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„Dir geht´s doch noch Gold!“

Februar 7, 2014

In den letzten Tagen gab es da diese Diskussion auf Facebook: es ging um den Artikel eines Vaters in der ZEIT, der das Gefühl hat, Kinder & Arbeit nicht unter einen Hut bringen zu können. Ein Artikel, in dem es darum ging wie schwierig es ist, die Balance zwischen Familie, Beziehung, Arbeit zu finden (in wechselnder Konstellation). Und wie sehr es an einem zerren kann, diese Balance überhaupt zu finden meinen zu müssen. Also, es ging im großen und Ganzen um diese große verzwickte Angelegenheit „Kind & Beruf“.

Was mich hier aber heute umtreibt ist folgendes: die Kommentare unter den postings dieses Artikels fallen immer wieder in die gleiche Kategorie: „Dir geht’s doch Gold!„. Immer wenn sich jemand „erdreistet“ zu sagen dass er das Thema schwierig findet, dann kommt Folgendes: diese Person wird deutlichst darauf hingewiesen, dass sie kein Recht hätte zu jammern. Männer (Väter also) haben prinzipiell bei den meisten Kommentatoren kein Recht dazu, denn „es ist ja doch immer die Mutter die sich 24/7 kümmern muss!“ – so der Tenor. Aber auch Frauen dürfen nicht jammern, denn entweder gehören sie ja „zur gut verdienenden Mittelschicht“, „haben sich das selber so ausgesucht“ oder sind nicht „alleinerziehend„. Alles Argumente, die in vielen vielen Variationen IMMER wieder gebracht werden und den-/diejenigen, der sich gerade mal ausheulen möchte, total herunterputzen. Denn: Stell dich nicht so an! Dir geht’s doch noch Gold! Guck mich an! Ich bin ne Frau! Alleinerziehend! Arbeitslos! Hab zwei Jobs! …. blablabla. Irgendwas davon geht ja immer und der andere hat definitiv kein Recht zu jammern, weil es dem ja soviel besser geht.

Ganz ehrlich: ich kann diese Diskussionen nicht mal mehr schriftlich mitverfolgen, weils mir übel wird. Wieso können wir dem anderen nicht mal eine Verschnaufpause zugestehen? Das Jammern und Heulen in manchen Situationen? Jeder muss das mal rauslassen und wenn es kein Dauerzustand ist, hat jeder (m.M.n.) das Recht dazu. Aufs wie hohe Ross setzt man sich um anderen selbst die Möglichkeit des Einmal-Jammerns nehmen zu wollen weil man sich selbst so unterprivilegiert sieht? Wieso müssen diese Menschen sich selbst immer als das Nonplusultra ansehen, wenns um das Thema „Mir geht’s aber am Schwersten“ geht?

Ich möchte einerseits in diesen Diskussionen nicht mehr mitmachen und andererseits auch das Recht behalten, mal jammern zu dürfen. Nicht immer nur draufzubekommen wenn man mal was sagt. Und ich finde diesen Anspruch vieler Kommentatoren in den Zeitungen und auf Facebook fast genauso schlimm wie die politischen Aussagen zum Thema Familie & Beruf. Jeder glaubt, er hat es am schwersten. Und der Andere darf deshalb ja nicht jammern denn: „Dir geht’s doch noch Gold!“. Ich kanns nicht mehr hören. Und deshalb mochte ich auch diesen Leserartikel der Zeit sehr. Hier nimmt sich eine Mutter das Recht zu jammern und einen Zwiespalt haben zu dürfen und TROTZDEM das zu machen was sie für richtig glaubt.

 

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2 Kommentare leave one →
  1. Pfiffika permalink
    Februar 7, 2014 8:21 am

    Ja, ja, ja!!!!!

    Und das ist auch jeden Tag mein guter Vorsatz, nicht einen Wettstreit anzuzetteln, sondern ausjammern zu lassen.
    Und Stellung zu der Jammerei nehme ich auch nicht mehr, es sei denn, ich werde ausdrücklich dazu aufgefordert.

  2. Februar 10, 2014 10:07 am

    Ich kenne den ZEIT-Artikel zwar nicht, denke aber ganz ähnlich wie du:
    Wieso sollten Väter nicht auch das Gefühl der Zerrisenheit kennen? -Man(n) hängt zumeist Vollzeit in irgendeinem Job fest und verbringt oft nur an den Wochenenden Zeit mit seiner Familie. Das ist alles andere als optimal und nährt das Gefühl, niemanden wirklich gerecht zu werden.

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