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Cindy aus Marzahn

Januar 25, 2012

Neulich hatten wir eine Premiere: bei dem Sauwetter momentan hatten wir die geniale Idee in einem ostberliner Stadtteil einen Indoorspielplatz zu besuchen.

Merke: wenn du mit der Straßenbahn nur 20 Minuten fährst (in unsrer 3 1/2 Millionenstadt eine kleine Strecke), dann landest du u.U. in einer anderen Welt. Verlassene Ostplatten, ein vietnamesisches Einkaufsviertel inklusive Nägelladen, vietnamesischer Fahrschule und mehreren vietnamesischen Großhandelsfirmen, vierspurige Ost-Autobahnen. Und eben: der Indoor-Spielplatz. Daneben: abgesperrte alte Industrieflächen. Ich fühlte mich wie früher oder: wie so oft irgendwo im Osten par excellence.

Im“ Spielplatz: strähnchengeschmückte, zu 2/3 übergewichtige junge Muttis in Markenklamotten, möglichst eng anliegend. Dazu passend: der solariumsgebräunte Typ mit extremer Kurzhaarfrisur und den passenden – Markenklamotten. Das Kind: gut genährt, mit modischem Haarschnitt und in, na????? – modischen Markenklamotten. Die Opas und Omas dazu: solariumsgebräunte, leicht übergewichtige Herrschaftenim QVC-Outfit. Plötzlich war die komplette „Ich kleide mein Kind in ökomäßig Selbstgefilztes“ – Community einfach weg. Die macht sonst doch so ein gutes Drittel der Spielplatzbelegschaft in unserm Kiez aus. Andere Welt eben.

Merke auch: Willst du einen Indoorspielplatz besuchen, nimm dir Ohrstöpsel mit. Der Krach, den hunderte von Kindern in einer fußballfeldgroßen Halle, deren Decke nicht schallgedämmt ist, verursachen können, gemischt mit „Dem Besten aus den 80ern“ und den regelmäßigen Ausrufen der Information, dass das „Essen auf Nr. 74, 2 x Hähnchennuggets“ jetzt fertig ist, also den Lärm steckt man nicht eben so weg. Als wir da wieder raus waren, waren 3 Stunden vorbei und ich hatte den Diskoeffekt im Ohr.

Alle 30 Minuten wurden Kinder ausgerufen, deren Eltern abhanden gekommen waren.

Freundlich und beschwichtigend: „Liebe Eltern, der kleine Raoul, 4 Jahre, sucht seinen Papa oder seine Mama. Bitte meldet euch am Infostand!“

5 Minuten später, etwas eindringlicher: „Liebe Eltern, der kleine Raoul, 4 Jahre, sucht seinen Papa oder seine Mama. Bitte meldet euch am Infostand!“

10 Minuten, später, in klassisch berliner Akzent: „Bitte dringend den kleinen Raoul abholen!!!!!!!!!!!!!!!! Ein Erziehungsberechtigter zum Infostand!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“

Nach insgesamt 25 Minuten und vier Ausrufen hatte der kleine Raoul, 4 Jahre, sein Wartemartyrium dann wohl überstanden. Was machen diese Eltern bitte, dass man sie VIERMAL (noch mal, für Alle: 4 Mal!) ausrufen muss?! Solange is´doch kein Mensch aufm Klo! Zumal ich den Kleinen Mann dahin gnadenlos mitgenommen hätte.

Merke, drittens: Indoorspielplätze sind Entmaterialisierungs-Maschinen. Keine Ahnung ob so was physikalisch geht, aber hier funktionierts. Der Kleine Mann spielte friedlich, ich guckte 5 Sekunden (ernsthaft!) mal in die andere Richtung und zack!!! weg war der Kleine Mann. Ich fand ihn 5 Minuten und 3 Schweißausbrüche später am anderen Ende der Halle. Das Ding war so riesig groß und so unübersichtlich, dass ich dem Kleinen Mann stante pede seinen Namen und meine Telefonnummer auf den Unterarm malte. Das guckte er sich auch alle 5 Minuten an und war schwer beeindruckt. Das mit der Entmaterialisierung passierte trotzdem noch 5 Mal (ich seh ihn zum Klettergerüst renne, schaue 5 Sekunden zum Trampolin – und weg war er) und da der Ausgang nicht wirklich kindersicher bzw. überwacht war, musste ich nach diesem Tag erstmal ordentlich duschen. Uff.

Immerhin: der Kleine Mann fands großartig.

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2 Kommentare leave one →
  1. Januar 25, 2012 6:06 pm

    Hehe. Bim Bam Boom? 😀

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