der Kleine Mann wächst zweisprachig auf. Ist ganz klar – immerhin spreche ich Deutsch und Herr Mama007 eine andere große europäische Sprache. Also: darf er zwei Sprachen lernen. Macht ihm mittlerweile sogar Spaß, nachdem es lange so unter „automatisch“ mitlief. Jetzt wird gefordert: „Das hier bitte auf XXXX lesen!“ . Aber gerne, Kleiner Mann! Auch wenn das Übersetzungsarbeit von deinen Eltern fordert. Macht nix.

Im Kiez und im Kindergarten wird überhaupt viel zweisprachig parliert. Russisch, polnisch, englisch, französisch, afrikanische Sprachen die mir gar nix sagen, Hindi und Thai: prinzipiell ist da einiges vertreten. Als wir da nun so neulich auf dem Spielplatz saßen, mitten im multikulturellen Sprachwirrwarr, da sprach eine Mutter neben mir zu ihrem anderthalbjährigen Mädchen:
Please, don´t hit your brother, OK?“ . Gut, dachte ich, eine englisch-deutsche Mama…. süß, wenn die Kleinen so zweisprachig…. genau wie der Kleine Mann….

Dann folgte jedoch Satz Nummer 2 der Mama: „Darrrrling, please look at Mommy! You häff to luuk to Mammie! Don´t hit your brrrotha!“ – da kam mir der leise Verdacht, dass es sich doch nicht um eine Native Speakerin handelt, sondern um eine der überambitionierten deutschen Mamas, die extra mit den Kindern Englisch sprechen – schließlich hatten sie das auch mal in der Schule/Uni. Tatsächlich: in klarstem Deutsch fragte sie mich nach der Zeit um dann wieder, mit diesmal unverkennbarem deutschen Akzent weiterhin Englisch mit dem Töchterchen zu parlieren.

Himmelherrn, warum ist es nötig, mit den Kindern englisch zu sprechen, wenn man selber kein Muttersprachler ist?! Ich dachte ja bislang, das Kind auf der Schaukel wäre die Ausnahme gewesen, dessen Eltern mit ihm in grauenvollem Deutsch-Englisch sprachen, untereinander aber in fiesestem deutschem Lokaldialekt. Det Kind muss ja mithalten können, wa? Lieb gemeint, aber sowas von daneben…. lasst das Kind lieber in Ruhe schaukeln.

Warum müssen Kinder von Deutschsprachigen Eltern unbedingt schon mit anderthalb an eine andere Sprache herangeführt werden? Englisch im Kindergarten ab 2 Jahren ist ja schon geradezu Pflicht! Immer mit der Ansage: „Dem Paul macht das soviel Spaß! Und der ist sonst auch nicht ausgelastet.“ .

Wenn Ihr Kind mit dem Entdecken der Welt mit 2 oder 3 Jahren in Ihren Augen  nicht ausgelastet ist, dann läuft wohl was falsch. Behaupte ich hier dreist. Vielleicht ist es doch nur der elterliche Ehrgeiz, mithalten zu wollen, obwohl man selbst eben nicht zweisprachig ist, und man das Zeitfenster für den Spracherwerb nicht verpassen will? Die berühmten Zeitfenster bringen ja momentan alle Eltern ins Schwitzen, die nur genug NIDO, Foren, Erziehungsratgeber etc. lesen. Dabei ergibt ein kurzer Überblick bei Google zu „Zeitfenster Spracherwerb“, dass all diese Zeitfenster wohl doch nur Chimären sind. Es wäre so schön, wenn Kinder einfach nur das lernen dürften, was ihnen vor der Nase liegt. Reicht doch eigentlich, oder? Schule kommt noch früh genug.

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8 Kommentare leave one →
  1. August 31, 2011 9:35 am

    Gut beobachtet und beschrieben! Man könnte all diese ambitionierten Eltern ja trösten mit dem alten Spruch: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man an ihm zieht“.
    Oder auch mit diesen schon etwas älteren Artikeln:

    http://www.zeit.de/2007/37/C-Fruehfoerderung
    http://www.beobachter.ch/familie/kinder/artikel/fruehfoerderung_das-dressierte-kind/

    Aber scheinbar wollen sie auf diesem Ohr nicht hören – selektive Wahrnehmnung?!

    • August 31, 2011 9:41 am

      Ich glaube schon, dass selektive Wahrnehmung was damit zu tun hat. Denn alle ernsthaften Seiten dazu, sprechen Zeitfenstern die Existenz eher AB. Aber die Mode ist nun gerade so schön dabei und es gibt soviele Angebote, die das immer noch postulieren…. das wird wohl noch dauern bisses abebbt.
      Und, ich denke, es hat mit ANGST zu tun. Seit wir alle immer prekärer leben, wollen Eltern ihren Kindern immer mehr immer früher ermöglichen und mitgeben, damit die es bloß mal besser haben. Oder wenigstens stabil. Vielleicht nicht mehr so weit weg von den asiatischen elterlichen Wünschen oder denen von Eltern in Schwellenländern allgemein. Verständlich, aber trotzdem: traurig, zumindest hier in Europa.

  2. August 31, 2011 11:53 am

    Unsere Nachbarn: Er Amerikaner, sie Deutsche. Er spricht grundsätzlich Englisch mit den Kindern, die spricht mal Deutsch mal Englisch mit ihnen… Ergebnis: Die Kinder radebrechen alles durcheinander…

    Evtl. war ja das in dem Fall auch bei Ihrer Beobachtung am Spielplatz so. Reine Vermutung.

    Bei zweisprachig aufwachsendem Kind sollte man doch mit dem Kind immer die eigene Muttersprache sprechen, oder? Wie sehen Sie das? Bzw. wie wird das bei Ihnen gemacht?

    LG, Frau Müller.

    • August 31, 2011 1:13 pm

      Bei uns wird das getrennt. Da wir beide die Fremdsprache fließend sprechen und ich sie auch ohne Akzent beherrsche, haben wir eingeführt, dass zuhause, wenn Herr Mama007 da ist, und wenn wir ansonsten zu dritt sind, die Fremdsprache gesprochen wird.
      Bin ich mit dem Kleinen Mann alleine – wird Deutsch gesprochen. Ausnahmen bestätigen die Regel: daher wird bei OMa und Opa meist auch Deutsch gesprochen, selbst wenn Herr Mama007 mit dabei ist. Sehr wichtige Dinge, die der Kleine Mann noch nicht ganz so gut in der Fremdsprache versteht, werden auch außer der Reihe auf Deutsch von uns beiden in Deutsch geliefert – häufig mit Übersetzung in die Fremdsprache hinterher.
      Bislang gehts ganz gut – und der Kleine Mann macht gerade mal wieder Riesenfortschritte und beginnt kleine Sätze auch in der Fremdsprache zu sprechen, die er ansonsten genau wie Deutsch versteht. Durch den Kindergarten ist ihm Deutsch als gesprochene Sprache natürlich sehr viel näher – daher auch unsere Regel dass wir wenn wir zu dritt sind IMMER die Fremdsprache sprechen.
      Mama007

  3. September 2, 2011 7:54 pm

    Sehr schöne Erklärung. Vielen Dank für den detaillierten Einblick in das Leben als zweisprachige Eltern… Etliche Sachen waren mir da noch unklar; jetzt sind sie’s nicht mehr.

  4. Maini permalink
    September 6, 2011 3:46 pm

    nicht zu vergessen (und das ist für mich das schwerwiegendste an der sache), dass diese kinder die sprache falsch lernen und dies nie wieder aus dem kopf bekommen.

    als wir in norwegen lebten und jr. zur welt kam, wurde uns dringend davon abgeraten mit dem kleinen norwegisch zu reden. einfach weil wir es selbst nicht richtig konnten. nicht das wir überhaupt auf die idee kamen. schließlich wurde der kleine mann von mir auf deutsch betüdelt und vom papa und seinem großen bruder auf mazedonisch. mit einzug in den kiga kam dann halt noch norwegisch hinzu. der kleine wusste schnell mit wem er in welcher sprache kommunizieren musste, um eine antwort zu erhalten. auch wenn sich mal ein wort falsch einschlich, hat er zu 99 prozent immer in der jeweils richtigen sprache gesprochen (als er dann endlich mal mit sprechen anfing 😉 )

    bis heute trennen wir da strikt, auch wenn norwegen inzwischen kein thema mehr ist. zuerst hatte ich versucht, hier kontakte zu norwegern zu finden, damit er die sprache nicht vergisst. aber nachdem das aussichtslos war, ist es auch nicht mehr weit hin mit seinem norwegisch. theoretisch könnte ich natürlich ein wunderschönes falsches norwegsich mit ihm sprechen, nur damit die sprache erhalten bleibt, nur nützen wird es ihm nicht in der zukunft, wenn er dann alles falsch spricht.

  5. Februar 21, 2014 10:28 pm

    Oh wie furchtbar… also das wäre mir zu heikel. Einmal irgendetwas falsch gelernt, das bekommt man sooo schwer wieder raus. Das schadet dem Kind dann doch eher, als das es nützt?! Wir wollten auch gerne, dass unsere Tochter so früh wie möglich eine Fremdsprache mitbekommt. Mein Mann und ich sprechen beide mehrere Sprachen – aber eben nicht wirklich fehlerfrei. Nicht annähernd so, dass wir das so unserer Tochter beibringen würden. Unser Kompromiss: Sie geht in einen bilingualen Kindergarten. Dort wird zweisprachig chinesich-deutsch gesprochen, gesungen und gespielt. So lernt sie ganz natürlich eine andere Kultur kennen, mit Sprachbarrieren umzugehen, und ganz nebenbei lernt sie auch noch ein wenig chinesisch, das sie dann MIR beibringt (wobei sie selten mal zufrieden mit meiner Aussprache ist *g*)

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