Skip to content

Mädchen, Jungs und Lego Friends

April 11, 2013

Was meinst du denn, was sich die Anna zum Geburtstag wünscht?“ frage ich den Kleinen Mann, denn er ist am Wochenende eingeladen.

Hm, weiß nich„, sagt er. „Die mag…. Pferde. Und so rosa Zeugs.

Ja, genauso ist es. Pferde und rosa Zeugs. Und es wird mit zunehmenden Beispielen um so anstrengender. Denn mittlerweile kenn ich sie, die Geschichten von den 3jährigen Mädchen die nur was nicht-rosa-farbenes anziehen wenn auch die MUTTER sich was in blau oder grün anzieht. Oder die Anekdote von dem 5jährigen Mädchen das heult wenn die Leggins nicht richtig sitzen oder der Nagellack nicht 100 Prozent sauber liegt. Und deren Mutter sich nicht erklären kann woher das kommt, da sie selbst eher ungeschminkt und normal durch die Welt eilt und auch Fernsehen und andere Medien kontrolliert genossen werden. Oder die Geschichte von dem Mädchen das traurig ist, weil es sich eben NICHT wie die anderen 10 Mädels der 5-6-jährigen Peergroup die Nägel in rosa lackieren darf. Oder das traurige Kapitel von dem 4-jährigen, dessen Lieblingsfarbe rosa war, aber den die Mädchen solange frotzelten, bis er seinen Eltern von sich aus erklärte, er möge jetzt kein Rosa mehr, sondern nur noch Blau. Oder die von dem Jungen, der einen anderen Jungen auslachte, weil er „eine komische Frisur“ hatte, worauf der Junge mit der Frisur sehr lange sehr traurig war. Jeden Monat bekomme ich neue Geschichten zu hören, die das Bild der krassen Zuschreibung nur noch bestätigen. Ist das immer so gewesen, dass Kinder sich derart fest an diesen Dingen verankern? Ist das also normal oder ist es gerade stärker als noch zu unserer Kindheit?

Ganz echt Leute: es scheint mir fast, als ginge hier etwas definitiv in die falsche Richtung. Und wenn ich mir diesen Artikel durchlese, den ich über Facebook „zugespielt“ bekam (danke Kerstin!) dann glaube ich auch zu meinen, dass ein Grund dafür in der krassen Kommerzialisierung von angeblichen Mädchen- und Jungswelten liegt. Es scheint mir als würde die Wirtschaft angeblich glauben dass es damit noch mehr Geld zu verdienen gäbe – und wie es aussieht machen ja auch genügend Leute mit, denn würde es niemand kaufen gäbe es den rosa und blauen Kram gar nicht mehr in diesen Massen. Ein Revival der Genderzuschreibungen also, genau zu dem Zeitpunkt wo sich viele Menschen eher Gedanken darüber was, wie diese Zuschreibungen zu durchbrechen sind.

Es könnte sogar sein, dass es genetische Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Interessen gibt, ich bin keine Anhängerin der These dass ALLES in der Erziehung liegt. Ich denke aber, dass jeder seine Interessen ausleben sollen dürfte ohne dass diese ständig und überall mit Mädchen oder Jungs assoziiert werden. Was ist der Sinn von Zahnputzbechern und Zahnpasta in Mädchen- und Jungsvarianten???? Warum muss man sich da entscheiden? Früher gabs solche „Dinge des täglichen Bedarfs“ (wie es in der DDR so schön hieß) einfach in normalen neutralen Farben wie beige, weiß oder dunkelblau.Für Männer und Frauen gibts ja auch keine rosa und blauen Becher. Für kleine Mädchen und Jungs aber schon – siehe die Fotos unten. Und zwar nicht nur Zahnputzbecher, sondern auch Duschbad und Zahnpasta. Ich versteh es nicht. Und daher kann ich auch nur noch die blauen Sachen kaufen, denn der Kleine Mann ist sich natürlich super sicher, dass er kein Mädchen ist und Rosa deshalb total ausfällt. Alles wäre okay: Beige, Grün, Orange. ABER KEIN ROSA.

Über rosa Überraschungseier will ich gar nicht mehr reden. Und egal, wie sehr wir uns darüber aufregen – die Kinder kriegen ganz genau mit, was wem zugeschrieben wird. So sehr, dass der Kleine Mann ganze 3 Jahre lang überzeugt war, meine Lieblingsfarbe müsse rosa sein – immerhin bin ich ein Mädchen. Und egal wie oft ich sagte, dass grün und orange meine Lieblingsfarben seien, so ganz glauben konnte er das nicht.

IMAG1817 IMAG1818

Hier das Beispiel aus dem wahren Leben, fotografiert gestern in der Drogerie.

Advertisements
One Comment leave one →
  1. April 24, 2013 9:56 pm

    Ich finde diese Art der Farbenlehre auch anstrengend und unangenehm. Gerade wenn man bedenkt, dass bis in die 1920er Jahre Blau die Mädchenfarbe war und Rosa die für Jungen. Erst nach dem ersten Weltkrieg wurde Blau die Farbe der Arbeiter- und Männerwelt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: