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Essen? Nö, danke.

April 2, 2013

Essen mit dem Kleinen Mann….. da entringt sich mir ein Seufzer in den letzten Wochen. Freunde und Familie sagen mir ich solle mir keine Sorgen machen und das wäre sicher alles nur eine Phase, vielleicht wolle er sich da ein bisschen austesten, der Kleine Mann, aber er wäre doch ordentlich genährt und überhaupt…. aber zuhause läufts stressig. Also: ich fühle mich gestresst, je nach Tagesform mal mehr oder weniger.Rohes Gemüse: geht gar nicht. Gekochtes Gemüse: unter Murren. Reis… hm. Kartoffeln: am liebsten als Kartoffelbrei. Fleisch: kommt drauf an. Da Kochen für mich LIEBE ist und ich es wirklich jeden Tag immer wieder gern tue, ist Essensmeckern für mich so ein bisschen wie Zurückweisung. Nachdem ich mir das so druchgedacht hatte, war mir auch klar warum ich immer so unglaublich schlechte Laune kriege wenn der Kleine Mann nix von mir essen will. Und obwohl mir das klar ist, finde ich es trotzdem schwierig, nehme mich aber zunehmend zusammen…. ich hab das aber hier mal so ein bisschen dokumentiert, damit das ganze AUSMASS der Meckerei klar wird:

Erster Tag. Abendessen: Reis, Hühnergeschnetzeltes in Sahnesauce und grüne Bohnen.

Der Kleine Mann: „Oh. (Pause) Reis.“ Pause. Er setzt sich und inspiziert den Teller visuell. „Das GRÜNE da kenne ich auch!“, sagt er geringschätzig. „Das ist Brokkoli!“ – „Nein, Kleiner Mann, das sind grüne Bohnen.“ – „Ja, (abschätzig) die kenne ich. Die hatten wir schon mal in der Kita, aber waren die GANZ KLEIN! In einer Suppe. Und da waren noch ganz viel (angeekelt:) ANDERE Sachen mit drin!“.

Zweiter Tag. Frühstück: Bircher Müsli mit Banane und filetierter Orange. Ein Lieblingsessen des Kleinen Mannes.

Der Kleine Mann, sehr matter-of-fact: „Hm ja. Das ist lecker.“- „Super, dann machen wir das morgen nochmal, wie wärs?“ – „Hm. Na gut. Dann aber ohne DAS HIER!“ – zeigt leicht angeekelt auf die Orangenstückchen.

Zweiter Tag. Abholen aus der Kita. Mama007 hat ne Banane dabei. Das Szenario entwickelt sich wie beim Apfel, es wird aber derart gemeckert dass ich ankündige dass ich bei soviel Gemecker entweder GAR NICHTS mehr mitbringe oder eben immer mal wieder was anderes: Was Süßes, ne Brezel, Apfel, Banane, whatever. Schweigen und böse Blicke antworten mir. 10 Minuten später: „Mama….. kann ich die Banane….?!„. HMPF.

Zweiter Tag. Abendessen: Kartoffelbrei, Boulette und frisches Möhrengemüse in Scheiben.

Der Kleine Mann: „Oh. (gefasst, aber leicht angeekelt:) Karotten.“ – „Ja, sag mir mal wieviel du von allem möchtest!“ – „Ich möchte EINE.“ – „EINE Karotte? Einen kleinen Löffel Karotten!“ – „Okay.“ – überlegt kurz. „Mamaaaaa….. muss ich die dann auch alle essen?“ (es handelt sich um genau 8, in Worten ACHT, Möhrenscheibchen auf seinem Teller). Ja, er muss.  Auch die Boulette und den Löffel Kartoffelbrei.

Dritter Tag. Frühstück: Bircher Müsli mit Banane und Ananas.

Der Kleine Mann: „Kann ich Cornflakes?“ – „Hm, wir hatten Müsli….“ – „IMMER nur Müsli! IMMER muss ich Müsli! Ich will auch mal Cornflakes! IMMER muss ich das essen was die Großen essen! Das ist UNGERECHT!“. Salomon spricht: Nimm Müsli und mach noch ´n paar Cornflakes drauf und sage innerlich 12mal: YOOOOGAAAAA.

Vierter Tag. Neues Kochbuch gekauft und mit dem Kleinen Mann durchgeblättert. Er wünscht sich: Spinatsuppe. Ähm, okay. Hätte ich jetzt nicht erwartet, aber ich freu mich natürlich! Spinatsuppe gekocht, sie sieht dank meiner unglaublichen Kochkünste genauso aus wie auf dem Foto im Buch. Aufgetan, alle essen. „Mama…. die Suppe schmeckt nicht wie in der Kita!“ – „Naja, euer Koch hat sicher ein anderes Rezept, aber wir haben jetzt das hier was du ausgesucht hattest.“ – Ja. Aber das schmeckt NICHT wie in der Kita!!!!!!!!!“.
Unwillig isst er einige Löffel der Suppe.

Fünfter Tag. Wir denken über das Osteressen nach. Und blättern wieder im Kochbuch. Mein Favorit wäre ja ein ganzes Huhn aus dem Ofen, darauf stehen alle, auch der Kleine Mann, der bis heute begeistert von dem Ganzen HUHN spricht, das wir zu Weihnachten hatten. Diesmal überblättert er die Seite mit dem tollen Vogel und zeigt auf was anderes: thailändische Hühnchenspieße. Äh, bitte???? Okay. Ich machs. Aus Liebe. Vielleicht war das Erwerben dieses Kochbuchs DOCH eine gute Entscheidung.

Als die Hühnchenspieße lieblich duftend auf den Tellern liegen, umgeben von Reis und Zucchini-Kokos-Gemüse, beäugt der Kleine Mann sie kritisch. Er kann schlecht meckern, immerhin hat er sie selber ausgesucht. Einen knabbert er ab, dann widmet er sich dem Reis. Vom Gemüse nimmt er einen vorsichtigen, pflicht erfüllenden Löffel. Und dann: verschlingt er noch einen zweiten Hühnchenspieß.

Es funktioniert!!!!!!!!!!!!! Jetzt dürfen wir NUR NOCH aus dem Kochbuch kochen. Uff. Übrigens: Eierkuchen gehen immer…. auch Spaghetti und Tomatensauce. Und Spiegelei. Und Ketchup. Und Brot mit Käse und Salami. Und Schokomuffins. Und Schnitzel. Und, wie mir das Kochbuch mitteilte: es ist statistisch erwiesen dass Kinder mehr Obst essen, wenn man es ihnen klein geschnitten vorsetzt. Na denn.

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One Comment leave one →
  1. April 2, 2013 11:03 am

    Finde ich sehr sympathisch, dass Du das sehen kannst und auch zugibst, dass Du Deine Wertschätzung aus Deinem Tun beziehst, den Kleinen – ich sagst jetzt brutal, aber treffender – also für DEIN Wohlbefinden instrumentualisierst.
    Ähnlich absurd aber irgendwie nachfühlbar ist Dein „Kochen = Liebe“.
    Gut gemeint ist noch lange nicht gut! 😉
    Versuch vielleicht Deine alte, aber grottenfalsche Programmierung loszuwerden, dass Du etwas tun musst, um geliebt zu werden. Fast alle von uns sind so erzogen, um nicht zu sagen missbraucht, worden. Dennoch wird es damit nicht richtiger.
    Setz Dich lieber mit dem Kleinen auf die Wiese und nascht Gänseblümchen und Löwenzahn! Das ist besser für beide! 😉
    Oder machs wie ich mit meinen Kindern. Ich hab den Elektroherd abgeklemmt und darauf eine Rohkostecke eingerichtet. Die Kinder nahmen sich selber an Obst, Gemüsen und Nüssen/ Samen was sie wollten und mampften das mit Begeisterung oder steckten es in den Mixer und löffelten die ‚täglich neu erfundenen‘ Breichen.
    Soll ich auch noch dazusagen, dass das enorm Arbeit spart und die Kinder nicht einmal krank oder auch nur verkühlt oder verschnupft waren? 😉
    In diesem Sinne, liebe Grüße und: paradise your life ! 😉

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