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Kästchendenken und Häkchenfetischistin

März 15, 2012

6.15 Uhr: Wecker klingelt. Ich würde gerne noch…. aber ich darf nicht. Also quäle ich mich aus dem Bett und geh duschen. Und Kaffee aufsetzen. Nebenbei noch die Tür des Zimmers vom Kleinen Mann öffnen.

Möchte nicht aufstehen!!!!!! Will noch SCHLAFEN!“ höre ich auf dem Weg ins Bad. Papa007 macht derweil die Betten.

6.40 Uhr: Frühstück vorbereitet, Kaffee eingegossen, Kakao gemacht. Nicht zu heiß, nicht zu kalt. Sonst meckert der Kleine Mann, morgens isser sensibel.

7.00 Uhr: Anziehen, Kämmen, Zähne putzen, den Kleinen Mann auch zum Anziehen bewegen. „Möchte nicht Strumpfhose!“ Spielen eindämmen, Kita vorbereiten. „Möchte nicht in die Kita!“ .

Was muss eingekauft werden? Muss ich Bücher in die Bibliothek zurückgeben? Was mache ich am Abend? Muss ich gleich Sportkram mitnehmen? Bücher? Laptop? Ladekabel? Wir teilen den Tag unter uns auf: wer macht was?

7.25 Uhr: Aufbruch. ÖPNV. Wenns gut läuft: Netter Tagesbeginn. Ruhiger Kleiner Mann, ein Sitzplatz inder Bahn, der Kleine Mann auf meinem Schoß und in philosophischen Morgenbetrachtungen versunken. Wenns schlecht läuft: schubsende Leute, diskutieren mit dem Kleinen Mann.

8.05 Uhr: Ankunft in der Kita. Bei nem schlechten Tag: Tränen beim Abschied weil die Frühstücksdose „das Falsche“ drin hat. Ja. Das was der Kleine Mann selbst vor 40 Minuten reingetan hat. Ein guter Tag: ein dicker Schmatz vom Kleinen Mann.

So gehts immer weiter, den ganzen Tag lang. Alle 10 Minuten sind verplant, irgendeiner Aufgabe zugesprochen. Manchmal fühle ich mich als wäre ich ein wandelnder Google-Kalender mit unterschiedlichen Kästchen und Farben. Jedes Kästchen wird von mir mental abgehakt:
– Zahncreme kaufen: √

-Bibliothek besuchen, Projekt A, Unterphase II beenden: √

-Schulfreundin anrufen: √

-Sport machen: √.

Anders funktionierts nicht. Alles andere führt dazu, dass ich die Hälfte vergesse und am Ende wieder zu Hause bin und den Großteil aller wichtigen organisatorischen Nichtigkeiten des Tages schlicht und einfach vergessen habe, weil ich eigentlich kein großes Interesse und/oder Energie dafür hatte. Ich meine: Hej, Zahncreme? Das ist jetzt nicht soooo aufregend…… die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich DARAN, an diese organisatorische NICHTIGKEIT erinnere, ist eher gering. Weil ich nämlich schon bei Schritt 22 dieses Tages bin und dabei gerade Aufgabe 17 a) „Zahncreme kaufen !!!“ leider vergessen habe. Und wer hat dann abends einen unzufriedenen Kleinen Mann auf dem Badehocker stehen und muss ihm das erklären? Genau. Sie ahnten es schon.

Also: alles aufschreiben. Ab in den E-Calendar im Smartphone und immer schön den Erinnerungston frühzeitig genug einstellen. Und sich fühlen wie ein lebendes Abhak-Kästchen, über dem immer schon der Stift schwebt. Manchmal nervt mich das. Ich will mal nix machen innerhalb dieser Kästchen. Außerhalb aller zeitlichen Limits lesen. Oder Tee trinken. Spazieren gehen. Länger beim Sport bleiben weil ich heute eben so gut drauf bin. Geht nicht. Irgendetwas wartet immer. Der Kleine Mann. Oder die Zahncreme. Und schiebt mich von einem Kalenderkästchen ins nächste und es wird abgehakt, abgehakt, abgehakt. Mein Leben ist ein einziges großes Kästchen, zumindest zu 90 % der Zeit.

Denn auch außerarbeitliche Herzensarbeits-Projekte müssen da ja irgendwie mit rein. Und Familienzeit. Zumal mein Geldjob auch außerhalb von „Nine to Five“ Arbeit mit sich bringt. Also verschwinde ich auch mal abends. Oder am Wochenende. Und zwar ohne, dass ich dafür dann am Montag 4 Stunden später arbeiten gehen kann. Erklären Sie das mal einem Vierjährigen. Also: einplanen. Noch ein Kästchen dazuschreiben und farbig anmarkern. Abends sinke ich ins Bett und denke nochmal nach: alles erledigt? Alles durchdacht für morgen?

Und, viel schlimmer: mein Leben sieht ja noch Gold aus. Verglichen mit anderen Eltern, die ich kenne.

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6 Kommentare leave one →
  1. März 15, 2012 8:27 am

    Hm, muss noch darüber nachdenken, was Du da schreibst. Aber: mir geht es nicht so, obwohl auch Arbeit, 2 1/2 Kinder ( Patchwork), nebenbei Lernen (noch bis nächste woche) , Hobbies, haus, Garten, Freunde, ….. Anstrengend ja auch, manchmal.Irgendwie hab ich kein Abhack-Gefühl und bin glücklich, finde möglichkeiten mich zu enspannen, meins zu tun. Wenn das lernen erst vorbei ist, dann bin ich noch mehr frei für den Rest;-) Hab einen kleinen Kalender, trage ein , mach einkaufszettelchen, ohne Klingelton. Den gibt es nur beim Wecker. Reicht.
    Finde es nicht so schlimm, wenn mal was nicht erledigt ist, versuche vieles zusammenzulegen. Kaufe mehr als eine Tube Zahpasta und merh als eine Zahnbürste, dann ist mal für etwas länger Ruhe, kann spontan mal ne neue her. Und wenn den Frolleins mal erklärt werden muss: ne, heute müßt ihr Reste auskratze, oder heute mal ohne, dann lernen die halt, das Eltern auch nicht immre alles können und erst recht nicht perfekt. Ja, vielleicht gibts gejammer und Geschrei. Aber, na und? Lernen Frust und Enttäuschung immer besser zu kommunizieren und Schwächen als alltäglich zu akzeptieren.
    Klingst gerade ganz schön traurig. Viellicht nicht so perfektionistisch sein wollen? Obwohl Du ja sagst, das Du das nicht bist. Aber irgendwie hat es den eindruck…..Was tun? Wie Freiraum erreichten. Ist es nach der Reise schlimmer geworden, weil da ohne kleinen Mann weniger Verpflichtung war? Ich hoffe, es geht Dir bald wieder besser. Mach mir Sorgen…..

    Liebe Grüße, Sabine

    • März 15, 2012 8:35 am

      Och, Sorgen musste dir keine machen. Sicher. Seltsamerweise bin ich in den Kästchen meistens ganz zufrieden weil es angenehm ist wenn alles erledigt ist. Aber manchmal hötte ich gerne etwas mehr Wahlfreiheit und die ist nicht da weil alles schon verplant ist. Und das nervt! Und da muss man dann gegen an…. und das kostet wieder Kraft.
      Grüße: Ihre Mama007

  2. März 15, 2012 8:43 am

    OH GOTT (möchte man da nur schreiben)
    Aber ich schreibe: Toll, wie du das alles organisierst und durch den Tag bringst du wandelnder Kalendar! Und irgendwann ist der kleine Mann ja aus´m Haus. (Ja, ich weiß schlechte Motivation…)

    • März 15, 2012 9:15 am

      Lieber schlechte Motivation als gar keine, oder?
      Habe mich gerade durch Ihre letzten paar Blogeinträge gelesen und versucht zu kommentieren. Hat das geklappt? Irgendwie war das schwierig und ich wollte Ihnen doch sooo gerne unser Spielcafé mit der kleinkindsicheren Krabbelbarriere im Friedrichshain empfehlen!
      Aufg jeden Fall: Sie sitzen jtzt in meiner Blogroll weil es so schön war bei Ihnen. Bis bald! Ihre Mama007

      • März 18, 2012 1:27 pm

        Hallo!
        Kompliziertes kommentieren is ja doof. Bisher gabs nie Beschwerden.
        U ich kann kaum was machen da der große master blogger.com das sagen hat. Ich schau gleich mal, glaube aber ihr Kommentar kam nicht an.
        Vielen dank fürs aufnehmen in der blogroll! Ich stalke Ihnen auch schon seit einer Weile hinterher u lese amüsiert mit.
        Liebe grüße!
        Marlene’s Mom

      • März 19, 2012 8:04 am

        Ja, menno! ICh versuchs gleich nochmal bei Ihnen, ja?
        Vielleicht war ich ja auch zu doof. Mal schauen! Ihre Mama007

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