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Bücher auf „-in“….

Januar 26, 2012

Vor einigen Jahren entdeckte ich die große Welt des historischen Romans. Angefangen hat eigentlich alles ganz harmlos mit einem der besten „historischen“ Romane aller Zeiten: Das Foucaultsche Pendel von Umberto Eco. Super Plot, super Recherche, witzig – stimmt alles. Das war in den 90ern und danach kam sehr lange nichts.

Nach dem Nicht kam dann aber dafür eine riesen Welle: Die Welle der historischen Romane auf „-in“.

Die Totenwäscherin, die Kastellanin, die Pestärztin, die Päpstin, die Sündenheilerin – you name it. Einer schlimmer als der andere, eine endlose Liste von recht einfältigen, nach außen hin aber rebellisch aufgemachten Frauen in historischen Settings, bei denen meistens dann doch eben immer nur die Liebe siegt. Die sind alle gleich: sie erleiden in der Kindheit oder frühen Jugend Furchtbares durch Männer und/oder den Lauf der Geschichte (meistens werden hier eh nur Männer als geschichtsträchtig dargestellt), setzen sich dann unter größten MÜHEN dagegen durch und werden dabei häufig von einer älteren, auch durch Männer/Geschichte geschädigten Frau unterstützt oder wahlweise einem netten Mann, der aufgrund seiner Nettigkeit irgendwie nicht in das Geschichtssetting passt und daher häufig auch nach außen eine harte Schale zeigen muss. Entgegen den furchtbaren männlich dominierten Gegebenheiten der jeweiligen Epoche müssen sie dann viele Abenteuer/Probleme/Vergewaltigungen durchstehen und finden dann aber doch am Ende einen Mann, der sie versteht und zusätzlich noch suuuuuper aussieht. Meist ist der Liebesplot natürlich schwierig weil dieser suuuuper Mann nicht weiß was er mit so einer tollen, selbstbewussten Frau anfangen soll. Etc. etc. pp., laberlaber, Kuss, heißer „piiiiiiiep“, Probleme, Kuss.

Und die historischen Settings sind dann auch noch häufig defizitär und schlecht recherchiert. Entsetzlich. In der Päpstin gabs irgendwo die Stelle wo sie Maisbrei essen. Im Mittelalter. Himmelherrn, das is´doch nu nich schwierig zu recherchieren! Mais = Neue Welt = frühestens im 16. Jh. in Europa. Mannomann.

Und die Leute lesen das! In Massen! Und dazu kommt der Kram nu auch noch im Kino und Fernsehen! Es ist nicht auszuhalten. Neulich war ich im riesen Buchladen in der Innenstadt und die haben ernsthaft 10 laufende Meter Bücher auf „-in“. ZEHN!!!!!!!!!! Und dazwischen, ganz verschämt – z.B. das „Foucaultsche Pendel“.

Kann denn nicht mal einer nen vernünftigen historischen Roman machen? Die Barocktrilogie von Stephenson war großartig – aber nu is eben Schluß, der dritte Band ist raus (auch wenn ich hier bei Wikipedia lese, dass das 8 Bände werden sollen?!). Ich habe die von Fleischhauer entdeckt, die ganz gut sind. Aber eben nicht sooooo gut, dass man wartet dass da der nächste rauskommt.

Ich warte also jetzt erstmal darauf, dass der Preis für „The Prague cemetery“ drastisch fällt. Bücher auf „-in“ habe ich nun zur Genüge ausprobiert – sie waren alle schlecht. Mein letzter Versuch war (aus Verzweiflung, das will hier mal betonen, ja!!!) „Die Wanderhure“, weil ich leider den euphorischen Bewertungen geglaubt habe. Gut, dass das Buch nur 20 Cent kostete…. Und ich verspreche nunmehr, ich werde Bücher auf „-in“ meiden wie die Päpstin den geliebten Mann.

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10 Kommentare leave one →
  1. timaios permalink
    Januar 26, 2012 9:37 am

    … die „Barocktrilogie“ bzw. der „Barock-Zyklus“ besteht tatsächlich aus insgesamt acht Büchern, die aber sinnig in drei Bände zusammengefasst erschienen sind – Quicksilver (Bücher 1 bis 3), Confussion (Bücher 4 und 5), System of the World (Bücher 6 bis 8).
    Ein hoch auf Jack Shaftoe, König der Vagabunden (und auf Leibniz, Größter der Großen)!

    By the way: Das MOSAIK – ja genau, die wunderbare Sache mit den ABRAFAXEN – war zwischen Ende 2009 und Ende 2011 im Barock. Und ratet mal wer neben ihnen und Leibniz und Huygens und Newton und Peter dem Großen und Halley und Hooke noch dort auftauchte und die wissenschaftlichen Irrfahrten zwischen Frankreich und London begleitete: der „König der Vagabunden“ (nebst Stephensonschem Herzog von Caran d’Ache und einigen anderen)! Haha!

  2. Anna permalink
    Januar 26, 2012 11:02 am

    Die Wanderhure… meine Güte. So ein schlechtes Buch habe ich selten gelesen…

    Letztendlich sind diese ganzen „neuen“ historischen Romane nichts anderes als billige Groschenromane mit mehr Seiten. Fürchterlich.

    • Januar 26, 2012 11:46 am

      Ja. Nur leider hat es mich überraschend viel Zeit gekostet, dass zu erkennen. Irgendwie bin ich von Hoffnung zu Hoffnung gestolpert, dass es besser werden könnte als das vorige – alles umsonst.
      Haben Sie denn mal die Barocktrilogie versucht? DIE war wirklich mitreißend und überwältigend recherchiert. Wie eigentlich fast alles von Neal Stephenson, mit Ausnahme des furchtbaren „Anathem“, das ich nach 100 Seiten weggelegt habe.
      Grüße! Mama007

  3. Anna permalink
    Januar 26, 2012 1:59 pm

    Danke für den Lesetipp. Setze ich mir auf meine Wunschliste und wenn ich mehr Luft habe, dann ist die Trilogie fällig. 🙂

  4. Anna permalink
    Januar 26, 2012 2:07 pm

    Konnte nicht widerstehen und habe mir gerade „Confusion“ bestellt . Nun lese ich hier, dass das ja der 2. Band ist. 😳

    Die sollte man schon in der richtigen Reihenfolge lesen, um den Überblick zu behalten oder ist das nicht zwingend erforderlich? Ahne schon, dass ich gleich erneut zu Amaz*n klicken werde… 😳

    • Januar 26, 2012 2:29 pm

      Ähm ja. Die Geschichte ist derart komplex und verwirrt, dass man unbedingt die richtige Reihenfolge einhalten sollte. Soll ich IHnen den 1. Band borgen?
      Grüße: Mama007

      • Anna permalink
        Januar 26, 2012 2:34 pm

        Ist lieb. Danke. Aber die werden gebraucht schon so günstig (wenn das der Autor wüsste… 😳 ) gehandelt, dass ich mir das jetzt direkt zulegen werden. 🙂

  5. rina permalink
    Januar 26, 2012 7:55 pm

    Versuch es doch mal mit rebecca gable oder diana gabaldon (das strickmuster wiederholt sich in den verschiedenen baenden auch aber toll geschrieben,kein vergleich mit den von dir genannten :))

  6. Pfiffika permalink
    Februar 2, 2012 7:34 pm

    Maurice Druon, Die unseligen Könige…. wohl nur noch antiquarisch zu bekommen, aber guuuut!

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