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„You can have it all“ – ja, schon klar.

Februar 18, 2013

Neulich fand ich diesen Artikel hier verlinkt auf meiner Facebookseite. Ich habe ihn gelesen. Und, was soll ich sagen? Wusste ich nicht, dass ich solche Artikel mittlerweile grundsätzlich vermeide weil ich

a) entweder sehr schlechte Laune oder

b) extrem deprimiert werde oder

c) beides zusammen (doofe Kombi…).

Trotzdem habe ich ihn gelesen, wider besseres Wissen. Klar, ich hätte das lassen sollen. Denn wieder möchte mir jemand erklären dass, wenn ich mein Leben nur von Anfang an besser anders organisiert hätte, dann wäre ich jetzt bereits glücklich Mutter eines ca. 15 -jährigen Sohnes, würde mich glücklich und gut bezahlt im Herzensjob der archäologischen Wissenschaft widmen und hätte zusätzlich, sozusagen als Sahnehäubchen, einen Lover statt eines Ehemannes. Also, anders gesagt: mein Mann wäre eher ein Lover statt eines Vaters, was immer die Autorin mir damit auch sagen wollte. Am schlimmsten für mich war der letzte Satz: „Du kannst alles haben, krieg nur deine Kinder früh genug!“. Vielen Dank für den Hinweis, nur leider habe ich mein Leben offensichtlich völlig FALSCH organisiert. Ich bin Mitte dreißig, mein Sohn ist erst 5, mein Ehemann ist eben der Vater meines Sohnes UND ein großartiger Partner in meinem Leben, ich arbeite nicht mäßig oder gut bezahlt oder auch nur überhaupt in meinem Herzensjob und ja, hin und wieder finde ich das schwierig. Und anstrengend. Und deprimierend. Eine Designercouch können wir uns leider auch nicht leisten, ob mit, vor oder nach dem Kind.

So, und jetzt sage ich dir mal was, liebe Charlotte Jacquemart, Autorin der NZZ. Lass uns Mütter in Ruhe mit angeblichen Patentrezepten zum Thema „Wie organisiere ich mein Leben richtig“. Hör auf uns zu sagen was wir nur anders machen müssten oder gemacht haben müssten um ein glückliches erfülltes Leben zu führen und Kinder, Ehe, Partner und Herzensjob in die Reihe zu kriegen. Solltest du ein Patentrezept haben, schreib ´n Buch drüber und verkaufs. DU wirst sehr reich werden, vermutlich, sollte es tatsächlich ein unwiderlegbares Patentrezept sein. Solltest du keins haben, dann hör auf Vätern und vor allem Müttern das Gefühl zu geben dass sie selbst etwas falsch gemacht haben wenn in ihrem Elterndasein etwas nicht so läuft wie sie es sich wünschen, denn ganz sicher, das kann ich dir 100%ig versichern, liegt es nicht NUR an den Eltern. Sondern auch an der Arbeitslandschaft, den sozialen und kulturellen Gegebenheiten, der politischen Lage und dem Umfeld der Eltern.

Vielleicht habe ich dich auch falsch verstanden und du wolltest nur einen Denkanstoß oder so geben. Dann: danke für den Versuch, aber du solltest vielleicht dann etwas weniger vehement formulieren. Und nicht alle Verantwortung den Müttern und Vätern zuschieben, sondern vielleicht auch mal was anderes mit einbeziehen: die gesellschaftliche Lage, in der sich Mütter und Väter befinden. In der sie schon genug von allen Seiten mit absoluten Wahrheiten bombardiert werden die sie glauben und nachahmen sollen um ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft aus ihrem Kind zu machen.

Statt noch mehr Patentrezepten bräuchtne wir eigentlich: echte Unterstützung von Staat und kein Gerede, die Einsicht von Wirtschaft und Gesellschaft dassKinder einfacher in das heute dominierende Arbeits- und Gesellschaftsleben integrierbra sein können. Damit Eltern ohne schlechtes Gewissen Eltern UND Berufstätige sein können. Wenn sie Glück haben, sogar in dem Job den sie lieben.

P.S: Noch mehr Einblicke ins wahre Leben berufstätiger Eltern gefällig: dann guck doch mal bei

Geologenkinder

Vendittis

das nuf oder

Glücklich Scheitern vorbei. Und all den anderen Bloggern die tagtlich drüber schreiben wie der Elternalltag plus Beruf so aussieht.

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One Comment leave one →
  1. Kiki permalink
    Februar 18, 2013 8:33 am

    Sehr gut. Mein Rezept: ignorier das ganze Marketing (von wegen Designersofa, das macht dich auch nicht glücklich, und Marmelade können die zwerge da genauso dranschmieren), Sieh das was du hast (und das ist wunderbar!), sei froh! und genieße das Leben.

    (Vergiss die anderen nervigen Leute und wähle deine Freunde gut aus.)

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