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„Pädagogisch absolut indiskutabel“

August 7, 2013

Frau Lotterleben bloggte neulich über die Dinge, die passieren können wenn Kinder alles ALLEINE machen möchten. Und gekrönt wurde der Post von dem schönen Satz:

Das Mupfel hingegen hört sich ungerührt den pädagogisch absolut indiskutablen Ausbruch seiner Mutter an, 

an dessen Ende der Satz fällt: “Mann, das muß doch nicht sein!”.

Recht hat sie, die Frau Lotterleben. Und da sie mir erlaubt diesen Satz, der mir selber schon länger im Kopf herumgeht, mal zu paraphrasieren, gehts heute um „pädagogisch absolut indiskutable“ Mama-Ausbrüche. Denn es ist ja doch so: beim 30sten „Zieh dich bitte an„, beim 15sten „Bitte JETZT Zähne putzen„, beim 20sten „Wir müssen jetzt los“ an einem verkopfschmerzten Morgen oder einem gestressten Abend – da passierts. Vermutlich jedem, aber ich habe das Gefühl viele schweigen lieber drüber: man lässt einen pädagogisch absolut indiskutablen Ausbruch los. Der mit dem genervten: „Das muss doch nicht sein!“ enden kann. Oder der Sachen enthält wie: „Ich hab das jetzt schon 10 (ZEHN! ZEHN!) Mal gesagt!„. Oder: „Warum kannst du mir nicht mal zuhören?„. Oder: „Was ist daran so schwierig!„. Sätze also, die nicht so top sind. Das ist ja allen klar, aber ich behaupte jetzt mal frisch dass es fast niemanden geben dürfte, der sie nicht trotzdem sagt. Weil die Nerven reißen. Oder weil sie nur noch zahnseidendünn sind. Weil einem gerade 1000 Dinge im Kopf rumgehen, die zu erledigen sind oder zu durchdenken. Oder man das ständige Dauer-Präsent-Sein gerade nicht mehr kann. Vielleicht weil man noch ein Leben neben dem Kind hat und dieses Leben, das auf das Kind ja keine Rücksicht nimmt, gerade auf dem Vulkan tanzt. Denkt euch was aus, alles ist möglich.

Jahrelang habe ich mich danach immer sehr schlecht gefühlt und ein bisschen ist das auch jetzt noch so. Das Klischee der freundlichen, geduldigen Mutter spukt einfach IMMER in meinem Kopf rum. Und ist so unrealistisch wie dämlich. Denn gehört nicht auch so ein Ausbruch zum „Grenzen setzen“? Und bin ich nicht der Meinung, dass Grenzen wichtig sind? Und zwar auf allen Seiten: meiner, der des Kindes und aller anderen? Aber: ich habe mich doch auch für das Kind entschieden, muss ich es jetzt nicht einfach annehmen mit allem Drum und Dran?

Ich glaube, dass mein Unbehagen mit diesen Ausbrüchen eher mit meiner konstanten, fast unüberwindbar scheinenden Harmoniesucht zusammenhängt. (Wen es interessiert: hier gibt es einen Beitrag zum Thema Harmoniesucht, den man beinahe 1:1 auf mich umlegen kann. Na Prost…) Wenn man Harmonie über alles liebt, verunsichern einen die eigenen und fremden Ausbrüche nochmal doppelt und dreifach. Und deshalb heute mal meine Frage:

Wie geht ihr damit um? Nehmt ihr euch ne Auszeit? Geht ihr eine rauchen? Schließt ihr euch 3 Minuten im Klo ein? Was macht ihr damit???? Und wie fühlt ihr euch? Seid ihr auch harmonieverbunden? Oder ist das nicht so wichtig?

P.S. Hier übrigens noch ein sehr eindringlicher Post von sichmitwortenbevorraten zum Thema „Schlechter Tag“….

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11 Kommentare leave one →
  1. Claudia permalink
    August 7, 2013 8:22 am

    Diese Ausbrüche hat jeder irgendwann. Der eine Mensch nach dem dritten „Schuhe anziehen!“ der andere eben erst nach dem dreißigsten Mal. So what?
    Niemand ist IMMER geduldig und gut drauf. Nicht jeder schwebt permanent im Zenmodus durch die Welt.
    Ich bin ganz direkt und offen auch zu anderen Müttern. Ich sage auch schonmal sowas, wie „boah heute kotzt er mich total an“ wenn „er“ definitiv nicht in Hörweite ist. Bzw. schreibe ich meiner besten freundin eine Nachricht und bekomme dann von ihr Gott sei Dank nicht zu hören was für eine Rabenmutter ich bin, sondern 1. die Frage was los ist und zweitens ein *gg* oder *lol* und den Hinweis das es ihr ab und zu genauso geht.

    Wenn wir alle viel offener damit umgehen würden, das Kinder einen manchmal eben auch zur Weißglut treiben können und das Sätze wie „du musst dein Kind annehmen und unterstützen“ in genau diesem Moment eben nicht helfen, dann würde sich vielleicht auch irgendwann mal dieses übertriebene Supermutteridealbild, das in Deutschland herrscht verschwinden.

  2. Claudia permalink
    August 7, 2013 8:23 am

    Achja, ich bin übrigens der Meinung das Kinder das auch mal brauchen. Schließlich ist die welt da draußen auch nicht ausschließlich von verstrahlten Zenmönchen bevölkert, die immer und überall auf alles gelassen und lächelnd reagieren.
    ich bin ein Mensch und ich habe auch als Mutter das Recht auf schlechte Laune! 😉

  3. August 7, 2013 8:37 am

    Hey, meine Liebe, da hast du ja ein immer wieder kehrendes Thema sehr schön aufgegriffen – das kennt wirklich JEDE Mutter. Ich hab das auch mal verbloggt. Kannst ja mal schauen, wenn du magst:

    http://berlinmittemom.com/2013/04/09/weniger-regeln-mehr-kuscheln-meine-10-gegenmittel-bei-drohendem-mama-meltdown/

    Liebe Grüße auch an den kleinen Herrn Schulanfänger (vor allem von meinem Schulanfängerkerlchen) und hoffentlich bis bald! Anna & Co

  4. August 7, 2013 9:22 am

    Ich werde auch mal laut oder ordinär. Aber genau wie auch im Streit mit meinem Partner versuche ich mich auch im Streit mit dem Kind wenigstens so weit zu kontrollieren, dass ich keine verletzenden Dinge oder Dinge sage, die ich später bereue aber nie mehr zurück nehmen kann. Sprich: Ich versuche über mich zu reden („ich mag nicht mehr“, „mich kackt es an“) und nicht über mein Gegenüber („du sollst endlich…“, „verstehst du immer noch nicht…“).

  5. August 7, 2013 9:34 am

    ständig, also diese sätze ich bin sooo ungeduldig. versuche sie mit „ich ärgere mich gerade weil ich schlecht warten kann“ zu ersetzten fällt mir auch jedes vierte mal ein… ich bin doch keine pädagogin sondern mutter, da hab ich dann eben auch keinen professionellen abstand.

  6. August 7, 2013 9:47 am

    Wenn ich das richtig sehe, legt sich das alles erst, wenn man Oma und Opa ist. Also: Einfach abwarten.

  7. August 7, 2013 11:19 am

    Ich persönlich glaube ja, dass es mit der ständigen Harmonie nicht funktionieren kann, weil eben das Kind an sich absolut gar nicht dauerhaft harmoniesüchtig ist. Es gibt Tage, da lässt meine Tochter echt nichts aber auch gar nichts unversucht, mich möglichst hoch und noch höher auf die Palme zu bringen. Warum muss man denn überhaupt erst x Mal sagen, sie sollen sich bitte anziehen, etc? Doch nur, weil sie mal testen wollen beim wievielten Mal uns dann der Geduldsfaden reisst und was dann passiert. Meine hat z.B. noch immer nicht die Hoffnung aufgegeben, ich würde ihr schon die Socken anziehen, wenn sie meine Bitten sie soll es machen nur lange genug ignoriert…

  8. August 7, 2013 1:00 pm

    ohje, gefühlt genau MEIN thema.
    ich bin leider ein recht lauter wut-mensch, heisst, ich schmeiße gegenstände, schlage türen und brülle. da geht es bei mir gar nicht um sätze.
    wenn es solche ganz ganz schlechten tage gibt, an denen ich merke, dass ich so gar nicht fähig bin, die mutter zu sein, die ich gerne sein möchte, versuche ich alles runter zu drosseln.
    lieber glotzt das kind videos und isst nebenbei „müll“, als dass ich ständig ausflippe. bespaßung auf sparflamme sozusagen, sämtliche externen aktivitäten werden gecancelt.

    wenns dann doch mal passiert, geh ich raus und warte, bis das schlimmste vorbei ist, sich mein herzrasen wieder beruhigt hat und ich meinen körper wieder unter kontrolle habe.
    dann versuche ich mein anliegen nochmal ruhig vorzutragen und entschuldige mich für die art und weise, in der ich es davor getan habe.
    das tue ich immer, erkläre dabei auch, was mich explizit so gestresst hat oder dass zum beispiel das wetter mich heute einfach zu fertig macht und ich deshalb schlecht drauf bin.

    sehr unschön sind manchmal die nächte, wenn ich todmüde das zehnte mal geweckt werde, reagiere ich leider null mit dem verstand.
    das muss wirklich schlimm für den kerl sein.
    am nächsten morgen weiß ich dann manchmal gar nicht mehr, obs ein schlechter traum oder realität war, dass ich irgendwann heulend am fußende der matratze in embryonalstellung um ruhe und schlaf gebettelt habe.
    achje…mein armes kind.

    das einzig positive an der sache: ich kann mit kindlichen wutausbrüchen sehr gelassen umgehen. soll er hauen, schmeißen, wüten – ich weiß, wie sich das anfühlt und nehme ihn danach besonders fest in den arm, wenn er fertig ist.

    • August 7, 2013 1:47 pm

      Wahnsinn. DU so ein Wutmensch? Wir alle sind viel mehr als man beim Hinsehen ahnt… ich versteh wie sich das anfühlt. Ich lass es nur nicht raus sondern schlucks runter. Eigentlich ganz schlecht und irgendwann sehr sehr sehr kontraproduktiv.
      Wahrscheinlich ist rauslassen besser.

  9. August 8, 2013 12:40 pm

    … so einen ausbruch als teil vom grenzensetzen zu sehen, finde ich eine gute (und hilfreiche) sichtweise!

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