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Arbeitstag – ein Resümee

Juni 19, 2012

Wenn man manchmal auf den Arbeitstag zurückblickt, dann sieht das schon manchmal komisch aus.

9.30 : ältere Dame glücklich gemacht weil ihr Schwiegersohn ihre Bestellung doch nicht gekündigt hatte. Jetzt alles für die Dame geregelt – Glück auf allen Seiten.

10-16.00 Uhr Daten eingepflegt, Kunden betuddelt.

16.30 Uhr: eine 80jährige, winzig kleine Dame erscheint an meinem Schreibtisch. Sie hat neulich bei uns was gekauft, hatte aber ihr Geld vergessen. Da hat ihr ein freundlicher Herr ausgeholfen und der nette junge Mann an unserer Kasse hatte ihr die Nummer des freundlichen Herrn gegeben. Dem wollte sie das Geld nun wiedergeben, aber die Telefonnummer ist falsch. Kann ich ihr helfen? Leider nein, denn außer der Nummer habe ich auch nix von dem freundlichen Herrn. Ob sie das mit dem Geld nicht auf sich beruhen lassen wolle wenn der freundliche Herr ihr doch ausgeholfen hatte? „Neinnein!!!!!!!!!!!!“ Schulden müsse man doch begleichen, ruft die winzig kleine Dame im beigefarbenen Sommerkleid aus Leinen. Um ihren Hals hängt ein Lorgnon, denn sie kann kaum mehr sehen. Das erklärt, warum sie am Schluss meinen Telefonhörer als ihre Sonnenbrille mitnehmen will – sie sind beide schwarz und etwa gleich groß. Ich verspreche ihr, sie anzurufen, wenn ich nochmal was von dem freundlichen Herrn höre (das ist extrem unwahrscheinlich, aber die Dame ist einfach zu reizend und deshalb sage ich ihr das nicht so ganz deutlich). Dafür gibt sie mir ihre Visitenkarte (!) auf cremefarbenem Papier. Sie geht, samt Lorgnon, großer Sonnenbrille und angenehm nach gepflegter uralter Dame riechend. Wenn das kein Höhepunkt im Büro ist….

18-19.30: Karten verkauft. Abendkasse in einem großen Konzerthaus. Höhepunkte hier:

1) Drei betrunkene asiatische Herren, gesetzt, älteres Semester, im Anzug. Einer legt mir bevor wir auch nur ein Wort wechseln, einen Euro hin.

„Wofür ist das?“ frage ich auf englisch.

„Von ihm!“ antwortet ein anderer der drei angetrunkenen Herren.

„Ja, aber wofür?

„Von IHM!“

Schulterzucken. Meint er das jetzt nett? Ist das seine Form von Trinkgeld? Nicht drüber nachdenken. Verkaufen.

Höhepunkt 2) eine rollstuhlfahrende Touristin samt Freundin. Nach 5 Minuten Rumrätseln auf Englisch (wir alle drei ja keine Native Speaker, wenn auch flüssig) stellt sich heraus, dass sie nicht zu uns, sondern in die Oper wollte. Die Oper ist ca. 40 Minuten entfernt. Vom rollstuhlfahrenden ÖPNV-Problem ganz zu schweigen. Die Dame entscheidet sich spontan um und kauft bei uns und lacht. Nett.

Höhepunkt 3) ein italienisches Paar, das nicht mehr weiß was es bei der Onlinebuchung vor 4 Wochen so angestellt hat. Der Clou: Sie stellen ihre Frage in so perfektem Englisch, dass ich erst nach 5 Minuten raffe dass sie meine englische Antwort gar nicht verstehen. Auswendig gelernt??? Kleines Vokabular???? Wundere mich irgendwann, dass sie mich jedesmal von neuem fragen, was sie nun tun sollen mit der automatischen Emailbestätigung, obwohl ich gerade erklärt habe, dass alles geklärt und kein Problem ist???? Wenn sie so englisch lesen wie sie es sprechen, dann würde das erklären warum sie keine Ahnung haben was sie da im Internet getan haben. Gebe irgendwann erschöpft auf und schicke beide mit einem anderen Mitarbeiter einfach ins Konzert. Widme mich den übrigen 100 Kunden in der Schlange.

20.00 Uhr: So, Tag zu Ende. Nach Hause gefahren, Fußball geguckt, Kleiner Mann schnarcht schon in seinem Bett. Herzensarbeit geht anders, aber es ist okay!

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2 Kommentare leave one →
  1. Juni 19, 2012 10:21 am

    Die alte Dame ist ja entzückend 🙂

    Wenn auch keine Herzensarbeit, zumindest scheint es ja recht abwechslungsreich zu sein und kopfschüttelnd-nervig 😉

    • Juni 19, 2012 10:28 am

      Ja, die Alte Dame war wirklich ein herziger Lichtblick.
      Liebe Grüße: Mama007

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