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Fashion victim

Juli 25, 2012

Neulich in der Bahnhofsbuchhandlung: Mama007 liest sich durch die Elternzeitschiften nachdem die Kochzeitschriften allesamt zu elitär waren. Sorry, aber Gerichte über eine Stunde Zubereitungszeit mache ich ungefähr zweimal im Jahr. Da brauche ich keine Inspiration. Deshalb lieber so wie im Zweitblog von Mama007.
Also jedenfalls: die Elternzeitschriften. Habe mich informiert wie lange ein Vorschulkind täglich fernsehen darf (30 Minuten) und habe erfahre mit welchen tollen Tricks Eltern Stressmomente umgehen. Wusste ich schon. Dann, der Schock. Gleich neben den Elternerziehungszeitschriften lag das Werk Ottobre, eine MODEzeitschrift für Kinder und Babies. Himmelherrn, das hat mir echt noch gefehlt. Allergische Reaktion inklusive, denn bei all den (zugegeben, sehr schön gemachten!) Fotos geht mir das Konzept doch tierisch aufn Keks. Mode per Zeitschrift für Kinder UND Babies?????? Ich meine: Babies????

Für mich gibts nicht viele Wege, Mode zu betrachten. Entweder man sieht sie hauptsächlich als ein Beherrschungs- und Beeinflussungselement egal wie gerne man sie trägt, in diesem Fall der Eltern gegenüber den Kindern, oder man findet, Mode ist eben ne schöne Sache. Gibt es Zwischentöne? Bitte melden!

Klar finde ich, dass Eltern den Kindern die Klamotten aussuchen dürfen, weit gehend und bis zu einem bestimmten Alter jedenfalls. Und natürlich bestimmt Geld und Kultur den Stil der Eltern und Kinder. Aber was ist das für ein Konzept, den Kindern gleich Mode zuzusprechen? Ich meine, jeder kann ja bei H&M, oder im Nähstübchen umme Ecke oder eben SecondHand kaufen und damit seine Aussage über sich und sein Kind nach außen bringen. Aber das auf ein professionelles Level zu bringen? Kindern einen Modestil zusprechen und sich damit in die Tradition von Ideen zu stellen, dass Kinder einem bestimmten Stil entsprechen sollten oder dass dieser, netter gesagt, eine „Linie“ vorgibt?

Andererseits, klar, gehts auch darum dass die Kinder was aussuchen dürfen. Und das mit dem „Selber aussuchen dürfen“ sage ich als Mama, die durchaus viele Regeln vorgibt weil ich finde dass das wichtig ist. Die Regeln sind nicht undurchlässig aber fest stehend. Genauso wie in der Beschneidungsdebatte geht es im Grunde darum, dass das Kind selber was wählen dürfen sollte und diese Wahl sollte meiner Meinung nach nicht noch mehr konsumtechnisch unterstützt werden als sie das eh schon ist. Wenn ich Mütter mit ihren schreienden, kreischenden, mehrere rosa Dinger einfordernden Töchtern (Alter: ca. 3 Jahre) bei H&M sehe, dann gehe ich immer schnell weiter und freue mich, dass der Kleine Mann eben ein Kleiner Mann ist. Mode interessiert ihn nur, wenn vorne ein Dinosaurier drauf ist. Aber das ändert nichts daran, dass er sich in seinem Rahmen eben was aussuchen möchte. Und dieses Aussuchen wird ja schon durch seine Vorlieben geprägt, da muss ich nicht noch mit anregender Modelektüre „nachhelfen“.

Und ich möchte nicht, dass mir hier eine Zeitschrift vorgibt wie meine und seine Regeln und Vorlieben aussehen sollen. Die sind so schon genug von meiner Kultur und Gesellschaft durchdrungen, das ist ja auch kaum zu verhindern, da muss ich mich nicht noch in eine Richtung drängeln lassen. Dankeschön auch, aber das klingt für mich nach Bevormundung der Eltern und der Kinder. Vermutlich möchten die Zeitschriftenmacher nur was Schönes anbieten und haben hier einen interessierten Markt entdeckt. Leute, die Geld dafür ausgeben, dass sie ihr Kind nach einer bestimmten Linie einkleiden. Mir gehts trotzdem gegen den Strich.

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8 Kommentare leave one →
  1. Juli 26, 2012 2:19 pm

    Ich gebe Dir generell recht was Deine Überlegungen betrifft. Aber gerade das genannte Heft passt nicht, Du weißt schon, das die Ottobre keine Modelinie, sondern ein Nähzeitschrift mit Schnittmustern ist für Selbermacher? Ich habe davon 3 Hefte und kann damit aus „alten “ Stoffen, z.B. meinen oder seinen alten T-Shirts Kleider oder Nachthemden für meine Frolleins zaubern, d.h. ich habe Spaß, bin produktiv, nähe nachhaltig aus gebrauchtem was neues und bediene ganz und gar keine Linie, sondern den individuellen Spaß und Geschmack bzw. Bedarf unserer Familie. Und schwimme damit z.T ganz und gar gegen Mainstream und Linie und Marke. Und habe Schnittmuster eines Jahres, brauche das Heft nicht nachzukaufen, denn damit sind wir gut abgedeck!

    Liebe Grüße aus MD,
    Sabine

  2. Juli 26, 2012 5:14 pm

    Ich bin grade auch etwas über die Kritik an der Ottobre irritiert. Eine Zeitschrift mit Schnittmustern für Kinder und Babykleidung sollte doch auch mit Bildern von eben diesen Kleidern verschönert werden dürfen?
    Und wenn sich ein Kind aussucht welches Schnittmuster für es genäht wird oder welche Stoffe das neue Kleid bekommen soll sehe ich da auch kein Problem..

    • Juli 27, 2012 1:09 pm

      Mir geht es nicht so sehr darum, dass da Fotos drin sind – die sind sogar richtig nett. Mich stört die Hochglanzoptik in der Mode, und nun auch Kindermode, verkauft wird – in diesem Fall von der Ottobre. Es geht doch im Grunde auch darum, Kinder frühzeitig zu Konsumenten zu machen. Und da sieht die Ottobre ja ihren Ansatzpunkt: sie verkauft Kindermode (auch zum Selbermachen).
      Liebe Grüße: Ihre Mama007

      • Hanna permalink
        November 5, 2012 8:21 pm

        Hm ich steh hier auch auf dem Schlauch, ja ich weiß, der Post ist schon älter, das hindert mich aber nicht am Antworten. Ich will hier mal eben darstellen, wie ich die Ottobre sehe, die ich nun schon das zweite Jahr abboniert habe.
        Die Ottobre ist für mich ein Schnittmusterheft, mehr nicht. Ja sie hat bunte Bikder, auf denen Kinder in (manchmal) schönen Klamotten zu sehen sind. Diese Bilder sind vermutlich da, weil wir Hobbyschneiderinnen gerne vor Beginn einer Näharbeit sehen möchten, wie das Teil am Ende aussehen könnte. Ich kaufe keine Schnittmuster, die einfach nur als Schnittmusterbogen in schwarz-weiß ohne Bilder verkauft werden. Da kaufe ich ja die Katze im Sack.
        Ich nähe, weil ich, genauso wie du, ein Problem mit „Mode“ bei Kindern habe, und genau deshalb kaufe ich auch die Ottobre. Ich habe ein Problem mit rosa und hellblauer Babykleidung – warum dieses frühe Mädchen-Jungen-Schubladen-Denken? Jungs haben auch ein Recht auf fröhliche Farben statt blau-braun-Khaki und Mädchen müssen nicht schon von Geburt an auf Prinzessin getrimmt werden.
        Ich habe ein Problem mit Bärchen, Blümchen, Rüschen usw. Kinder sind nicht immer nur niedlich, warum sie also so anziehen?
        Ich habe ein Problem mit Hello Kitty, Bob der Baumeister, Spongebob, Lillifee, Filly, Cars und überhaupt allen „Marken“ die unsere Kinder so früh wie möglich zu Konsumenten machen wollen.
        Und zu guter Letzt habe ich auch ein Problem mit Miniklamotten, die unsere Kinder wie zu klein geratene Erwachsene aussehen lassen, so sieht nämlich die Alternative bei H&M, C&A und Co aus, wenn man den ganzen Hello-Kitty-Cars-Spongebob-Quatsch links liegen gelassen hat.
        Kinderkleidung muss für mich nicht modisch, ncht schick sondern vor allem bunt und fröhlich sein, für Jungen genauso wie für Mädchen. Ich nähe Klamotten für meinen Sohn in ALLEN Farben – außer Rosa, Pink und hellblau:)) aus oben genannten Gründen.
        Du siehst ich habe viele Probleme mit „Mode“ für Kinder, aber die „Ottobre“ stellt hier für mich kein Problem sondern eine Lösung dar.

  3. Kathi permalink
    September 25, 2012 10:58 am

    Ich verstehe das Problem nicht, das du hast: Kinder müssen auch was anziehen, oder tragen deine Kinder Müllsäcke? So – und dann geht es doch los, dass man auswählen muss, was. Wenn es aber dabei noch Mütter gibt, die die Kleider selbst nähen, hat das ja wohl weniger mit Konsum zu tun als der H&M Kinderkatalog. Ottobre verdient Geld damit, dass sie Schnittmuster verkaufen. Das verkauft sich eben besser in Hochglanzoptik als auf grauem Umweltpapier.

  4. Katharina permalink
    September 25, 2012 8:19 pm

    Inwiefern gibt denn die Ottobre vor, wie deine Regeln und die deines Sohnes aussehen sollen? Inwiefern bevormundet sie?
    Ich habe eine Ottobre, fühle mich nicht auf den Schlips getreten, aber verstehe deine Kritik an einem Schnittmusterheft nicht. Warum wird mein Kind zum Konsumenten, wenn ich ihm einen Pulli selber nähe? Würde es was ändern, wenn statt Hochglanzpapier Recyclingpapier verwendet wird? Wäre das Kind weniger Konsum, wenn ich ihm den Pulli im Laden kaufe?
    Pullis selbst werden ja bei der Ottobre nicht verkauft. Ich rätsele….

    • September 27, 2012 1:02 pm

      Mir geht es nicht darum, dass die Ottobre MIR vorgibt was ich zu tun habe. Ich finde es prinzipiell nicht so prickelnd, dass es Zeitschriften gibt, die das Konzept MODE auch noch auf Kinder ausweiten müssen. Dass da Schnittmuster mit drin sind ist ja nett aber es geht im Grunde darum, dich und dein Kind zu modebewussten Individuen zu erziehen. Und ich finde es schon mehr als ausreichend als erwachsene Frau mit unzähligen Modezeitschriften bombardiert zu werden und die alle wegzudrücken weil ich das Konzept MODE in dieser Form für mich nicht leben möchte. Es ist aber fast nicht mehr machbar diese ständige Modeüberflutung überhaupt irgendwie zu ignorieren. Da finde ich es dementsprechend mehr als unangebracht wenn dieser Moderaum dann nicht nur auf Erwachsenen sondern auch noch auf Kinder und Babies ausgeweitet wird. Und zwar, um es ganz deutlich zu sagen, um damit Geld zu machen.
      Und da hat es nix damit zu tun ob ich die Ottobre nun optisch ansprechend finde oder nicht. Oder ob sie Hochglanz daherkommt oder recycelt. Ich finde das Konzept einer MODEzeitschrift für Kinder einfach nicht in Ordnung. Wenn man was verkaufen möchte – wie wäre es dann mit einem simplen Schnittmusterbuch? Oder einem Booklet? Warum muss es eine Zeitschrift im Stil großer Modezeitschriften sein, mit allem Drum und Dran wie Modells, Fotos, etc.? Mode und all die damit zusammenhängenden Konzepte von Körper, Geschlecht und Gewicht kommen noch früh genug in unser Leben.

  5. Katharina permalink
    September 25, 2012 8:20 pm

    Zweitletzte Zeile: KonsumENT statt Konsum!!

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