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Kiez versus Kiez

Mai 27, 2013

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Obiges war neulich auf dem Boxhagener Platz zu sehen.

Nun ist es ja so, dass unser Kiez einerseits von 7-19 Uhr voll ist mit Kindern und älteren gut betuchten Touristen ist, die sich eher als „alternativ“ bezeichnen würden.Für diese Klientel gibts Spielplätze bis zum Abwinken, diverse süße Alternativ-Lädchen inklusive mittlerweile 5 „Mach dein Zuhause noch schöner“-Läden mit Koch- und Dekogadgets (natürlich v.a. ökologisch verträglich hergestellt und hochwertig), 4 Spielcafés auf einem Quadratkilometer und Kinderklamotten (natürlich selbstgenäht und zuckersüß). Die Klientel ist also glücklich versorgt zwischen hochwertigem Shopping und hausgemachtem Karamell-Latte. Ich muss hinzufügen dass ich zumindest die wirklich guten hausgemachten Kuchen und Bagels meines Lieblingscafés  (Hin, Leute! Und nehmt die veganen Bagel!!!!) natürlich NIE wieder missen möchte und auch die verschiedenen Spielcafés waren für den kleinen Kleinen Mann echt super. Mittlerweile ist das nicht mehr so seine Altersklasse. Aber es gibt ja genügend Nachwuchs…

Sobald sich aber die Nacht herniedersenkt, besteht der Kiez aus Punks und besoffenen Junggesellenabschieden. Sauf-Flatrates und dutzende Billigrestaurants tun das Ihre und die Straßen sind voll mit grölenden Typen. Und das führt zu Konflikten. Größeren Konflikten. Die wir, also die beiden Gruppen, nie direkt austragen, da wir ja fast nie zusammen unterwegs draußen sind. Deshalb findet die Auseinandersetzung hauptsächlich nonverbal statt. Entweder über leises oder lautes Murren oder eben so wie oben über den schriftlichen Weg – wie in einer WG. Was es ja irgendwie auch ist: eine Wohn-Gemeinschaft im Kiez.

Und ich muss sagen: ich versteh die Aufhänger dieses Schilds. Denn, ganz ehrlich: es ist ja okay, wenn Gruppe 2 (Touristen, Punks, Jugendliche) ab 19 Uhr die Spielplätze übernehmen und dort was trinken, aber wenn ich dann am nächsten Tag Bierflaschenscherben und Kippen aus allen Ecken des Buddelkastens raus-pulen muss, der bereits wieder mit dutzenden von Kindern verschiedensten Alters barfuss belaufen wird, dann ist das: Scheiße und überhaupt nicht mehr okay. Gleiches gilt für Hundekacke und Kronkorken. Andererseits ist es vermutlich für einen Nicht-Kinder-Haber auch stressig wenn die Gören ab 8 Uhr morgens auf dem Spielplatz rumlärmen. Und ich vermute, dass das Aufhängen dieser Schildchen genau dieser IDee entspringt: der Bitte um etwas Rücksichtnahme. Und da Gruppe 1 meist meint, dass alle anderen auf sie und die Kinder Rücksicht zu nehmen haben (was bis zu einem gewissen Grade auch stimmt) haben sie eben dieses Schildchen aufgehängt – und prompt eine Antwort bekommen. Nämlich die, dass die stressigen Kinder dann auch draußen bleiben dürfen.

Ich wäre ja dafür, dass der Platz dann einfach von BEIDEN Gruppen nicht mehr benutzt werden darf. Sondern nur noch von kinderfreien, ruhigen, nicht saufenden Personen, deren Hundehäufchen ordentlich in Tütchen verpackt im Mülleimer landen. Also Leute wie ich, die bald Urlaub haben und sich dann über ein ruhiges sauberes Fleckchen im Kiez freuen würden. In diesem Sinne liebe Mitbewohner im Kiez: nehmt euch die Botschaft zu Herzen! Und macht Platz für meinen Urlaub!

P.S. Das Nuf hat übrigens die Idee mit den laminierten Schildchen für die Kiez-Kommunikation auf ein ganz neues Niveau gehoben….

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6 Kommentare leave one →
  1. timaios permalink
    Mai 27, 2013 9:11 am

    Oh, wir müssen unbedingt wieder ins Lieblingscafe!! 😉
    (Und die Schilderkommunikation – besonders diejenige nach Nuf – sollte ausgeweitet werden. Den Kinderverscheukommentar auf dem Beschwerdeschild find ich auch sehr witzig – nicht sehr hilfreich zwar, aber witzig. Ich fürchte, du hast völlig Recht: Die Kiez-Gemeinschaft wird von (mind.) zwei Gruppen im Schichtbetrieb bewohnt, die sich gegenseitiug nur als umherstreifende Poltergeister wahrnehmen.)

  2. Mai 27, 2013 9:36 am

    „Schicht im Kiez“ wäre auch ein toller Titel gewesen!

  3. Mai 28, 2013 3:52 pm

    Hm, das kommt mir sehr bekannt vor, das Problem. Obwohl meine zwei schon 28 und 20 sind und längst nicht mehr im Sandkasten spielen. Dabei rannten vor 27-28 Jahren garantiert keine Punks über die Spielplätze. Die waren nämlich verboten so.
    Und ich überlege gerade, wo ich mit 14-16 am liebsten mit den Freunden abhing. Richtig! Auf dem Spielplatz um die Ecke! Haben wir Kippen und Müll weg geräumt? *beschämtinmichgeh*
    Was ich sagen will: so viele Generationen… für manche zwischenmenschlichen Kommunikationsstörungen scheint es einfach keine Abhilfe zu geben.
    Ps.: Heute aber, da ich zu den Ruhe suchenden Touristen gehöre, habe ich immer meinen Reiseaschenbecher bei mir. Kippen landen nicht mal mehr auf der Straße, geschweige denn auf’m Spielplatz. Es scheint aber, dass nicht alle ehemaligen Kleinkindeltern lernfähig sind

    • Mai 28, 2013 3:55 pm

      Aber es ist doch klasse, dass zumindest einige lernfähig sind! Auf beiden Seiten….

      • Mai 28, 2013 3:56 pm

        Jaja, ich bin auch sehr stolz auf mich 😀

      • Mai 29, 2013 8:23 am

        kannst du auch! wenn ich mir da so einige hier anschauen (ebenfalls wieder: auf beiden Seiten!)… da wirds einem anders.

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