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Hirn

Juli 22, 2012

Nach nur sporadischem Bloggen wegen Urlaubs und Freizeitstress gehts nun wieder los. Deshalb heute: Die Hirnempfehlungen, um das Denken neben Familie und Kind auf Trab zu halten. Da mein Hirn ja nun so wunderbar ausgeruht ist, war die Reportage „Die Anwälte – eine deutsche Geschichte“ ein echter Knaller: googeln!!!! es war faszinierend in welcher Art und Weise diese drei Personen, die vom gleichen Standpunkt aus Ende der 60er Jahre aufgebrochen sind um die Gesellschaft zu verändern, sich in 40 Jahren in die drei absolut entgegen gesetzten Ecken der Politik manövriert haben: Otto Schily, Hans Christin Ströbele, seines Zeichens ja Abgeordneter meines Viertels, und Horst Mahler. Eine faszinierende Zeitreise, die allerdings etwas Hintergrundwissen voraussetzt. Da kam auch schon meine Schwachstelle: über die 70er weiss ich wenig und über die 70er in der BRD noch weniger. Also musste ich an einigen Stellen kombinieren und bin entschlossen, weiterzulesen. Vorschläge für ein vernünftiges Werk zur jüngeren deutschen Geschichte?????
Und, was mir gleich nach 30 Minuten auffiel: es ist natürlich eine faszinierende….. Westgeschichte. So ein detailliertes, objektives Werk würde ich mir auch mal für die DDR-Geschichte wünschen. Was ist mit all den Personen, die aus Liebe zur Sache in den 50er Jahren Sozialist/in wurden? Und sich später dagegen wandten, als es ihnen schien, dass das mit ihrem Traum nichts mehr zu tun hatte? Hin und wieder finden sich kleine Beiträge zu diesem faszinierenden Punkt, aber prinzipiell herrscht: im Großraum der Medien Schweigen. Einen kleinen Einblick erhält man in Christa Wolfs „Ein Tag im Jahr“. Oder in ihrer Sammlung der Interviews um 1989 herum: „Reden im Herbst„. Oder in Jana Hensels „Achtung Zone„, dem anregenden Buch zum Thema Erinnerungskultur mit dem grauenvollen Titel. Mal ehrlich, wer soll sowas lesen, wenn so ein Titel drauf prangt??? Neulich hörte ich auch von einem Künstler meines Jahrgangs namens Jan Brokof der über die Veränderung der Landschaft nach dem Mauerfall arbeitet und über das Verschwinden der für uns als Ostkinder relevanten Welt. Dem großen Schock meiner Jugendzeit.

Erinnerungskultur der DDR findet offensichtlich gerade nur in so furchtbaren Museen statt wie dem Mauermuseum am Checkpoint Charlie oder dem DDR-Museum am Schlossplatz. Das ist so als würde man ein DDR-Disneyland aufbauen und dann die Touristen reinschicken. Einerseits ein Horrorschocker (siehe Checkpoint Charlie) oder ein Traumland. Tatsächliche Realität könnte man höchstens durch Reportagen und Interviews mit Zeitzeugen schaffen, meiner Meinung nach. Eben so wie die oben genannte Reportage für den West-Teil, die auch, weil sie eben sehr eng auf die drei West-Protagonisten zugeht, all die Verbindungen der RAF zur DDR auslässt. Irrsinniges Dokument hierzu ist das Buch von Inge Viett „Nie war ich furchtloser„, in dem sie ihren Werdegang an den Außenrändern der RAF und dann ihre Übersiedlung in die DDR beschreibt. Was für ein Kontrastprogramm zu uns ständigen Bewohnern des Sozialismus und ihrem glücklich überschwänglichen Standpunkt zur DDR-Realität! Schon alleine deshalb: lesenswert.

Jedenfalls wächst in mir das Gefühl, dass es kaum Berichte über nicht gängige Randerscheinungen gibt: in der BRD-Geschichte werden die Kommunisten aus der Geschichte ausgeklammert, in der DDR-Geschichte die begeisterten Sozialisten (und ihre Wandlungen). Achten Sie mal drauf: es gibt zig Reportagen zu Regimegegnern, aber keine über die begeisterten Anhänger. Oder Leute, die erst überzeugt waren und dann nicht mehr. Falls es doch welche geben sollte: Sagt mir Bescheid!

Summa summarum: diejenigen, die auch dem jetzigen System kritisch gegenüber stehen, werden ausgeblendet. RAF ist wahrscheinlich gefahrloser, da tot. Deshalb kann man darüber ungestört filmen.

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One Comment leave one →
  1. timaios permalink
    Juli 24, 2012 6:41 pm

    Schau mal hier. Kennste das?
    http://www.dritte-generation-ost.de

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