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Also ich weiß nich – Femen?

Mai 31, 2013

Seit der Femen-Aktion beim Barbiehouse in Berlin wurden kritische Stimmen laut. Und ich muss sagen: ich habe schon vor einiger Zeit eher etwas verschämt mit Bekannten drüber gesprochen, dass ich mit Femen Deutschland so meine Probleme haben (nicht mit Femen Ukraine, da kenn ich mich nicht aus, und auch nicht mit Femen Tunesien, da die Ausgangssituation dort wirklich anders ist). Verschämte Kritik also, weil, die sind doch feministisch, oder? Und ich bin doch auch für Gleichberechtigung und gegen Sexismus, oder? Stehen wir da nicht auf der gleichen Seite?

Eigentlich schon, und verschämt war ich nicht nur wegen des oben Genannten, sondern auch wegen meines ersten, frühen (sozusagen präBarbie) Kritikpunktes. Er bezog sich nämlich auf eine Äußerlichkeit: auf das Aussehen der Femen-Aktivistinnen. Nachdem ich immer wieder mit deutschen Femen-Fotos oder Kurzvideos in den normalen Nachrichtenportalen konfrontiert worden war, wurde mir nämlich eines klar: mich stört etwas. Und zwar die Perfektheit der Aktivistinnen, die dort gezeigt werden. Fast nie kommt es vor, dass da mal Aktivistinnen gezeigt werden, deren Brüste, Bäuche, Beine nicht absolut perfekt wären und auch auf ner H&M-Werbung oder in GNTM zu sehen sein könnten. Liegts an den Fotografen, die sich die jeweils „fotogenste“ Person herausgreifen und publizieren? Oder machen da nur Frauen mit, die einfach alle mit dem gängigen dünnen, kleinbrüstigen Schönheitsideal übereinstimmen? Woran liegts? Mich störte das irgendwann. Und dann irgendwann noch etwas mehr. Ich finde, wer gegen Sexismus protestiert und unterliegende mediale Strukturen in Bezug auf Sexismus aufdecken will – könnte der bitte einfach auch mal andere Körper zeigen als immer den perfekten? Ich dachte immer, die Diversität wäre unsere Sache und die würde eben medial wirklich übertüncht – und deshalb sollte eben die DIVERSITÄT zurück in die Öffentlichkeit. Aber nix da. Femen-Körper passen super ins mediale Bild. Bloß keine körperliche Verunsicherung verursachen! Dickere Frauen, unperfekte Brüste… alles nicht sichtbar. Googelt mal „Femen“ und dann „Bilder“ und macht euch euer eigenes Bild!

Das war also sozusagen mein persönlicher, weiblicher Kritik-Ausgangspunkt. Der mit jeder medial dokumentierten Protestaktion zunahm. Eine Auseinandersetzung mit Femen auf ihrer „inoffiziellen Website“ Femen.de zeigte leider auch: eine konkrete Ausgangssituation, Formulieren von konkreten Zielen oder Ideen finde ich hier nicht. Stattdessen unter anderem einen seltsamen Eintrag namens „Femen zieht am Feminismus vorbei“, der behauptet, dass Femen populärer sei als der im Abstieg begriffenen Feminismus der letzten Jahre. Wenn man das so liest, könnte man denken, Femen sähe sich als alleinige Speerspitze einer Frauenbewegung. Ich fühle mich dadurch, Entschuldigung, angegriffen, weil hier alle anderen Formen von Protest oder Kritik an der zurzeit vorherrschenden Lage diskreditiert werden. Die Aktion vor dem Barbiehouse in Berlin war da eigentlich nur noch die Bestätigung. Super viele Aktionen, tolle Ideen – bis die Femenaktivistin mit ihrer brennenden Barbie erstens jede Kommunikation erstickt und zweitens den medialen Impact ALLER anderen Aktionen einfach schrottet. Von dem Aspekt der Angst, die sich ganz sicher bei den besuchenden Familien gebildet hat, ganz zu schweigen. Manche Sachen sind einfach dämlich und nicht okay. Und sich als Speerspitze zu sehen bringt eigentlich immer Radikalismus mit sich, von dem ich prinzipiell kein Fan bin. Ich hab gerne pragmatische Lösungen.

Zusammenfassend muss man eigentlich sagen, dass dieser unten stehende Kommentar, den jemand auf femen.de gepostet hat, meine Kritikpunkte nochmal super zusammenfasst.

„Liebe Jenny,
Horst ist ein gutes Beispiel [Anm. Mama007: Horst hatte auf Femen gefordert, für maximale mediale Präsentation auch noch die Höschen auszuziehen]. Er zeigt, an was man (die breite Masse, geschlechterunabhängig, auch die gebildeten) bei Femen-Aktion denken muss. Das sollte Femen doch klar sein, sonst würden sie sich ja nicht absichtlich so präsentieren.
Denn was sind denn schon nackte, wohlgeformte Frauenkörper in Strapsen und Highheels? Porno! Männliche Sex-Fantasien. Und Sexismus!!! Nicht zuletzt, weil fast nur solche Femen-Körper die Öffentlichkeit präsentieren, welche dem aktuellen gesellschaftlichen Schönheitsideal entsprechen. [dazu muss ich einfach: DANKE!!!!!!!! DANKE!!!!!!!!!!!!!!! sagen!]
Andere Feministinnen kämpfen dafür, dass nicht überall Plakate mit dünnen Frauen im Bikini die Städte zieren, und Femen sieht es als Erfolg, wenn man nun “endlich” nackte Brüste im Nachmittagsfernsehen sieht.
Ja, eben, wieso nicht gleich Femen als Porndarstellerinnen im Kinderfernsehen?Mediengeilheit und Exhibitionismus unter dem feministischen Deckmantel. Provozieren um des Provozieren willens und Befriedigung des eigenen Narzissmuses. Dazu ein ganz grobes, undifferenziertes Schubladendenken.
Zum Kotzen!“

Vielleicht, ganz leise vielleicht, überlege ich, ob die Femen-Aktivistinnen vielleicht den medialen Diskurs durch den gleichen medialen Diskurs unterlaufen wollen. Aber irgendwie macht das für mich auch keinen Sinn….

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5 Kommentare leave one →
  1. Claudia permalink
    Mai 31, 2013 8:19 pm

    Kennst du jemanden, der Femen toll findet? Ich kenn halt nur Leute, die sie gar nicht kennen oder Leute, die, genau wie ich, nur noch den Kopf drüber schütteln.
    Ich hab grade unter nem SPON-Artikel bei facebook auch ne Menge „weiter so“-Kommentare gelesen und frage mich halt. Was sind das für Leute, die diese Art des Protestes sinnvoll finden.

    • Juni 1, 2013 5:42 pm

      Das frage ich mich auch. Andererseits kenne ich aber auch nicht wirklich viele Menschen, die ihre Femen-Kritik öffentlich machen.

  2. Juni 4, 2013 9:09 am

    die emma findet femen toll, was in soweit lustig ist, dass die ja immer als „der“ feminismus in dland gelten. da verschwestert sich also der feminismus mit denen die an ihm vorbei ziehen… warum auch immer. ich find femen doof und dachte lange es wäre eine sinnvolle strategie ihnen keine beachtung zu schenken aber langsam wird das schwierig. danke für deinen artikel!

  3. Sira permalink
    Juni 16, 2013 6:55 am

    Öhm – Emma fand auch unreflektiert Merkel gut, weil „potentielle KanzLERIN“! Um was es ihr ging, war da eher nebensächlich. Feminisumus/Femen: Hab da ein Anekdötchen. Es begab sich aber zu der Zeit, in der ich 16 oder 17 war (in den 90ern). Ich besuchte in jenen Tagen die Buchmesse in F. (L. war damals noch nicht so groß). Dort gab es auch einen Feminismusstand, befraut von einer ca. 60jährigen mit geflochtenen weißen Zöpfen, garniert mit „Unsere-kleine-Farm-Mädchenhaube“. Während ich die ausliegenden Magazine durchblätterte, fielen mir einige extrem weltfremde u. sexistische – mal andersrum, gegen Männer – „Artikel“ auf. Was ich gegenüber der Märchen-Omi auch kundtat. Zurück kam: „Hat Dir Dein Freund das aufgezwungen?“ Damals, als Teenager, konnte ich tatsächlich sogar noch die notwendige Entrüstung für eine saftige Entgegnung aufbringen. Heute denke ich eher – yo, psycho bitch. Mal gucken, was bei youtube dabei rumkommt…

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