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Einschulung – das is´wie nochmal schwanger. Oder: Schule, # 7.

Mai 24, 2013

Damals, vor 5-6 Jahren, da war ich schwanger. In den ersten 6 Monaten weilten wir im außereuropäischen Ausland und der wichtigste Kommentar zur Schwangerschaft lautete: „Machen Sie alles was Sie wollen solange Sie sich gut dabei fühlen. Sobald Sie sich schlecht fühlen, kommen Sie SOFORT zu mir!“ Das war die Aussage meiner betreuenden Gynäkologin und es war wahrhaft ein weiser Ratschlag. Also machte ich weiterhin Begehungen, grub aus, kümmerte mich um die Arbeit. Mit tatkräftiger und liebevoller Unterstützung, aber von Schonen war nicht groß die Rede. Und erst recht nicht von „Dies nicht essen – jenes nicht trinken.“ Ich meine, dass man nicht trinken und rauchen soll, weiß ja jeder normale Mensch.

Und kaum war ich im 7. Monat zurück in Deutschland, da überfielen mich die guten Ratschläge aus Arztpraxis, Fernsehen, Bücherladen, Internet und Foren. Geburtsvorbereitung, Geburtslisten, Ratschläge von hinten und vorn. „Essen Sie kein (setzen Sie ein, was Sie mögen)!“, „Kaufen Sie sich ein (setzen Sie ein was Sie mögen)….“, „Auf gar keinen Fall dürfen Sie (Setzen Sie ein was Sie mögen)“. Unterton: Wenn man es trotzdem tut oder etwas Empfohlenes auslässt, schädigt man sein Kind. Und zwar wissentlich und vorsätzlich. Rabenmutter!

Es waren anstrengende Monate und es wurde erst besser als mir von außen deutlich gemacht wurde, dass ich gerade total verkrampft vorm Fernseher sass in dem eine Geburtsreportage lief. Ich hab das Ding ausgemacht und das Gebären etwas ruhiger betrachtet.und weiss seitdem, dass ich eine Tendenz dazu habe, mir ZUVIEL Gedanken zu machen.

Jetzt sind 5 Jahre vergangen und die Einschulung steht vor der Tür. Schon vor 2 Jahren wurden ja Kinder in unserem Bekanntenkreis auf die richtigen wichtigen Sachen vrobereitet: zum Beispiel die Wahl der besten Schule, die Vorbereitung auf den Sprachtest etc. etc. besagte Kinder waren dann teilweise so genervt, dass sie die Sprachtests verweigerten, aber das ist eine andere Geschichte.
Jetzt haben nämlich die meisten Kinder in unserer Bekanntschaft schon einen Platz an ihrer Wunschschule erhalten und die Mütter haben ein neues Betätigungsfeld entdeckt: die Einschulung. Schon Anfang des Jahres lagen ja im Kindergarten Broschüren einer Schulranzen-Ladenkette aus. Einige Wochen später waren es dann Flyer zum Thema Zuckertüte. Und vor zwei Wochen dann wurden im Kindergarten Mini-Schultüten gebastelt, denn es wird ein Zuckertütenfest zum Abschied geben. Das ist ja auch alles super, denn es bereitet die Kinder auf die Schule vor. Was aber wirklich fast unerträglich ist, ist der soziale Druck der bereits jetzt ausgeübt wird.
Hat eurer noch keinen Schulranzen?
„Was, du kaufst noch nichts? Da pass mal auf, dass ihr nachher nicht nur noch die Reste abkriegt!
Meine Mama hat mir schon eine Schultüte gebastelt. (Übrigens: 5 Monate vor der Einschulung. Ähhh….).
Man hat bereits Einladungen verschickt und Lokale gebucht. Die Söhne einer lieben Verwandten wurden mit je einem rauschenden Fest beglückt, so ähnlich wird’s wohl auch bei 90 Prozent der Kindergartenmannschaft laufen.

Und: die Diskussion um den RICHTIGEN Schulranzen geht in ungeahnte Runden. Schulranzen? Rucksack? Groß? Klein? Oder doch das tolle Angebot des neuen Anbieters Ergobag? Diverse Mitmütter haben sich ernsthafte Gedanken gemacht, so wie das die Werbung ja offensichtlich auch von ihnen erwartet. Denn es wird ja immer davor gewarnt, dass Kinder keine Rucksäcke in der Schule tragen sollen. Der Rücken!!!! Man kreiert dem Kind damit lebenslange Rückenprobleme, heisst es. Wollen Sie das? Wollen Sie eine solch schlechte Mutter sein? NEIN, das will natürlich keine. Andererseits will man dem Kind aber auch nicht die 1 1/2 -Liter-Flasche Wasser vorenthalten, die es braucht um immer ausreichend hydriert zu sein. Dementsprechend alarmiert sind die Mitmütter. Und glauben am Ende der Industrie, die ihnen für Ranzen oder Rucksäcke zwischen 100 und 200 Euro abknöpft, damit der Sprössling rückenproblemlos und noch dazu mit dem gewünschten Muster (Dinos? Feuerwehrmänner? Hello Kitty?) plus Wasserflasche in die Schule und damit ins Leben marschieren kann.

Ganz leise fing auch bei mir der Wahn an. Die Kindergarten-Dauerbeschallung und die Aussage des Kleinen Mannes, dass ALLE bereits einen Schulranzen hätten, hinterliess auch bei mir leichte Spuren. Bis ich die Sache an jemand Kompetentes delegierte, der mir dann sagte: „Mach mal ruhig. Ich guck mir das an.“ Und dann feststellte: jeder normale Kinderrucksack namhafter Outdoor-Anbieter entspricht den Maßen und Vorgaben, die auch von den sauteuren Schulrucksack-Anfertigern angegeben werden. Sogar die Technologien entsprechen einander. Lediglich der Preis ist – öhem – nur der halbe. Und, ach ja: es gibt keine Hello Kitty/Dino/Cars-Modelle. Nur stinknormale Kinderrucksäcke in schönen lustigen Farben.

So, und ich mach jetzt Folgendes: ich werd so nen Rucksack kaufen und nen Dino draufmalen. Kostet die Hälfte, ist genauso gut. Punkt. Und werde mich dann zurücklehnen und froh sein, dass ich gerade noch rechtzeitig gemerkt habe, dass ich gerade wieder in diese Schwangerschafts-mach dies nicht, mach jenes nicht – Falle getappt wollte.

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