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Kunstgenuss

April 4, 2013

Neulich war ich im Ballett. Und zwar beim Staatsballett Berlin, ganz klassisch in Schwanensee.

Nu isses ja nicht so, dass ich das zum ersten Mal mache aber mittlerweile eben aus Gründen nicht mehr so häufig. Und in Schwanensee war ich wohl 20 Jahre lang nicht mehr. Das erste Mal Schwanensee war so mit 11, ich trug weiße Strumpfhosen und war UNGLAUBLICH aufgeregt. Mein erstes Mal Staatsoper, mein erstes Ballett. Mann, ist das lange her…. Diesmal hatte ich mich unglaublich darauf gefreut weil es so eine ganz klassische, puristische Inszenierung ist, mit der Choreographie von Petipa/Iwanow und überhaupt…. das Staatsballett hatte Fotos aus dieser Inszenierung schon vor einigen Jahren für ihre Werbekampagne genutzt, ein wunderschönes Machwerk mit dem Motto „Du wirst ganz und gar bewegt“. Ja, ich mag auch modernen Tanz und eine der schönsten Sachen der letzten Jahre war sicherlicher „Dido und Aeneas“ mit dem Ensemble der Staatsoper und Sasha Waltz. Aber so das ganz klassische Ballett…. Seufz.

Did2

Wir saßen also. Der Vorhang ging auf. Und schon nach 10 Minuten war klar: das Publikum ist völlig hin und weg. Das Publikum klatschte nicht nur nach jedem Akt, nein, es rastete nach jeder Szene aus und dann bebte sogar fast nach jedem Solo der Saal. Man mag ja über die Klatscher sagen was man will, aber da hatte das so etwas Mitreißendes…. egal ob man das nun als „Schnöde“ oder „Kunstbanausig“ abstempeln mag.

Die Story kann man eigentlich kurz zusammenfassen: ein Typ der ein, naja sagen wir mal, sehr enges Verhältnis zu seiner Mutter hat und gleichzeitig zu seinem Freund (zwinker zwinker, 19. Jahrhundert eben…) trifft im Wald einen verzauberten weißen Schwan und verliebt sich. Leider kriegt er es nicht hin sich das Gesicht seiner großen Liebe zu merken und schwört daher kurz später einer Anderen, nämlich dem schwarzen Schwan, die Liebe und Treue. Als er merkt dass da was schief gegangen ist, ist schon alles zu spät, der verzauberte weiße Schwan entschwindet und alle anderen wichtigen Personen sterben mehr oder weniger freiwillig. Ende.

Ich glaube, das ist so ungefähr die simpelste Ballettstory die ich kenne und wunderbarerweise gehts hier dementsprechend auch nur ums Tanzen. Tanzen in weißen Tütüs, in weißem Nebel und in einer Choreographie dass der ganze Saal mucksmäuschenstill war. Abgesehen von dem 50jährigen Brasilianer hinter uns, der alle 10 Minuten Fotos machte und die Musik mitsummte. Da er wohl kein Englisch sprach und so verzaubert war, versuchte ich das anstrengende Klickklack der Fotos auszublenden.

Der Saal war also völlig gebannt von Nebel und Spitzentanz und „Di-di-di-di-dididiiiididi“ und das Einzige wo ich nicht hinschauen durfte, waren die Oberarme der Primaballerina. Die bestanden nämlich ausschliesslich aus Knochen. So eine dünne Tänzerin hab ich seit Zeiten nicht mehr gesehen, das war nicht mehr schön. Bitte, Mädchen: iss was!

Hier das offizielle Abschlussfoto, nachdem wir uns alle die Hände wundgeklatscht hatten:

IMAG1764

 

 

 

 

 

Und in der Garderobe darf man den Pelz aufgeben, aber nur gegen Gebühr! Zu Recht, denn aus meiner Zeit als Garderobenmädchen in der Oper weiß ich: es gibt Besucherinnen, die darum bitten den Pelz doch bitte in eine gesonderte Ecke zu hängen, damit er nicht „mit den anderen Sachen“ zusammenhängt.  Und wer weiß, was der Plebs alles so in seinen Sachen hat: Läuse, Schaben, Flöhe? So ein Pelz ist empfindlich….

IMAG1767

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