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Der berliner Einstufungstest für bilinguale Schulen oder: Schule # 6

November 27, 2012

Ja, der Kleine Mann schlug sich wacker n seinem EINSTUFUNGSTEST für die bilinguale Grundschule. Glaube ich. Ich durfte ja nicht mit dabeisein. Die letzten Tage habe ich noch länger drüber nachgedacht und möchte deshalb heute hier mal was machen, was ich sonst nicht so mache: etwas schreiben das sich konkret an andere Eltern richtet. In diesem fall berliner Eltern die auch an einer bilingualen Grundschule (Europa-Grundschule) ihr Kind unterbringen wollen. Der Senat ist ja ganz begeistert von seinem Angebot. Lieber Senat, mag ja sein, dass du das toll findest, aber es gibt da doch etwas, das du wissen solltest. Und die interessierten Eltern auch.

Zunächst: In den letzten Jahren habe ich gesehen, was Eltern alles tun um ihr Kind an einer solchen Schule unterzubringen. Sprachferien, Urlaub des Kindes alleine bei Verwandten, extra Sprachkurse, Sonderevents mit der gewünschten Sprache, etc. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass das alles nur minimal nützlich ist. Denn die meisten Kinder, die das machten, haben sich im berühmten Test dann einfach verweigert. Keine Lust mehr, totales Schweigen, warum auch immer. Ich persönlich vermute: es war zu hoch aufgehängt worden. Ist aber nur meine Vermutung, man steckt da nie drin und jedes Kind ist ja anders.
Sicher sind daran nicht nur die Eltern schuld, die den Test einer/m Vier- oder Fünfjährigen als wichtig hinstellen und ihm/ihr eine Belohnung versprechen wenns gut läuft. Es liegt sicher auch daran dass es NULL Info gibt, was dieser Test beinhaltet. Bilder gucken? Sprechen? Wenn ja, auf welchem Niveau? Hörverständnis, Sprache? Keine Ahnung. Zudem liegt es wohl auch etwas an den, Entschuldigung, Lehrern die diesen Test abnehmen. Sorry, berliner Grundschullehrer, aber ich habe dieselbe Geschichte jetzt von mehreren Eltern gehört. Nicht nur von bilingualen Schulen sondern auch von anderen. Der Test geht nämlich so vor sich: Die Kinder gehen für diesen Test ALLEINE mit mehreren fremden Erwachsenen in einen ihnen fremden Raum und werden dort (sicher spielerisch?! Keine Ahnung, man erfährt ja weder vorher noch nachher was) interviewt. Die Lehrer haben eine teilweise wirklich rüden kühlen Ton drauf, oder sie sehen (sorry, das war die Aussage eines der Kumpel des Kleinen Mannes) „aus wie eine Hexe„. Worauf der Kleine sich in diesem konkreten Fall weigert, ein Wort zu sprechen. Aus Angst. Kinder, die sich dem Test aus all diesen oder anderen Gründen verweigern werden als durchgefallen aussortiert, es sei denn die Eltern haben die Nerven sich dagegen zu wehren und einen zweiten Test zu verlangen. Dann bekommen sie den eventuell und ausnahmsweise genehmigt.

Informationen, wie der Test konkret abläuft, gibt es übrigens nicht. Er ist eine Black Box. Fragt man Eltern, die das Ganze schon durch haben, erhält man zwar Informationen, die aber u U. nichts wert sind, weil der Standardtest ganz offensichtlich in der Zwischenzeit geändert oder verschärft wurde. Dazu erfährt man aber auch nirgends etwas. Denn weder die Schulen noch der Senat stellen irgendeine Info dazu zur Verfügung, weder schriftlich noch mündlich. Statt dessen Aussagen wie: „Da ist noch nie einer durchgefallen.“,  „Der Test ist gar nicht so wichtig.“, „Machen Sie sich keine Gedanken.“ Aussagen, die sich nach dem Test bei einigen Eltern als pure Lüge herausstellen. Denn der Test ist ganz augenscheinlich entscheidend und kann dazu führen, dass das Kind nicht an der Schule aufgenommen wird. Warum kann man das nicht vorher kommunizieren? Einige Eltern in unserer Bekanntschaft wurden in Sicherheit gewiegt mit Aussagen wie „Ihr Kind ist ganz sicher an dieser Schule angemeldet, der Test dient nur der Einstufung, machen Sie sich keine Sorgen!„, dann fiel das Kind beim Test durch und plötzlich hieß es aus heiterem Himmel: „Tja, liebe Familie X, das wars dann mit dieser Schule!„. Und jetzt? Wiederum sage ich: ein Minimum an Information sollte Eltern zugestanden werden, auch wenn es sicher anstrengend ist mit Eltern verhandeln zu müssen wenn diese den Test zu schwierig finden oder diskriminierend, oder keine Ahnung. Ja, ich kenne die Horrorgeschichten von Eltern die ihre Kinder gegen jede Vernunft irgendwo einklagen. Aber kann man deshalb allen jede Auskunft verweigern?

Ein anderer Punkt sind die Fragen des Tests und hier kann ich nur von unserem Standpunkt aus sprechen. Dass es ausgerechnet, für einen Sprachtest, das Thema Schwimmbad sein muss, finde ich eigentlich schon an sich einen Skandal. Es gibt ja tatsächlich Kinder, die noch nie im Schwimmbad waren, deren Eltern nicht schon beim Babyschwimmen dabei waren und/oder die es mangels Interesse oder Geld, einfach nicht ins Schwimmbad geschafft haben. Was ist mit Themen wie „Einkaufen im Supermarkt„? „Spielplatz„? „Freunde„? Es gibt so vieles was ALLE Kinder teilen, warum muss es ausgerechnet so ein elitäres Thema sein? Ach so, und falls das mit dem Thema nicht wichtig ist oder während des Tests geändert werden kann: sorry, denn Sie wissen, wie gesagt habe ich als Mutter weder vorher noch nachher irgendetwas über den Test erfahren dürfen.

Der Ton der Lehrer ist zumindest den Eltern gegenüber extrem kühl und herablassend. Ich kann nur aus der Elternwarte und aus eigener und fremder Erfahrung sprechen, denn wir sind ja beim Test nicht mit dabei. Oder nur dann wenn es eh schon ganz schlecht läuft. Ich kann ja verstehen wenn die berliner Lehrer es satt haben, dass ihre Schulen auf die gewünschten Plätze für Kinder verklagt werden, aber das rechtfertigt nicht den Ton in dem man uns als Eltern begegnet. Ich möchte es als Mutter von Seiten der Schule anerkannt wissen, dass der Sprachtest auch für mich eine wichtige Sache ist, zumal ich ja vorher nichts darüber erfahren kann was wirklich konkret wäre. Also bin ich nervös, denn ich wünsche mir ja, dass das Kind auf diese Schule darf, weiß aber nicht, wie wichtig oder entscheidend der Test ist (s.o.). Und ich möchte, dass die Lehrkraft mich als Person, als Elternteil wahrnimmt und mit mir redet, statt mir nur Aussagen, Entschuldigung, hinzurotzen wie: „Wir sind fertig, Sie hören dann vom Schulamt.“ Oder dass ich über die Schulter hinweg Personalien abgefragt bekomme, als wäre ich auf irgendner Wache. Und das gleiche gilt auch für die Kinder. Ist es denn so schwierig, auf ein Kind zuzugehen und ihm freundlich guten Tag zu sagen? Es einzuladen ins Zimmer, zum Test? Statt es abzufertigen, weil heute, morgen, in den nächsten Wochen ja noch Dutzende andere kommen? Ich bin sonst nicht so empfindlich, aber da werde ich dann doch fuchsig.

Ach übrigens: nach dem Test ist vor dem Test. Aber das ist leider ebenso wie alles andere wohl schulabhängig. Manche Schulen verkünden gleich obs geklappt hat. Andere müssen die Ergebnisse angeblich zum Schulamt senden und dann die Antworten abwarten. Kann bis zu 8 Monate dauern – also bis knapp 3 Monate vor der Einschulung. Super. Berlin ist mega nervig was diese Sache angeht. Jede Schule macht es anders und keiner informiert. Und die Kinder? Einziger Kommentar zu unserem Sohn war: „Er ist ja noch ein bisschen klein.“ Aha. Danke, liebe Lehrerin, aber wussen Sie, dass Berlin sich seit ca. 8 Jahren wünscht dass die Kinder mit 5 eingeschult werden? Dann sollte es auch nicht so ungewöhnlich sein, dass Vierjährige in Ihren Test kommen. Und von Ihnen als Grundschullehrerin hätte ich mir da etwas mehr Input zum Thema „Klein“ erwartet. Falls Sie uns damit etwas zum Sprachverhalten unseres Sohnes mitteilen wollten, habe ich leider nicht verstanden was Sie mir sagen wollten.

Wir warten nun…..

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3 Kommentare leave one →
  1. Claudia permalink
    November 27, 2012 8:56 am

    Ich finds einfach nur unverschämt, das man den Eltern nichts aber auch gar nichts zu dem Test sagt. Muss ja nicht gleich der Text Wochen vorher ausgehändigt werden aber zumindest der grundlegende Ablauf MUSS meiner Meinung nach den Eltern zwingend erläutert werden. Und mal im Ernst, wenn es nicht um DEN heißbegehrten Schulplatz gehen würde, würden Sie ihr Kind doch sicher nicht mit mehreren fremden Personen allein in fremder Umgebung lassen, oder?

  2. Fritzi permalink
    November 27, 2012 9:17 am

    @ Mama007 und Claudia: ich stimme euch voll und ganz zu. besonders Claudias letztem Satz „Und mal im Ernst, wenn es nicht um DEN heißbegehrten Schulplatz gehen würde, würden Sie ihr Kind doch sicher nicht mit mehreren fremden Personen allein in fremder Umgebung lassen, oder?“
    das ist eine große Frechheit, dieser Umgang! da fragt man sich doch ob die Schule /-zeit weiterhin so abläuft?

    Ich war Jahrelang überzeugt, dass ich auf nähe von Kindergarten und Schule sehr viel Wert lege. Je mehr ich darüber höre und lese, denke ich ich nehme doch lieber eine lange Fahrzeit dafür in kauf, dass ich ein gutes Gefühl bei KiGa oder Schule habe. die Wunschschule liegt allerdings 12,5 Fahrradkilometer entfernt.

    lg, Fritzi

  3. Janol permalink
    Januar 8, 2013 8:15 pm

    boooooah, da steht uns was bevor, sollten wir jemals zurückkommen.
    Hier die Vorschul-Lehrerin/Kindergärtnerin in der Nachbarschaftschule (nicht bilingue, Umgebungssprache) die ganz relaxt meinte: Oh ist das aber schön, dass er so gut Französisch spricht, das wird ihm die Integration ein wenig erleichtern und ich kann mich auf die drei konzentrieren, die noch lernen müssen.
    Und die Schulleiterin, die fröhlich damit angibt, dass sie 42 Nationalitäten an der Grund- und VOrschule haben.

    Und wenn wir hätten bilingual wählen wollen, hätte es einen vorher erläuterten Kurz-Check gegeben.

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