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Fußball bis einer heult.

Juli 3, 2014

Gerade ist ja WM – falls das noch irgendjemandem entgangen sein sollte. Und zum allerersten Mal schaue ich mit dem Jungen Mann WIRKLICH Fussball. Also Spiele, in denen seine Kommentare über ein „Alle Ball habe wolle!“ (mit 2,5 Jahren) hinausgehen. Schon beim allerersten Spiel merke ich, dass mein Sohn ein umfangreiches Fußballwissen in der Schule angehäuft hat, von Abwehrkette über „Passen! Ihr müsst passen!„, die Regeln für Eckstöße und Einwürfe undsoweiter. Was er jedoch in der ersten Halbzeit von mir lernt, ist: dass es ZWEI Halbzeiten gibt, und das jede 45 Minuten dauert. Ich bringe ihm den wunderbaren Satz „Das Spiel hat 90 Minuten!“ bei. Er revanchiert sich mit Klatschwissen, wie etwa dem Fakt dass seine Klassenlehrerin tatsächlich alle Spiele schaut – auch die um Mitternacht! Die Frau muss eine irrsinig gute Espressomaschine besitzen.

Und die Emotionen steigen hoch, hoch und noch höher… gleich beim ersten Spiel bricht er in Tränen aus, weil der Schiedsrichter eine gelbe Karte etwas unberechtigt vergibt. „Gemein!“ schluchzt er. „Das ist so gemein!„. Dabei spielt noch nicht mal Deutschland! Wir trösten einander lange und ausgiebig. So eine Gemeinheit darf nicht ungesühnt bleiben!

Mittlerweile, und 6 Spiele später (wir gucken immer nur die um 18 Uhr und da auch da nicht alle), weiß er dass Torwarte manchmal mitspielen (Italien-Uruguay), dass man bei der roten Karte WIRKLICH vom PLatz muss und keiner dafür reinkommen darf und dass man nicht beissen darf („Ein Spieler von DEINER Mannschaft hat einen von MEINER Mannschaft gebissen!“), dass es Verlängerung und „das berühmte Elfmeterschießen“ gibt (Brasilien-Chile) und dass es chilenische Bergleute gab, die zwei Monate lang verschüttet waren (ebenda).

Er verblüfft mich mit Auassagen über Taktik: „Guck mal Mama, die spielen hinten mit der 5er-Abwehrkette!“ und zeigt mir wenn die Abwehr wieder aufrückt. Ich erfahre, dass Freistöße „in der Schule“ so gespielt werden, dass der Torwart rausmuss. Und ich weiß nun, dass er auch schon mal Torwart war und wer bei ihnen der beste Torwart ist, und wer der beste Stürmer. Und was die Kinder vor dem Spiel machen, wissen wir nun auch.

Und, am allerwichtigsten: wir haben zusammen gelernt dass man die andere Mannschaft und die anderen Fans respektieren muss. Denn hin und wieder sind wir für unterschiedliche Mannschaften und dann gilt: keine miesen Bemerkungen und wenn einer verliert, tröstet ihn der andere. Ich finde, das ist die wichtigste Lektion von allen. Respekt.

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