Skip to content

Warum machst du das?

Dezember 20, 2011

Warum machst du das?“ werde ich oft gefragt. Warum gibst du die Wissenschaft auf, wenn du doch jedesmal nen erhöhten Puls kriegst, wenn dir jemand Scherbenfotos schickt, die du spannend findest? Tja, warum habe ich wohl die Wissenschaft aufs zweite Gleis geschoben um lieber wenigstens etwas Geld zu verdienen? Genau darum:

Zeitverträge an der Uni

Zusammengerechnet kenne ich locker 20 Personen in ganz Deutschland, an vielen verschiedenen Unis, die in solchen Situationen stecken. Vom vielversprechenden Nachwuchswissenschaftler bis zum mitte 40-jährigen mehrmaligen Familienvater. Alle sind unzufrieden, leiden unter mehr oder weniger großer Existenzangst (was ja heute fast normal ist wenn man zwischen 25 und 45 ist), verlieren langsam den Elan für die Forschung und können sich prinzipiell um ihre Forschung viel weniger kümmern als sie sollten weil sie zwischen dem Einwerben von Geldern, der Verwaltung ihrer wissenschaftlichen Stellen und der Hilfe für den Prof nur noch wenig Zeit für ihre ureigenste Arbeit haben.

Und genau deshalb habe ich meine Herzensarbeit auf Gleis Nr. 2 geschoben. Ich muss keine Gelder einwerben, keine Profs betüddeln und mir keine Zeitsorgen machen. Dagegen muss ich mir Zeit für die Herzensarbeit freischaufeln, mir Sorgen um den vernachlässigten Kleinen Mann machen und werde trotzdem nie auch nur irgendwas dafür zurück erhalten. Keinen einzigen Cent. Außer vielleicht (Tadäääää!!!!!!!) wissenschaftlichem RUHM. Der mich auf die oberen Ränge der internen Bekanntsheitsskala katapultiert und mir die neidischen Blicke anderer einbringt, sodass man auf Kongressen leise flüstert: Guck mal, dass ist die doch…. die Mama007!

Und gleichzeitig zu meinem schlechtem Gewissen habe ich die Kosten für Bücher und Kongresse und die viele unbezahlte Herzenszeit und viel Emotion wenn die Scherben auf dem Bildschirm flimmern. Ich tu´s trotzdem. Oder, wie der Sänger sagt:

Si no creyera….

Advertisements
3 Kommentare leave one →
  1. Käfer permalink
    Dezember 20, 2011 8:53 am

    Mein Gatte hat mir gestern von Chulpas erzählt, die auch noch nicht erfasst sind. Den Standort hatte ich fotografiert – von der anderen Seite des Tales, weil er mir interessant vorkam, so..chulpig halt… wenn ich Lotto gewinne (und ich spiele), dann kannste ohne finanzielle Sorgen all das ausbuddeln, erfassen und Dir einen Namen ohne Zukunftsangst machen.

    Bis dahin bleibt uns nix. Mein Traum von wissenschaftlicher Arbeit ist genau am 9.11.1990 kaputt gegangen, wenn ich es auch erst einige Wochen später begriffen hab, dass für mich nur noch Überlebenskampf angesagt ist.

    Dir geht es noch gut. Du musst nicht mit Abi, Studium und drei Berufen als Schichtarbeiter in die Produktion und Glasscheiben herstellen. Obwohl… ich bete drum, dass die mich nehmen. Dann hätt ich nämlich wieder ein Einkommen.

    Ruhm ist sowieso vergänglich, aber was man an kleinen Kindern weglässt, bekommt man später als dicke Rechnung präsentiert.

    Und wer all das nicht versteht, ist selber schuld

    Schöne Weihnachtsgrüße

    Käfer

  2. Dezember 26, 2011 8:40 pm

    ach, mama007, ich versteh dich soooo gut! da mein vertrag im juli ausläuft (noch nicht mal weil die 6 jahre um sind, sondern eben weil), spiele ich auch mit dem gedanken, das feld wissenschaft zu verlassen. nach zwei studienabschlüssen und ein paar jahren berufserfahrung hab ich was besseres als jahresbefristete teilzeitstellen verdient. und dass das kein scheitern ist, sondern ein zeichen von ’selbstbewusstsein‘ – nämlich dem bewusstsein, dass man dieses spielchen nicht mitspielen muss – lerne ich grade. oder begreife es. und ich versuche das so zu sehen: während der schulzeit war ich musikalisch aktiv und auch nicht untalentiert. eine weile wollte ich musik studieren. hab es aber glücklicherweise gelassen und mir somit ein schönes hobby bewahrt. manche dinge machen mehr spass, wenn man sie des spass an der freude macht, und nicht um ruhm und geld willen. ich hoffe, das ist mit der wissenschaft genau so!
    boah, lange rede, kurzer sinn…

    • Dezember 27, 2011 8:22 am

      Ich wünsche dir viel Kraft für das Bedenken aller Facetten die diese ENtscheidung so mit sich bringt.
      Ich habe damals aus dem Bauch heraus, aus Wut, so entschieden, und dann ein ganzes Jahr kein einziges wissenschaftliches Buch angerührt. Mir wrude davon direkt übel.
      Mittlerweile bin ich soweit, dass ich damit umgehen kann dass für die Herzensarbeit eben auch Kleine-Mann-Zeit draufgehen muss und kann damit leben. Und meine Faszination für mein Fach ist eben doch ungebrochen, manche Dinge liegen einfach zu tief. Also mache ich „privat“ weiter und habe einige Möglichkeiten gefunden, so auch weiterzumachen.
      Viel Glück! Mama007

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: