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Bedenken, viele Bedenken….

Dezember 15, 2011

Nicht, dass ich schwanger wäre. Aber im Bekanntenkreis schon.

Nu gehts los mit: was darf ich essen, was nicht, was darf ich machen, was nicht…. und nach mehreren Wochen stelle ich fest: Irre, was es hier in Deutschland alles so gibt zu dem Thema. Und vor allem: was gerade im Zeitgeist liegt zur Schwangerschaft. Vor allem anderen: Informier dich über ALLES was sein und/oder passierne könnte! Kein roher Fisch, kein rohes Fleisch, nix heben, nix tun, ausruhen …. alles Dinge, die mir vor 4 1/2 Jahren auch gesagt wurden. Allerdings mmer mit dem Zusatz: „Wenn du dis ruhig machst, kannstes auch machen!“ . Hier wird gegoogelt ob die gewünschten Nahrungsmittel schwangerschaftskompatibel sind. Menno! Esst doch einfach worauf ihr Lust habt! Piepegal ob das nu heiß- oder kaltgeräucherter Lachs ist oder ob das vegetarische Sushi auf einer Platte zubereitet wurde auf der vielleicht vorher schon Fisch filetiert wurde. Weitere Stichworte schwieriger Lebensmittel: Himbeerblätter, Salami, Hackepeter, medium gebratenes Steak, Käse auf Pizza. ARGH!

Ich gebe hier ein Plädoyer für eine entspannte Schwangerschaft. Wenn ich fertig bin, könnt ihr gerne wüten und schimpfen. Aber ich habe das, was ich hier sage, auch schon persönlich weitergegeben, weil ich dieses ganze Rumgesuche und all die furchtbaren Dinge, die einem in Internet und Medien vorgegeben werden, entsetzlich finde und nicht still sein kann. Bitte, bitte, bitte, seid doch einfach schwanger. Informiert euch, klar, aber dann lasst es auch. Schwangersein kann so wunderbar sein, wenn man es nicht die ganze Zeit überdenkt und alles Schwierige im Hinterkopf hat.

Man muss nicht alle Schwangerschafts- und Geburtsdokus und -reportagen gucken. Is´nich nötig. Mit einer gewissen Freude erinnere ich mich an den Moment in dem wir schon relativ weit schwanger zurückkamen nach Deutschland und ich mich auf all diese Informationen stürzte. Solange, bis Papa007 mir als Hochschwangerer mal die Fernbedienung aus der Hand nahm und sagte: Jetz is genug! Du bist schon ganz bleich! Und das war definitiv eine weise Entscheidung.

Auch ohne Geburtsvorbereitungskurs kam der Kleine Mann glücklich (wenn auch sehr langwierig) auf die Welt. Und das Windeln habe ich tatsächlich auch ohne Kurs gelernt. Die lateinamerikanische Gynäkologin, die mich dort im Süden betreute, machte jeden Monat Ultraschall (Oh my GOD! riefen die Mitschwangeren in Deutschland und erzählten mir von den furchtbaaaaaren Dingen die dadurch geschehen könnten) und riet mir, ich könne auch jeden Tag ein kleines Tässchen Kaffee trinken, das wäre schon okay wenn ich das unbedingt wollte (hier wurde mir von Spontanaborten erzählt). Schinken war mein tägliches Frühstück, weil es mich so an zuhause erinnerte (Achtung! Schinken gehört angeblich zur Variante „rohes Fleisch“ und könnte, wenn man es recht bedenkt, Probleme auslösen. Möglicherweise.). Lediglich spontane Blutungen sollte ich sofort melden und als ich tatsächlich mal abnahm während der Schwangerschaft gabs ein Riesendonnerwetter von ihr. Das wars dann aber auch.

Kein Mensch hatte ansonsten was dazu zu sagen, dass ich schwanger war. Wollte auch keiner – denn schwanger sein ist normal. Auf dem Land im ärmsten Land Südamerikas war und ist man eben einfach schwanger. Is´eben so. Man macht ´n bisschen ruhiger, das wars. Kein Riesentrara, kein ständiges: Tu dies nicht, tu das nicht. Papa007 wurde von anderen Dorffrauen gerügt, weil ich nur 8 Kilo zugenommen hatte, und das schien den Damen zu wenig. Ansonsten: In Buchläden gabs keine 3 laufenden Meter Schwangerschafts- und Babyratgeber, von Erziehungsbüchern ganz zu schweigen. Man kriegt eben einfach ´n Kind. Mehr ist nicht nötig. Kein Mensch fand es nötig, seine Geburtserfahrungen mit mir zu teilen, meine Mutter hat sie mir sogar extra vorenthalten (danke, Mutti, das war ne gute Idee).

Ich will damit nicht sagen, dass man seine Kinder unbedingt in Südamerika kriegen sollte. Drei Kreuze hab ich gemacht, dass der Kleine Mann hier in Deutschland zur Welt kam und meine ganze Arbeit umgeplant damit das ging. Denn die Kaiserschnitt-Manie der Lateinamerikaner, die Ärzte und das Gebären im Mehrbett-Kreißsaal wären nicht so mein Ding gewesen. Von den hygienischen Zuständen auf dem Land bei einer Hausgeburt ganz zu schweigen. Aber diese Ruhe und Normalität, die unsere Schwangerschaft dort umgaben, waren sehr sehr schön. Keine Aufgeregtheiten, einfach nur ruhiges Durch-die-Gegend-schaukeln mit Kleinem Mann im Bauch. Bis zum Ende des 5. Monats waren wir auf dem Land und schliefen im Zelt. Duschen mit Solardusche, Essen aus der Kiste. Kaum Stühle, keine Betten. Ab dem 6. Monat bestieg ich keine Berge mehr und ichhabe auch Jeepfahrten über Sandpisten vermieden. Gut war. Im 7. Monat flog ich dann zurück nach Deutschland („Oh my GOO-HOOOD“ sagten die Mitschwangeren in Deutschland, „die Strahlung!!!!!!!!!!„). Ich muss irgendwo zwischen Mega-Öko-Mama und Völlig-Unverantwortlich-Mama gelegen haben in deren Augen.

Was ich damit sagen will ist: lasst euch nicht anstecken von dieser Schwangerschaftsmanie. Seid einfach schwanger. Genießt es, solange es geht und die Rückenschmerzen euch nicht nerven. Macht eure Vorsorge und freut euch am pulsierenden Dings da im Bauch. Lasst euch nix aufschwatzen von wegen „dies nicht- das nicht“. Ihr braucht wahrscheinlich keine doppelt- und dreifache Vorsorge mit Extra-Dingens wenn ihr nicht ernsthaft zu einer Risikogruppe gehört. Esst was ihr mögt. Macht was ihr mögt – so schnell ihr könnt, und soweit ihr wollt. Ihr sollt keine Marathonmamas sein. Ist nicht nötig. Denn natürlich ist alles anders wenn da was im Bauch dremmelt. Aber auch nicht sooo anders dass ihr nicht ihr selber bleiben könntet. Einfach so. Eben nur zu zweit.

Glaubt einfach nicht, wenn euch die Gesellschaft weismachen will, ihr müsstet jetzt alles machen was man euch suggeriert. Seid einfach schwanger.

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14 Kommentare leave one →
  1. Dezember 15, 2011 7:56 am

    *-* „Man macht ´n bisschen ruhiger, das wars.“

  2. Dezember 15, 2011 9:04 am

    Liebe Mamma 007!
    Genau!!! Ich war beim ersten Kind auch sehr von diesem ganzen „Gelumpe“ in Ängste versetzt worden. Beim zweiten habe ich nur die nötigen Ultraschalluntersuchungen gemacht, sonst nix dazu. Und eine Hausgeburt. Mein erster Frauenarzt hat sogar auf einen „Flasch“befund, als wir von der Falschheit noch nix wußten, sogar gesagt: Das dürfen sie der Gesellschaft doch wohl nicht zumuten, als wir sagten, : wenns eine Trisomie 21 ist und unser Kind kommt so auf so oder anders auf dei Welt, ist es eben unser Kind. Basta! Was habe ich geweint, völlig unnötig. Rohes Fleisch und Fisch: päh. Ich habe 35 Jahre gelebt ohne jemals Toxoplasmose oder Salmmonellen zu kriegen, bin aufm Land, „im Dreck'“ großgeworden, hatte nichtmal Antikörper gegen irgendsowas, sprich nie unerkannt durchgemacht, wie CMv, Toxo usw. und dann soll ich auf meine geliebte Sushi verzichten. Nö!! Wenn ich den Hunger darauf habe, dann brauche ich das gerade. Keine Massen, nicht jeden Tag, aber eben nicht aus dem Rinnstein, sondern vom „sauberen“ Sushi-Laden mit gewaschenen Tellern. Was soll denn da drauf sein!!!!!!! Das geht doch nach der Geburt auch weiter. Wie Du stillst 7 Monate voll, 2 Jahre bei. Aber….! Aber bei anderen wieder: Wie Du stillst gar nicht ! Aber….. Wie Du….. arggghhh
    Ich habe mit meinen Entscheidungen gut leben können und meine Kinder auch. Ich habe nie Geld für irgendeinen Milch“erstz“ ausgegeben, weil er eben immer nur ein ERsatz ist, da stehen keine Menschenmütter auf der Weide, alll die künstlichen chemischen Verfahren um was zu verändern, damit es fast so gut wird wie. Diese Elternzeitschriften, die einem alles mögliche suggerieren, hauptsache man kauft….
    Ich war auch so schon sehr besort, beim zweiten zum Glück nicht mehr, bin 2 Wochen nach Hausgeburt mit Baby umgezogen. Ja, was denn sonst! Hä, Baby bei Mama, wo ist das Problem. Ich kann es tragen, wie auch immer, im Tuch hab ichs gemacht, ansonsten schläft es im Körbchen oder, ich kann eben gerade irgendwas nicht tun. Und dann ist das eben so. Mit Kind ist alles anders. Man muss es nur annehmen, das es so ist. Damit pflichte ich Dir auch Deinem letzten Post bei und ich will jetzt meinen langen Exkurs beenden. Es kam mir aber gerade so rausgesprudelt, als ich das hier las.

    Bist Du nun, odr nicht, oder warum für andere? Hä, verwirrt.
    Einen lieben Gruß
    Sabine

  3. Käfer permalink
    Dezember 15, 2011 9:14 am

    Ich hab beim ersten Mal gedacht: das kann jedes Schwein, jedes Reh und jede Frau seit ein paar Millionen Jahren (oder ein paar Hunderttausend, je nach dem, wie man das mit Homo und so sieht) und es ging in 99,99 % der Fälle gut, einfach so, weil es natürlich ist.

    Ich freu mich noch heute, dass mich bei Nr. 2 ein griechischer Arzt betreut hat, der meinte: „Das Kind kommt ohne Kaiserschnitt heraus. Die Frau ist doch völlig normal gebaut!“ – trotz Übergewicht und Alter. Der Grieche war auch völlig ruhig, als das Kind den ausgerechneten Termin verpasst hat „.. .ist ein Mädchen, das putzt sich halt“ Und sie kam auch völlig normal heraus. Entgegen aller Besorgnisse der deutschen Ärzte, die das Kind am liebsten schon im 8. Monat geholt hätten..

    Übrigens sind meine beiden Kinder gesunde Prachtexemplare geworden…, ohne dass ich auch nur ein Buch gelesen hätte. Vielleicht werden Kinder gesünder, wenn die Mütter nicht so ein Gewese drum machen? Oder fehlt heute vielen Frauen einfach das familiäre Erlebnis von Geburt und Aufzucht des Nachwuchses in der Verwandtschaft, damit sie sehen, wie es geht?

    LG Käfer

    • Dezember 15, 2011 9:22 am

      Ich glaube, es fehlt einfach ein Blick mit etwas Abstand auf Schwangerschaft und Geburt. Denn weder finde ich die totale Öko-Geburt toll (im Internet finden sich teilweise gruselige Seiten mit Erfahrungsberichten dazu) noch die komplette Technisierung. Mir graut einfach vor der Überbelastung des ganzen Themas durch Medien / Gesellschaft.
      Ein bisschen mehr Abstand, ein Blick von außen, etwas mehr Ruhe, ein Vergleich mit Ländern in denen Kinder und Kinderkriegen weniger informationsbefrachtet sind und trotzdem Kinder geboren werden.
      Wie immer ist es sehr schwer das Mittelmaß zu finden zwischen dem kompletten Info-Overkill und dem „Is´mir doch wurscht“. Wahrscheinlich liegts daran, dass Kinder einfach so selten sind und jeder nun natürlich weiß was da alles zu beachten ist. Den Medien sei Dank.

  4. Anna permalink
    Dezember 15, 2011 11:51 am

    Ach Mama 007, deinem Plädoyer kann ich mich voll und ganz anschließen. 🙂

    Einfach mal aus allem (und das gilt eigentlich für alle andere Lebensbereich ebenso!) den Druck rausnehmen, sich nicht von allen und allem irre machen lassen und mal wieder ein bisschen mehr aufs Bauchgefühl hören, anstatt auf hysterische Hühner oder dubiose Internetberichte.

  5. Morphium permalink
    Dezember 15, 2011 4:21 pm

    Grundsätzlich sehe ich das schon so wie Du, aber so ein bisschen kann ich solche Hysterieschwangeren auch verstehen.
    Ich hatte ja das große Glück eine sehr pragmatische Großmutter, eine lockere Mutter und eine realistische Tante bei meinen Schwangerschaften dabei zu haben.
    Meine Großmutter war bei meiner Geburt 35 Jahre alt und hat 18 Monate später ihr sechstes Kind bekommen. Alle 6 Kinder sind Hausgeburten. Sie hat keine Schwangerschaft von einem Gynäkologen begleiten lassen, sondern immer nur von einer Hebamme.
    Mein Bruder und ich sind beide per Kaiserschnitt geboren. Nach jeweils 40 Stunden Wehen.
    Ich habe zum Glück 2 gesunde Kinder, aber zwischen den beiden fehlt ein Kind, denn meine erste Tochter musste ich vor 4 Jahren als Totgeburt entbinden.
    Ich war schon über dem errechneten ET und hatte eigentlich auch ein komisches Gefühl, aber weil ich eben nicht zu den Hysterieschwangeren zählen wollte, bin ich eben erst am nächsten Tag zum Arzt, denn da hatte ich ja eh meinen Untersuchungstermin.
    Wahrscheinlich wäre alles anders gekommen wenn ich mir doch ein bißchen Hysterie zugestanden hätte.
    Ich gräme mich nicht mehr deswegen und ich habe auch die Schwangerschaft der Kleinen Göttin danach ohen Hysterie gut überstanden, aber ich kann sie schon verstehen, die Schwangeren, die sich verrückt machen.

  6. Dezember 15, 2011 5:39 pm

    Haha, ja, sehr gut! Locker bleiben ist wirklich eine sehr sehr gute Devise, die Du Deinen Mitmenschen da an die Hand gibst! Ich habe mich immer gefragt, was wohl die Japanerinnen machen, ob die auch kein Sushi mehr essen. Erstaunlicher Weise werden Schwangere in Amerika auch sehr viel seltener untersucht und es wird allgemein weniger „Tamtam“ gemacht als bei uns, sollte man nicht glauben. Ich denke auch, der Vergleich mit anderen Ländern kann einen ein Stück weit runterholen- allerdings, wenn man noch nie in einem anderen Land schwanger war, hilft das auch nur bedingt. Denn in Deutschland wird man schon „von außen“ ein bisschen kirre gemacht, schon beim Arzt, spätestens bei der Geburtsvorbereitung, allerspätestens im Gespräch mit den Allwissenden – ist das vielleicht unsere deutsche Mentalität??

    Liebe Morphium, tut mir sehr, sehr leid, mit Deiner ersten Tochter. Aber ich glaube, auf sein Gefühl hören/ tun, was einem der Bauch sagt, das sollte man in einer Schwangerschaft immer. Das ist aber etwas anderes, als von Woche 6 an jedem Kaffee- Schinken- und Fischgenuss zu entsagen und sogar erstmal Google zu befragen, bevor man eine TK-Pizza mit Gummimozzarella zu sich nimmt.

    Liebe Grüße
    RALV

  7. Dezember 15, 2011 9:53 pm

    Also ich bin ja nun keine Mama, aber immerhin Vater von vier gesunden Kindern und Sozialwissenschaftler: Ich habe beobachtet, dass meine Frau alles das gegessen hat, was ihr geschmeckt hat (der Körper stellt sich sowieso drauf ein) und alles das getan hat, was ihr gut getan hat. Sie war nicht immer entspannt, aber, wie gesagt: Unsere Kinder sind gesund und munter auf die Welt gekommen und sind es immer noch.

  8. Käfer permalink
    Dezember 16, 2011 5:19 am

    Liebe Morphium,

    es ist schlimm, ein Kind zu verlieren. Mein Bruder starb nach 20 Minuten. Nach 45 Jahren leidet meine Mutter immer noch. Ich verlor auch ein Kind im 5. Monat, ohne nachlässig gewesen zu sein.

    Besorgnis ist gut und oft berechtigt. Das ist keine Hysterie, schon gar nicht eine um Babys, doch Mama007 redet von der Medien-Hysterie, die nur erzeugt wird, damit ein Markt für Ratgeber und Tinneff entsteht und jetzt Dich glauben lässt, Du hättest irgendeine Verantwortung wegen Deiner Tochter.

    Als ich in Peru war, hab ich etwa alle drei Monate einen Frühabort gehabt. Die Höhe und der daraus folgende Sauerstoffmangel + ständige Gewichtsabnahme hatten das verursacht. Zum Glück, der Sauerstoffmangel hätte das Kind schwer geschädigt und diese Gesellschaft akzeptiert nur perfekte Kinder. Und was wird aus dem Kind, wenn ich nicht mehr bin? Es endet in einem Heim und das in Zeiten der Sparsamkeit. Deshalb kann ich nicht traurig sein.

    Manchmal geschieht auch etwas trauriges und man kann es nicht verhindern, so schwer es ist. Eine verkaufsorientierte Hysterie hilft in solchen Fällen nicht, macht es aber noch schlimmer. Sie verhindert gesunde Besorgnis.

    Hier haben wir die negativste Folge der Konsumförderung. Ich fühle mit Dir Morphium. Ehrlich.

    Umärmel Käfer

  9. mama06 permalink
    Dezember 19, 2011 12:40 pm

    Hast du schön geschrieben. Ich habe den Hyp in meiner Schwangerschaft mit den Zwillis auch ausgeblendet, habe mich auf mich und mein Bauchgefühl verlassen und habe die beiden dann kurz vor der 38 Schwangerschaftswoche spontan entbunden. Meine Arzt war einer von den Alten der immer gesagt hat Mädchen du bist zwar schwanger, aber nicht krank, mach das was euch gut tut und lese ja keine Bücher. Er hat auch nie von einem KS geredet wenn alles gut verläuft soll ich spontan entbinden. Der hat mich immer geerdet, wenn mich die Umwelt verrückt machen wollte.

  10. Maini permalink
    Dezember 24, 2011 9:36 am

    Dein Beitrag sollte in jedem deutschen Schwangeren-Forum veröffentlich werden 😀

    Ich wurde in Norwegen schwanger. Dort verlaufen die ärztlichen Kontrollen sehr gemäßigt. Der erste und einzige Ultraschall geschieht in der 16./17. Woche. Und nur auf Drängen wird dabei das Geschlecht verraten. Einen Frauenarzt sieht nur der, der Komplikationen hat. In Norwegen übernimmt der gewöhnliche Hausarzt alle med. Tätigkeiten auch die des Gynäkologen. Über den Sinn kann man hier streiten, ich fand es nicht so toll. Die deutsche Aufteilung in Spezialgebiete wie Kinderarzt, Frauenarzt etc. finde ich ganz sinnvoll. Aber zurück zum Thema: die anfänglich monatlich und später aller zwei Wochen stattfindenden Kontrolluntersuchungen werden größtenteils von einer Hebamme vollzogen. Das heißt, das Kind wird kurz mit einem Hörrohr abgehorcht, der Bauchumfang wird gemessen und abgetastet, das wars. Parallel habe ich in deutschen Foren mitgelesen und war teils fassungslos, was diese Frauen für Daten zusammentrugen. Ich konnte bei nix mitreden, weil das in Norwegen gar nicht erst untersucht wurde.

    Vier Wochen vor der Geburt sollte ich dann wenigstens noch das KH sehen dürfen und bei der Gelegenheit hatte ich meiner Hebamme noch einen Ultraschall aus den Rippen geleiert, denn ich wollte schon gerne den kleinen Zwerg noch einmal vorher sehen. Geburtsvorbereitungskurs? Fehlanzeige. Zur Besichtigung kam es dann nicht mehr und den kleinen Mann durfte ich dann life und in Farbe sehen, da er früher kam.

    Die Norweger leben eine entspannte Schwangerschaft vor. Im Schnitt bekommen sie 2,3 Kinder, viele Familien haben drei, vier Kinder. Was hier oft schon als asozial abgestempelt wird, ist dort gang und gäbe. Wer einmal schwanger war, kann sich vor Anfragen nach dem nächsten Kind nicht retten. Wer schwanger ist, macht was ihm Spaß macht und gut tut. Einziges absolutes Verbot ist Alkohol. Da gilt Null-Toleranz, auch kein Gläschen nach der Entbindung.

    Wer in Norwegen mehr Untersuchungen haben möchte, kann diese natürlich gegen einen großzügigen privaten Obulus erhalten. Verbunden mit langen Fahrtwegen, wenn man nicht gerade in einer der wenigen Großstädten lebt. Es gibt einige Privatkliniken, die sich auf Frauenheilkunde und Geburten spezialisiert haben.

    Entbunden wird im KH in normal gehaltenen kleinen Zimmern. Kein Spielzeug und pipapo. Ein große Badewanne für alle, wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Ich durfte mich auch eine halbe Stunde reinlegen, dann wurde ich wieder rausgejagt. 😉 Die Geburt wird nur von einer Hebamme begleitet, ein Arzt wird nur in Notsituationen gerufen. Die Hebamme hat die volle Verantwortung, entscheidet über Anästhesie und versorgt die Wunden. Als nach Stunden mir eine PDA gelegt werden sollte, war es zu spät. Ich war nicht wirklich traurig darüber, da ich wahnsinnige Panik vor dieser Art der Anästhesie habe. Mir war auch nicht wirklich klar, wie sie die legen wollten, da ich sofort eine Wehe bekam, wenn ich mich auch nur einen mm bewegt habe. Immerhin sollte man sich dabei aufsetzen, 😉 Jr. überlegte es sich dann ja auch schnell anders und machte sich dann auf den Weg. Von der Nachversorgung bekam ich nix mit – man will das ja vorher nie glauben. Ein paar Minuten hatten wir dann noch für uns und wurden anschließend in die normalen Krankenzimmer verlegt. Dort bekam ich nach ein paar Tagen das erste Mal einen Arzt zu Gesicht, Hintergrund war allerdings, dass sie Deutsche war und man das Gefühl hatte, mir täte es gut, mich in meiner Heimatsprache mal mit jemanden unterhalten zu können. Gewöhnlich liegt man ca. drei Tage im KH, bevor man entlassen wird. Bei uns waren es zwei Wochen, lag aber daran, dass der Kleine einfach nicht zunehmen wollte. Er musste den Frühstart noch aufholen. Die Versorgung im KH war gut, ich hatte es nicht eilig zu verschwinden, schließlich bekam ich dort ja alles auf dem Silbertablett geliefert, wofür ich zu Hause hätte allein sorgen müssen.

    Alles in allem ganz easy. Zumindest für mich. Nur hier gibt es natürlich auch ein großes ABER. Ich hätte mir mehr Ultraschall gewünscht. Viele Frauen würden sicher auch ein früheres wünschen, um ggf. Vorerkrankungen auszuschließen. Dies wird mit Absicht in Norwegen nicht getan. Wer auf das Datum des angebotenen Ultraschalls ganz oben nochmal schaut, kann sich denken warum. Auch die Geschlechtserkennung wird ungern vorher gemacht. Warum entzieht sich meiner Kenntnis. Viele Mütter haben hier noch keine Namen für ihr Baby, sie haben mehrere Wochen nach der Geburt dafür Zeit. Also heißen die kleinen am Anfang oft nur lille venn (kleiner Freund). Den Vorteil sehe ich hier in der Hebammenversorgung, die ich als sehr gut kennenlernen durfte, auf die norwegischen Ärzte bin ich nicht so gut zu sprechen, da hofft man immer, man erhält einen ausländischen, mit viel Glück vielleicht einen deutschen. Aber das Gesundheitssystem ist ein ganz anderes Kapitel. Btw. lässt sich wohl die deutsche Hebammenausbildung nicht mit der norwegischen vergleichen. Da lernen sie
    oben ausnahmsweise wohl mehr. Und die Aufteilung ist anders. Es gibt wesentlich mehr Personal in den KH als in Deutschland. Ich hatte während der Geburt eine eins-zu-eins Betreuung. Ich glaube nicht, dass ich die in Dtl. auch so erhalten hätte. Als die Wehen stärker wurden war die Hebamme die ganze Zeit bei mir – also ihre ganze Schicht und blieb dann sogar noch länger, als sie merkte, dass es gleich richtig losgeht, was dann zwar nochmal eine Stunde dauerte, aber die wollte sie wohl nicht verpassen. So kam ich in den Genuss von zwei Hebammen.

    Ich fürchte, das ist etwas lang geworden, dabei könnte ich noch ewig weiter schreiben. 😀
    Kurz zusammengefasst: was mich oft sprachlos machte beim Lesen von deutschen Foreneinträgen war vor allen, das Niedermachen von Schwangeren, die es etwas gemütlicher angingen und die sich nicht gleich alles verbieten liesen. Dabei haben genau diese Frauen in meinen Augen alles richtig gemacht. Geniest die Zeit, tut was euch gut tut, übertreibt es nicht, aber untertreibt es auch nicht. Ruht euch aus, schlaft euch aus, sammelt Kraft für die kommenden Jahre. Lasst euch nicht von der Hysterie anstecken, nehmt eure Kontrolluntersuchungen wahr, erfreut euch an den Bildern, spürt die kleinen Tritte der Zwerge, horcht den Schluckaufs zu, geht ein bißchen shoppen für den Nachwuchs und seid glücklich beim Anblick von Mini-Stramplern, die so schnell viel zu klein werden.

  11. rina permalink
    Januar 1, 2012 8:10 pm

    Hallo, das post ist zwar schon ein paar Tage alt, aber nachdem hier nur auf Deutschland und die deutschen ärzte und KH geschimpft wurde, muss ich mich auch mal melden, weil alles noch unentspannter geht 🙂 Klar, entspannter als in Schweden und Norwegen geht es sicher nur schwer (die beste Freundin hat nach Schweden geheiratet) aber unentspannter als in Deutschland auch. Schwangerschaft in Frankreich ist nicht zu empfehlen (ich sag nur alle 4 Wochen Bluttest für Toxoplasmose…) Mit meiner Idee von „ich bin schwanger, nicht krank“ rangiert ich wohl auch irgendwo zwischen völlig verrückt und militant alternativ…

    • Januar 2, 2012 10:59 am

      Schön zu sehen, dass es immer noch wilder geht! Alle 4 Wochen auf Toxoplasmose…. halleluja.
      Liebe Grüße: Mama007

  12. Rina permalink
    Januar 4, 2012 8:22 pm

    Ja, nicht 🙂 (Und das ich auf einem Bauernhof grossgeworden bin und meine Katze schon seit 10 Jahren bei mir lebt, verschweige ich jetzt auch mal)…Eins ist mir noch eingefallen, alle Entspanntheit der Mutter nützt nix, wenn der werdende Papa nicht mitzieht…(sonst hätte ich mich den Toxotests auch glatt verweigert, aber dann hätte ich 9 Monate einen megagestressten Mann an der Seite gehabt)

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