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Aus der Rubrik: Schlechte Filme

August 31, 2012

Neulich war ich abends zu faul um mich durch die Arte-Mediathek zu klicken. Und auch zu faul um es bis in den Sessel zu meinem neuesten Buch zu schaffen. Also blieb ich vor dem Fernseher hängen (ja, wörtlich) und schaute mir: Die Wüstenblume an -lt. Teletext „keine kitschige Verfilmung“, sondern ein „gelungener Spagat“ (oder so ähnlich) zwischen Dokumentation und Lebensbeichte. Aber ich hätte eben doch auf meine Intuition hören sollen, die da flüsterte: „Wüstenblume? Das kann ja nix werden…..“ und immer weiter leise meckerte.

Tatsächlich ist „Wüstenblume“ ein Film, der sich an die Autobiographie von Waris Dirie anlehnt, die erst als Kind einer Nomadenfamilie in Somalia geboren wurde, mit fünf Jahren beschnitten wurde, vor ihrer Zwangsverheiratung nach Mogadischu floh und von dort weiter nach London. Dort wird sie von einem Modefotografen entdeckt und entwickelt sich ziemlich rasant zum Supermodel. Außerdem ging es in dem Film um eine süße, goldherzige englische Freundin der Hauptrolle, eine gutherzige indischstämmige Hostel-Mama, die Liebe zu einem schwarzen US-Amerikaner und ihre Scheinehe mit einem Engländer fürs Visum. Zudem im Angebot: die Modewelt (en gros) und das Ballett (en petite).

Prinzipiell hatte ich bei dem Film ein durchgehend unangenehmes Gefühl. Das lag vielleicht daran, dass man die Hauptdarstellerin als durchgehend nettes, leicht naives Ding darstellt, das alle Widrigkeiten überwindet und sich auf die Seite der westlichen Gesellschaft schlägt. Und auch an der Tatsache, dass all ihre Bücher und auch der Film natürlich ihre Lebensgeschichte darstellen, ABER dass diese Lebensgeschichte vermutlich nur deshalb soviel mediale Aufmerksamkeit erhält, weil sie eben so hundertprozentig auf unsere Vorstellungen passt, die wir uns vom Leben eines somalischen Nomadenmädchens und vor allem von ihren Träumen machen. Es ist ja so nachvollziehbar, dass sie Model werden möchte, dass sie in England bleiben möchte, dass sie in jeder Filmminute europäischer/westlicher werden möchte. Zumindest in unserer allgemeinen Vorstellungswelt leben wir ja mehr oder weniger in der besten aller Welten. Was es ja soviel einfacher macht, den Lebensweg dieser Frau nachzufühlen.

Liebe Filmemacher, wie wäre es denn wenn man zur Primetime mal Filme oder Reportagen zeigte über Frauen, die IN ihrer Heimat bleiben und dort etwas verändern wollen? Oder die unsere kulturellen Stereotype hinterfragen statt sie zu bestätigen? Wie zum Besipiel diese pakistanische Journalistin? Neinnein, das würde das Abendpublikum natürlich verschrecken, aber so ein bisschen Grusel und Empörung über Genitalverstümmelung ist natürlich okay. Geht ja um ein politisch sensibles Thema. Man ist also dran am Puls der Zeit und verbreitet nebenher noch eine gute Botschaft. Nochmal ganz klar: dass Genitalverstümmelung gebannt gehört ist ganz klar. Das könnte man aber auch mit ernsthaften Reportagen, die auch UNS hinterfragen, statt mit Filmen, die nur über eine recht billige Herzensschiene arbeiten und den Westen als allein seligmachende Instanz zelebrieren.

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