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Born in GDR

August 8, 2012

Eine sehr liebe Verwandte in meinem Alter hat dem Kleinen Mann letztes Jahr zu Weihnachten eine „Märchenwald„-CD geschenkt. So eine mit Pittiplatsch und Schnatterinchen. Ich habe nicht geahnt, dass es die ist, die ich vor über 25 Jahren manchmal in der Schule gehört habe und hatte schon bei den ersten Sekunden ein seltsames Gefühl irgendwo zwischen Dejavu und „Huch!“ . Denn wir haben die CD am Wochenende das erste Mal eingelegt, irgendwie war zwischen „Traumzauberbaum“ und Weltall bislang wenig Platz dafür.
Da ist aber nun nicht nur Pittiplatsch und der Zauberbrunnen drauf. Gleich die nächsten beiden Geschichten gehen in medias res der Kindererziehung á la DDR: das Sandmännchen erzählt pädagogisch wertvolle Geschichten übers Gehorchen und „den Eltern folgen“. „Und du, liebes Kind, hörst du auch immer auf deine Eltern? Oder machst du es so wie der Detlef????“ (Detlef hatte gerade ein böses Erlebnis in punkto „Nicht gehorchen“ in der Sandmännchen-Geschichte) . Solche Sachen werden vermutlich seit über 20 Jahren gar nicht mehr produziert, aber eben immer wieder aufgelegt und irgendwie konnte ich sekundenlang verstehen warum ein Teil von mir so ist wie er ist. Denn Detlef und Petra werden hier eindringlich aufgefordert IMMER das zu tun was Mutti und Vati sagen. Mit dringlichen Konsequenzen falls nicht.
Aber der Hammer, der absolute OBERHAMMER  war die letzte Geschichte, in der eine Brigade (!) Osterhasen, genauer gesagt die Häschen „Nick und Nuck von der ersten Brigade der Osterhasen-Produktionsgenossenschaft“ (ERNSTHAFT!) einen Korb voller Ostereier in den Zauberwald bringen muss und den natürlich verliert weil sie lieber spielen anstatt den Auftrag aufzuführen. Als das auffällt werden sie aufgefordert nicht zu heulen sondern dem Brigadier Meldung machen, damit der die Sache regelt. Daraufhin wird der Überallhingucker eingesetzt um den Dieb zu finden. Papa007´ Kommentar dazu: „Na super. Auch noch der Geheimdienst….“ . Der Dieb, der die Eier natürlich schon aufgefressen hat, wird daraufhin gefasst und gezwungen in der Fabrik zu arbeiten. Und Nuck und Nick müssen versprechen als gute Kinder immer erst den Auftrag auszuführen und danach zu spielen. Was sie auch tun, mit ihrem Wort.

Eine Brigade Osterhasen, ein Überallhingucker und die Produktionsgenossenschaft. Es ist nicht zu fassen. Kein Museum könnte so eindringlich sein wie diese CD für mich. Aber für den Kleinen Mann werde ich sie, glaube ich, unauffällig verschwinden lassen. Sorry, liebe Cousine. Wir stehen uns sonst sehr nahe aber das ist etwas zuviel für mich. Regeln sind wichtig, Geduld des Kindes ist wichtig, auf die Eltern hören ist wichtig. Das alles unterschreibe ich zu 100 Prozent. Aber diese CD ist mir trotzdem zuviel. Einfach zuviel sozialistische Sozialisierung. Und plötzlich verstehe ich, warum der Traumzauberbaum einfach unkaputtbar ist, der Zauberwald und Meister Nadelöhr aber in der Versenkung der Geschichte verschwunden sind. Zumindest fast.

Trotzdem, „Born in GDR“ von Sandow, das DDR-Lied Anfang der 90er, liegt mir immer noch sehr am Herzen, denn seine Sozialisierung kann man eben nicht weglügen.

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One Comment leave one →
  1. August 8, 2012 7:50 am

    Das ist echt sehr interessant….grüsse von einem Wessi

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