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Ach ja, das Essen. Was darfs denn sein?

Oktober 18, 2014

Das Essen ist beim Jungen Mann ja so ein Ding. Ehrlich gesagt, ist es ein Ding, dass mich seit mehreren Jahren verfolgt. Wir haben einiges probiert – vom „In-Ruhe-Lassen“ bis hin zum Arbeiten mit Belohnungen („Wenn du noch ein bisschen isst, darfst du danach den Hund streicheln/Nachtisch essen/etc.“) und Drohszenarien („Wenn du nicht genug isst, kannst du auch nicht wachsen!„). Wir haben getrennt gegessen und gemeinsam. Ich koche sowieso jeden Abend, aber der Junge Mann möchte eigentlich nur Spaghetti mit Tomatensauce und Fischstäbchen. Und bloss kein Gemüse – außer Brokkoli & Blumenkohl. Ach ja, durcheinander gekocht (Pfannengericht etc.) gehen auch gar nicht. Das passt nicht so zu meinem doch recht kreativen und gerne auch experimentierfreudigen Kochstil, siehe auch mein Zweitblog „Fixaufdentisch.de“, aber das Letzte was der Junge Mann auf seinem Teller sehen möchte, ist eine experimentelle Überraschung. Dann kommt sie nämlich, die tödliche Frage: „Was IST das?????„.

Im letzten Jahr haben wir uns mehr oder weniger auf folgende Regeln geeinigt:

1) Man probiert alles was auf dem Teller liegt.

2) Man äußert sich nicht negativ über das Essen.

Das wars eigentlich schon, aber das ständige Im-Essen-Rumpicken und Märtyrergesicht an meinem/unserem Tisch, das macht auch keinen Spaß. Diesen Sommer waren wir ja auch für einen Monat im außereuropäischen Ausland und wir hatten vorher besprochen, dass das Essen da anders ist und dass man da probieren sollte, und dass es meistens keine alternativen Essen gibt und überhaupt. Der Junge Mann hielt sich durchaus an die Absprache dann auch etwas davon zu essen, aber er aß immer genau 2 Löffel. ZWEI LÖFFEL! Über vier Wochen! Manchmal auch ein Grillwürstchen oder ein paar Pommes. Das wars dann aber auch. Konsequenz kann er ja. Zurück zuhause, habe ich ihn erstmal wieder mit Kartoffelbrei und Bouletten aufgepäppelt.

Und weil ich dann irgendwann vor einigen Wochen total genervt war, habe ich mir überlegt, dass wir jetzt mal wieder einen Wochenplan aufstellen. Wir essen abends und am Wochenende gemeinsam, und jeder darf 2 x etwas aussuchen und den Rest der Woche gibts eben deutsches Abendbrot. Es gibt eine Regel: wir sagen NICHTS über das Essverhalten des Anderen. Kein Drängeln, kein Kommentieren, kein „Nimm doch noch einen Löffel, bitte, du hast doch noch gar nicht….“ etc.. Wir halten einfach mal den Mund und/oder reden über Anderes.

Wir sind jetzt seit ein paar Wochen dabei und: es funktioniert! Natürlich standen auch Spaghetti mit Tomatensauce und Fischstäbchen auf dem Programm und Eierkuchen und Schnitzel. Dafür darf ich aber auch Reis mit Trockenfleisch und Spiegelei kochen, oder einen Salat. Dann isst der Junge Mann eben an diesem Abend nur ganz wenig. Aber er isst. Und hält sich an den übrigen Abenden an Schnitzeln und Tomatensauce schadlos.

Das Schönste ist eigentlich aber dieses: seitdem wir das machen, fühlt sicher keiner von uns mehr gezwungen, etwas zu essen. Keiner kommentiert. Der Junge Mann weist mich sogar selber daruf hin, dass man das nicht soll: weder positiv noch negativ! Man weiß, an welchem Tag man etwas ausgesucht hat und der Junge Mann schreibt begeistert seine Ideen auf den Wochenplan, neben meine Vorschläge. Und ich habe meinen Kochblog um die Kategorie „Kinderküche“ erweitert.

Ich hoffe, es glückt auf Dauer. Ich esse viel zu gerne als dass Essen zu einem Stressfaktor werden sollte.

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