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… und dann hat es BOOOOM gemacht….

Januar 5, 2012

Nun ja, BOOOOOM machts beim Kleinen Mann ja öfter, sogar ganz wörtlich. Auch PENG und KNALL höre ich oft. Muss son Jungsding sein.

Diesmal aber hats wohl in seinem Kopf BOOOOM gemacht, denn nach einem Jahr auf-ihn-einreden in Spanisch unsererseits antwortet er plötzlich freiwillig und sogar in ganzen Sätzen auf Spanisch. Als ich das zum ersten Mal hörte dachte ich, ich hätte einen Hörfehler. Immerhin war ich im Wohnzimmer und der Kleine Mann mit seinem Papa im Bad. Aber ich konnte ganz genau hören, dass er sagte (Übersetzung): „Ich will nicht Pipi machen, ich will mit dir SPIELEN!!!“ . Irre. Gleich 5 Minuten später erklärte er seinem Papaauf Spanisch, dass er gerne mit ihm im Bett kuscheln würde. Wir konnten es nicht fassen.

All die tollen Sprach-Erziehungs-Ratgeber sagen, dass „One Parent – One Language!“ das Allerbeste für ein Kind wäre. Multilingual Mama , die als Französin mit mexikanischem Mann und zwei Kindern in Singapur (!) lebt, hat aber super dazu gebloggt, das Durchziehen der OPOL-Regel ist also wirklich schwierig, und das kann ich nur unterschreiben. Forumsrecherchen (ja, ich habs getan!) ergaben, dass es auch durchaus okay ist, diese Regel nicht anzuwenden wenn die Nutzung einer zweiten oder dritten Sprache kontextbezogen ist. Sowas wie: mit Papa und Mama deutsch, bei Oma nur rumänisch, sitzen aber alle am Tisch wird nur Suaheli geredet. Oder so ähnlich.

Wir hatten zwar seit der Geburt des Kleinen Mannes Deutsch und Spanisch geredet, bekamen aber nur deutsche Antworten vom Kleinen Mann. Das wollten wir ändern. Vor einem guten Jahr hatten wir uns also dazu entschieden, den Kleinen Mann zuhause nur noch auf Spanisch zu belabern. Nach Absprache mit den Kindergärtnerinnen wussten wir, dass sei in Ordnung solange der zweite (nicht muttersprachliche) Sprecher (also Mama007) ein sehr gutes Sprachniveau habe und akzentfrei spreche. Tue ich. Also los. Monatelang sprachen wir auf ihn in Spanisch ein. Da aber Deutsch irgendwie meine emotionale Sprache mit dem Kleinen Mann ist, sprach ich mit ihm auf Deutsch wenn wir zu zweit waren. Im Kindergarten lief ja eh nur Deutsch. War ich krank und erschöpft, sägte ich immer als erstes die spanische Konversation (oder besser: Monolog?) ab, denn im Hirn ist es doch anstrengender eine andere Sprache zu programmieren als die Muttersprache. Egal wie fließend und leicht einem die zweite Sprache eigentlich von der Zunge geht.

Der Kleine Mann aber war absolut resistent gegenüber unserem Gerede. Er verstand alles, befolgte alles, lachte an den richtigen Stellen. Nur Sprechen kam nicht in Frage. Nur hin und wieder mal ein spanisches Wort im deutschen Satz, sonst nix. Und nun plötzlich, vor einigen Tagen, antwortete er plötzlich in größeren Satzbröckchen auf spanisch. Und dann: ein ganzer Satz. Er setzt einfach zu Spanisch an, stammelt ein bisschen – und dann gehts los. Wir haben es geschafft.

Der Kleine Mann ist einfach ein ganz toller kleiner Junge.

2 Kommentare leave one →
  1. Januar 5, 2012 1:44 pm

    Das scheint auch so ein Phasending zu sein.
    Sprach der halbe Grieche zuerst mit seinem Papa fast ausschliesslich griechisch, redet er momentan nur noch deutsch mit allen.
    Ich denke, das kommt wieder, irgendwann – momentan hat er eben genug zu tun, an seinem gesprochenen deutsch zu feilen. So ein Kleinkindhirn hat ja auch nicht unendlich Kapazitaeten 🙂

  2. Januar 5, 2012 4:23 pm

    Ja, wenn die Sprachverwendung entweder menschbezogen (ein Mensch – eine Sprache) ODER kontextbezogen (ein Kontext, eine Sprache) ist, funktioniert das, im Wesentlichen auch mit bis zu vier oder fünf Sprachen – und die Intelligenz steigt auch noch gegenüber einsprachig aufwachsenden. Und … das Erlernen weiterer Sprachen geht auch noch schneller, egal, in welchem späteren Lebensalter. Daher ist es auch dumm, den Migranten zuhause oder auf dem Schulhof ihre Muttersprachen(n) austreiben zu wollen.

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