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Die Sache mit der Organisation

November 26, 2014

Dieses Jahr war (bin) ich allein erziehend. Aus Gründen & keineswegs negativen.
Nach jetzt 8 Monaten alleinerziehend kann ich persönlich auch sagen: Organisation ist alles. Nach den ersten 6 Wochen hatten wir uns eingependelt, Strukturen entwickelt, Helfer mobilisiert. Es läuft also, und bis auf kleinere Notzeiten sogar ganz gut. Ich nutz(t)e jede freie Minute für irgendetwas, das getan werden muss und plan(t)e morgens in der Tram, wofür ich die 30 Minuten Mittagspause nutzen möchte. Bibliotheken? Einkaufen? Überweisungen? Läuft. Tatsächlich, es funktioniert.
Allerdings, nach 8 Monaten stelle ich fest, dass ich zwar dieses Jahr Einiges geschafft habe, und auch noch mehr schaffen könnte. Aber: gleichzeitig merke ich dass es Grenzen gibt. Grenzen, die ich nicht überschreiten will & denen ich mich mittlerweile willentlich verweigere. Ich entdecke, völlig unerwartet, die Fähigkeit zu mir selber & meinen Ansprüchen nein zu sagen, und zwar zu mir selbst.
– Nein, ich brauche nicht NOCH ein neues Projekt, auch wenn es toll wäre.
– Nein, ich brauche kein neues Buch, wenn ich mal überraschend 1 Stunde frei habe Und nix zu lesen bei.
– Nein, ich brauche die Küche abends nicht mehr bis in den letzten Winkel aufzuräumen und – – Nein, ich muss auch nicht um 21.30 Wäsche falten.
Etwas, das jahrelang lief, läuft aus: meine Fähigkeit immer alles fertig zu haben, bevor ich mich ausruhen kann und darf. Dass es soweit gekommen ist,

verdanke ich mir selbst. Denn mit dem Vollzeitjob, Kind, Herzensarbeit & noch 3 anderen Projekten kam der Punkt an dem nix mehr ging. Und da war sie da, nach einigen sehr sehr dunklen Tagen: die für mich unglaublich befreiende Erkenntnis! Ich kann auch einfach mal dasitzen und Kaffee schlürfen. Und denken oder auch nicht. Ich muss keine Bücher von der Bibliothek abholen, wenn zuhause noch drei liegen, halb gelesen. Und wenn sie sowieso gerade dem auf dem gleichen Stapel landen würden. Ich hab sie bestellt; und jetzt hol ich sie nicht ab. Rasendes Gefühl der Selbstbefreiung! Denen hab ichs gezeigt! Stattdessen: mit nem Kaffee einfach mal rumhocken.
Zeit für mich haben und sie, ja, tatsächlich: verplempern. Der größte Luxus: den Kopf leeren & einfach mal nur schweifen. Ich hab’s geschafft. Manchmal.

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2 Kommentare leave one →
  1. November 27, 2014 7:10 am

    Schon als ich anfing zu lesen, dachte ich, erfahrene Alleinerziehende zweier Absenker, Du liebe Güte, warum nutzt sie die Mittagspause nicht als Pause? Aber Du bist ja selbst dahinter gekommen 😉
    Ich habe vor vielen Jahren mal ein Prokekt in einem soziokulturellen Zentrum geleitet und da habe ich versucht, jungen Müttern, also Müttern von Babies und Kleinkindern, genau das beizubringen: Zu schlafen wenn das Kind mal schläft statt zu putzen. Perfektionismus ist was für Leute ohne Kinder.

    • November 27, 2014 7:32 am

      Ja, es dauert nur etwas länger, alleine dahinterzusteigen! Aber: geschafft. Zumindest meistens, die Perfektionsmomente sind wenige!

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