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Tschüß Vivantes, tschüß RTL….

März 15, 2013

Neulich meldete die Berliner Zeitung und auch noch andere, dass das Thema der Dokusoap aus dem Kreißsaal des Klinikums Vivantes im Friedrichshain endgültig gestorben ist. Gut so! Ich darf nämlich sagen: ich habe dort gebärt. Gebären? Gebärt? Geboren? Egal. Der Kleine Mann kam dort zur Welt.

Und obwohl die Hebammen dort sehr freundlich waren und unsere 17stündige Geburt begleiteten, möchte ich mal was zur dortigen Wöchnerinnenstation (zumindest Stand im Jahr 2007) sagen. Etwas das wieder hochkam jetzt wo man die tolle Vivantes-Klinik ins Fernsehen bringen wollte. Etwas, das mir nun seit 5 (in Worten FÜNF!) Jahren immer noch im Kopf rumgeistert. Es war nämlich so: schon VOR der Geburt, bei unserer Anmeldung im Vivantes wurde ich gefragt ob gerne nach der Geburt einige Tage auf der Wöchnerinnenstation bleiben wolle. Ich wollte. Erstes Kind, Schwangerschaft im nicht-europäischen Ausland und so – ich fühlte mich sicherer mit der Idee danach noch ein bisschen in „guten Händen“ zu sein. Also sagte ich: Ja, ich will.

Die Geburt war vorbei, es war kurz vor Mitternacht, nach den 17 Stunden war ich auch entsprechend nicht-ansprechbar, meine Welt ein einziger Nebel. Der Kleine Mann hatte nach der Geburt eine halbe Stunde auf meinem Bauch gelegen und es war sehr sehr schön. Es folgte die Verlegung auf die Wöchnerinnenstation, wo mir sofort (man erinnere sich: 17 Stunden Geburt, Nebel im Kopf, zum ersten Mal Mutter) gezeigt wurde wie man den Kleinen Mann zu wickeln hätte. Ich hab genickt und bin sofort eingeschlafen.

Am nächsten Morgen: der Kleine Mann krähte leise. Es war 5.10 Uhr. Die Windel war voll. Ich stand neben mir und fragte die Nachtschwester ob sie mir das mit dem Windeln bitte nochmal zeigen könne. Ich wurde angeraunzt vom Feinsten. Ob man mir das nicht gestern nacht schon gezeigt hätte? Warum ich das nicht könne? Und so.

1 Stunde später kam die Morgenschwester und fragte nach dem Stillen. Stillen? Gerne – wie? Es folgte: Ob man mir das Kind nicht schon im Kreißsaal angelegt hätte? Warum ICH das Kind nicht schon im Kreißsaal angelegt hätte? Ob ich nicht wisse dass das wichtig sei? Ob das nun noch „gehe„, das wisse sie auch nicht. Man müsse es halt probieren. Super, danke für diese freundliche Betreuung. Übrigens: der Kleine Mann wurde problemlos gute 8 Monate gestillt. Kaum fassbar nach meinem unglaublichen Still-Fehltritt.

Und ähnlich ging es immer weiter. Wegen eines krassen Dammrisses brauchte ich zum Beispiel ein bisschen mehr Unterstützung. Das war nur unter Murren zu bekommen. Irgendwann verlegte man mich in ein anderes Zimmer und gestillt wurde im Stillzimmer. Das hat nachts den Vorteil dass man bei im-Dunkeln-rumsitzen-und-stillen super mithören kann wenn die Schwestern die Patientenübergabe während der Nachtschicht machen. Und wenn man dann über sich und andere sprechen hört, die und die wären wehleidig, die und die schaffe es ja wohl gar nicht und so weiter. Es war echter Horror und ganz ehrlich: vermutlich nicht ganz unschuldig an meiner nach der Entlassung folgender Wochenbettdepression. Hätte ich mehr Kraft und Energie und Willenskraft in diesem Moment besässen: ich hätte einfach mal ins Schwesternzimmer gehen sollen und ihnen meine Meinung sagen. Allerdings sind die ersten Tage nach der Geburt des ersten Kindes für sowas wenig geeignet. Zumindest in meinem Fall.

Insofern, liebes Vivantes-Klinikum im Friedrichshain: Wenn das heute alles anders ist, herzlichen Glückwunsch. Ich kann nur die sagen: die Hebammen waren klasse, die Wöchnerinnenstation in punkto Betreuung und Sensibilität den Patientinnen gegenüber war echter Horror. Und zu dem was in der Kinderstation so läuft habe ich bereits hier gebloggt. Und werde nächstes Mal ein anderes Krankenhaus aufsuchen wenn der Kleine Mann jemals wieder stationär irgendwo hin muss. Und solche Zustände werden auch durch eine Gebutrs-Begleitungs-Soap nicht besser.

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3 Kommentare leave one →
  1. März 15, 2013 1:24 pm

    Oweh, das klingt alles so furchtbar vertraut. Stillen? Das hat mir die Zimmernachbarin erklärt, die grad mit dem dritten Kind da lag. Welche Stillpositionen es gibt usw.

    Beim zweiten Kind, anderes Krankenhaus, hatte ich nach der Geburt glücklicherweise noch soviel Energie und war so genervt um zu sagen: ich will raus hier, aber pronto. Wurde dann aber doch noch für drei Stunden „zur Beobachtung“ auf die Wöchnerinnenstation verlegt. Für das, was sich in diesen drei Stunden dort in meinem Zimmer abspielte, am besten folgenden Film gucken: http://www.youtube.com/watch?v=CfSa8Vg8XXs

    Personen ersetzen: durch Stationsschwester, Stationsschwestergehilfin, Hebamme, Kinderärztin, Putzfrau („ich komme moppen“), Ernährungsberaterin („ich komme, um den Speiseplan der nächsten Woche mit Ihnen durchzusprechen“ „ich bin nur noch ne Stunde da“ „Aber da kriegen Sie doch noch ein Mittagsessen!“), Babyfotografin („Wünschen Sie ein Babyfoto?“ „NEIN“ – die Zimmernachbarin hat begeistert ja gerufen, da fand dann also auch noch eine Fotosession, inklusive Klamottenanprobieren „Wär dieser rosa Strampler nicht dafür was?“ im Zimmer statt), 2xBesuch für die Zimmergenossin. Und mittendrin ein neugeborenes Kind und ich, die beide einfach nur _schlafen_ wollten.

    Einen Deal, auf einer Wöchnerinnenstation zu filmen, find ich ungefähr genauso pervers, wie wenn RTL im Voraus Verträge mit Leuten abschließen würde, die Bergungsaktion en detail zu filmen, sollten sie mal einen Autounfall haben. Eine Geburt ist eine Grenzerfahrung, da kann keine sagen, wie sie nachher drauf ist. Und ob sie nachher irgendwie die Kraft hat, Kameras wegzuscheuchen, weil sie sowas doch nicht verkraftet, obwohl sie sich davor blauäugig bereiterklärt hat.

  2. Fritzi permalink
    März 15, 2013 2:25 pm

    wow, wie krass und so ganz anders. ich war in einem Gebärzimmer mit anbindung an ein Krankenhaus. die betreuung VOR und während der Geburt war echt spitze. dabei war nur die Hebamme und mein Liebster, der auch komplett vorher gut vorbereitet wurde. Allein die Stillberatung hinterher hat zusätzlichen Stress verursacht. aber mit der jetzigen erfahrung die ich gesammelt habe würde ich immer wieder in dieses Gebärzimmer gehen. und soweit gesund danach direkt nach Hause!
    Danke an alle die von ihren Krankenhaus erfahrungen berichten, sonst wäre ich damals sicherlich auch in so einem gelandet.

  3. März 16, 2013 7:47 am

    Habe ähnliche Erfahrungen mit einem anderen Vivantes in Kreuzberg gemacht. Hebammen top, Station danach viel Ärger und Frust.Würde bei einem nächsten Mal lieber gleich nach Hause gehen.

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