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Was mich wütend macht.

März 7, 2012

Wir definieren uns nur  noch über die Kinder! “ – das ist so ein Satz, der mir noch sehr lange nachgegangen ist, nachdem ich ihn irgendwo, ich glaube in einem anderen Blog, gelesen hatte.

Ich meine: was soll das heißen? Gehört das nicht irgendwie dazu, dass man sich über die Kinder definiert, wenn sie dann da sind? Kinder formen ja dann einen Teil der Familie und dass man sich auch darüber definiert, ist doch normal und logisch, oder? Ich frage mich immer, ob das so eine moderne oder postmoderne Sache ist, dass man sich immer noch als Individuum versteht wenn man Mutter/Vater geworden ist. Aus diesem Grund habe ich vor einigen Monaten mal „Mutterliebe. Die Geschichte eines Gefühls vom 17. Jahrhundert bis heute“ von Elisabeth Badinter gelesen habe. Ich steh ja sowieso auf historische Zusammenhänge die unsere heutige Realität erklären und daher war das MEIN Buch. Sie erklärt, wie dieses Stereotyp der liebenden und sorgenden Mutter historisch entstanden ist, und trotz aller Kritik kann ich ihr da nur zustimmen.

Was es aber nicht erklärt ist, warum es sogar komisch sein soll, sich über die Kinder zu definieren. Natürlich bin ich auch berufstätig, Partnerin, Wissenschaftlerin, Freundin, Tochter. Aber all das wird ja, gewollt oder ungewollt, dadurch beeinflusst, dass ich eine völlig NEUE Erfahrung als Mutter mache! Egal, in welcher Form ich das Muttersein auslebe – egal, ob ich zuhause bleibe und nur noch für die Kinder da wäre oder ob ich berufstätig mich auch noch um anderes kümmere. Das ändert, meiner Meinung nach, überhaupt nichts daran, dass ich all diese anderen Erfahrungen nun in einem anderen Kontext mache, der diese Erfahrungen ändert und um-schreibt: Den Kontext des Mutterseins.

Zugegebenermaßen: vor einigen Jahren bin ich zur Poststrukturalistin* geworden, und Kontext ist meine große Sache. Aber meine Erfahrung als Mama007 bestätigt mir das noch zusätzlich: alles was ich tue, ist dadurch gekennzeichnet, dass ich gleichzeitig als Mama unterwegs bin. Ich denke anders, ich be-denke alles anders, ich habe immer noch anderen Kram im Kopf. Also: was soll das heißen, dieses etwas vorwurfsvolle: „Wir definieren uns nur noch über die Kinder!“ ? Klar macht ihr das ! Nehmts locker, so isses eben, wenn die Kinder dann mal da sind…. das heißt ja nicht, dass ihr nicht noch andere Sachen machen könntet. Denn das soll der Satz ja wohl ausdrücken: ich mach nix mehr neben den Kindern. Tja. Dann sollten Sie mal was ändern. Was aber nicht heißt, dass Sie das nicht auch „über die Kinder“ definieren werden….

* Mein dortiges Lieblings-Erleuchtungs-Werk: „The meaning of things“ . Vorher, zum Einstieg: „Post-Structuralism for Dummies Beginners“.

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3 Kommentare leave one →
  1. März 7, 2012 11:40 am

    Naja, mich stört an dieser Aussage durchaus das Wörtchen „nur“. Unsere Kinder sind ein sehr zentraler Punkt unseres Lebens und zu einem Teil definiere ich mich über meine Kinder. Aber ich definiere mich nicht nur noch über meine Kinder. Und ich glaube, das ist auch ein Fehler. Aber einige tun diesen Fehler.

    Ja, ich sehe mittlerweile alles aus den Augen eines Vaters, denn ich bin ein Vater. Aber ich habe nicht nur diesen Elternblick auf mein Leben und Situationen drumherum. Ich definiere mich über viele Dinge, viele Erfahrungen meines Lebens und AUCH durch meine Kinder.

  2. März 9, 2012 7:32 am

    Sehe es wie der Chefs-Papa: mich stört (obwohl kinderlos) das „nur noch“ – denn klar bist du auch Mama, aber du bist auch Frau, Partnerin, Berufsttätige und Du – und nicht „nur“ Mama.

    Klar beeinträchtigt die Elternstelle auch die anderen Bereiche, aber das ist beim Beruf auch so – ein Arzt sieht die Welt immer auch ein Stück aus ärztlicher Sicht oder ähnliches. Trotzdem ist er nicht „nur“ Arzt – sondern eben „auch“.

    • März 9, 2012 3:49 pm

      Ganz genau. Und so wie ihr beiden das seht, sehe ich das auch, und dieses „NUR NOCH“ bringt bei mir wirkliche Aggressivität hervor. Einfach weil es heißt: hier hat jemand nicht nachgedacht, sondern nur mal so „drübergedacht“. FURCHTBAR!!!!!!!!!!!

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