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Noten im Stuhlkreis, 1. Teil.

September 21, 2015

Es ist die Dritte Klasse. Und das bedeutet: wir, die Eltern, müssen entscheiden ob es Noten gibt. Zwar macht das jede Schule in Berlin anders, aber an unserer Schule ist es so, dass es Noten, falls überhaupt erst ab der dritten Klasse gibt und das müssen die Eltern entscheiden. In einer geheimen Abstimmung, beim ersten Elternabend in der Dritten Klasse.

Ein Elternabend, bei dem man sowieso erstmal die Hälfte der Eltern neu kennenlernen muss, weil ja (wie bereits beschrieben), zwei halbe zweite Klassen aus den SAPH-Klassen zu einer neuen, ganzen dritten Klasse zusammengeführt werden. Das bedeutet also praktisch: ich kenne die Hälfte aller Eltern nicht, habe aber schon eine Idee, ob ich & Papa007 UND der Junge Mann Noten wollen oder eben noch verbale Beurteilungen. Immerhin wissen wir ja seit Längerem, dass es ab der dritten Klasse Noten geben könnte. Schön ist ja, dass zumindest der Junge Mann die Kinder der anderen Klasse bereits vom Pausenhof kennt. Immerhin!
Und mit den Noten ist es so: wenn wir uns mehrheitlich GEGEN Noten entscheiden, erhalten die Kinder noch für ein Jahr verbale Beurteilungen, genauso wie in den ersten beiden Schuljahren. Falls wir uns FÜR Noten entscheiden, gibt es ab morgen Noten. Ganz altmodische Noten.

Wir als Familie finden, Noten gehen jetzt schon. Ich gehe also mit einem Familienvotum zur Elternversammlung, bereit, dieses auch abzugeben. So einfach ist es aber – wie immer – nicht.

Zunächst einmal ist es einer Mama gaaaanz wichtig, dass wir nicht an den normalen Schultischen unserer Kinder sitzen, sondern auf Stühlen im Kreis. Damit wir uns alle ins Gesicht sehen können. Umpf. Ich sage jetzt lieber mal nichts.

Dann ist es, bei Tagesordnungspunkt 3, soweit dass wir über Noten abstimmen können. Dachte ich! Denn ich würde gerne abends um 19 Uhr nicht noch ne Diskussion auf Basisniveau anfangen. Ich würde nach einem langen Tag zum Beispiel lieber nach Hause zu meinem Sohn fahren. Aber egal, denn andere Eltern sehen das anders. Statt abzustimmen, möchten sie nochmal kundtun, warum sie gegen Noten sind – denn es sind interessanterweise die Eltern, die keine Noten möchten, die uns „andere“ gerne nochmal grundlegend informieren möchten warum Noten böse sind. Warum sich die Kinder dadurch unter Druck gesetzt fühlen. Warum diverse pädagogische Konzepte gegen Noten sprechen.

Ich möchte aber gerne nur mein/unser Votum abgeben. Weil ich nämlich ganz zufällig mir bereits eine Meinung gebildet habe. Und es mir ausreicht, was die Lehrerin zusätzlich als Information vorgegeben hat. Die Noten-Ablehner sehen das anders. Ganz sicher sind alle Eltern, die für Noten sind, nur unzureichend informiert. Vielleicht kann man sie ja noch umstimmen! Missionieren, sozusagen. Überraschenderweise trifft das auf wenig Gegenliebe, und nach 10 Minuten sagt es ein anderes Elternteil, das, was auch mir bereits auf der Zunge liegt: „Wir haben uns auch eine Meinung gebildet und würden jetzt einfach gerne abstimmen anstatt noch mal Pro und Contra zu debattieren!“. Danke, liebes anderes Elternteil.

Nach der streng geheimen Abstimmung wird gezählt und – falls es jemanden interessiert – die Noten haben gewonnen. (Pro-Tipp: man kann auch per Fax vorher sein Votum einreichen!). Ich finds gut, und wenn man die Kinder fragt wünschen die sich alle Noten. Wie es schon unsere alte Klassenlehrerin formulierte: „Fragen Sie doch einfach mal Ihre Kinder, was die sich wünschen!“. Nachdem ich aus anderen Elternversammlungen über tumultartige Szenen vor und nach dem Votum gehört hatte, muss ich sagen dass es bei uns relativ gesittet zuging. Mal abgesehen von dem Elternteil das in den Raum brüllte, man habe doch ganz sicher auch die nicht abgegebenen Stiummen zugunster der Notenbefürworter gerechnet! Und es damit als Noten-Ablehner übrstimmt!

Nee, so wars nicht, liebes ausfälliges Elternteil das gegen Noten ist. Denn tatsächlich ergibt bereits das Im-Kopf-Zusammenrechnen der JA- und NEIN-Stimmen, dass alle Eltern abgestimmt haben. Aber gut, ein paar Aussetzer gibts eben immer, auch in Mathe 3. Klasse. Was sonst noch geschah und und warum ich danach erstmal ein bier brauchte – im zweiten Teil!

 

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4 Kommentare leave one →
  1. September 21, 2015 1:31 pm

    Püüh. Ich lerne ja auch gerade auf die harte Tour, daß Schule ein ganz anderes Faß ist als der Kindergarten. Aber das?! Halleluja. Immerhin das Thema gibt’s in Bayern nicht, glaube ich. Aber wenn es trotzdem mit jeder Klasse härter wird… weia. Kopf hoch!

  2. gohi permalink
    September 21, 2015 6:26 pm

    Im Text geht leider nicht hervor, was die Gründe für Noten waren? Also, außer, dass das Kind sie will. Da könnte man ja argumentieren: die Noten kommen schon noch früh genug.

    Es wäre spannend zu erfahren, warum die Entschedung für die Noten bei euch war.

    • September 22, 2015 6:53 am

      Die Entscheidung für die Noten lag daran, dass wohl die meisten 1.) das Gefühl hatten, dass die Kinder bereit für Noten sind und diese auch wollen, weil sie das spannend finden und 2.) das weitere Rauszögern der Notengebung nicht als sinnvoll empfunden wurde. Noten werden ab Klasse 4 sowieso verpflichtend eingeführt, deshalb macht es für die meisten Sinn das Klasse 3 schon mal „auszuprobieren“ und die Kinder langsam dran zu gewöhnen, dass nun Notengebung stattfindet.

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