Skip to content

Ingrid, du bist´s! (Schwimmen, Teil 2)

Oktober 6, 2016

Wie bereits erwähnt: ich ergatterte einen Schwimmkurs für Fortgeschrittene und es gelang mir sogar, ihn zu bezahlen. Und da das alles etwas kurzfristig war, stand der erste Kurstermin auch schon sehr bald an und der Junge Mann und ich standen auf der Matte des Schwimmbades. Es ist erfreulicherweise das gleiche Schwimmbad wie beim Kita-Kurs. Und beim Schulkurs letztes Jahr. Das bedeutet: er kennt sich mit den Örtlichkeiten perfekt aus und da er nun fast 9 Jahre alt ist, erkläre ich nochmal kurz: „Junger Mann, du bist ja schon fast 9. Deshalb kannst du leider nicht mehr mit zu „Damen“. Und ICH wiederum kann nicht zu „Herren“! Du musst das also alleine schaffen mit dem Umziehen und so.“. Der Junge Mann, ganz großer Junge: „Ach so. Klar, Mama. Das ist GAR kein Problem, ich kenn mich doch da aus!„. Er ist einfach schon so groß. Und wenn Papa007 nicht da ist, so wie jetzt, regelt er Männersachen dann eben alleine. Gar kein Ding.

Nachdem ich den Jungen Mann also in die Männerumkleide entlassen habe, stelle ich fest, dass INGRID (Sie erinnern sich, Mystery-Ingrid) die Schwimmtrainerin sein wird. Und, noch viel besser: es ist die gleiche, die damals den Kurs für Kita-Kleiner Mann gegeben hat. Ingrid (das ist nicht ihr richtiger Name, aber sie trägt einen ähnlich typischen 60er-Jahre – DDR-Vornamen) ist, milde ausgedrückt, eine sehr kernige lokale Frau mit flottem Kurzhaarschnitt. Sprechen tut sie nur kurz angebunden, so wie „Duschen gehn!“ und „aha, der Neue!“ und der Junge Mann teilt mir hinterher mit, sie sei streng. Aber eben auch irgendwie kernig – für den Jungen Mann eine gute Kombination, mit solchen Menschen kommt er meist gut klar.

Da es der erste Kurstermin ist, postiere ich mich dezent an die Glasscheibe zur Schwimmhalle. Eigentlich mag ich dieses ständige Zugucken von Eltern nicht, aber heute…. ich will schon mal sehen was sie so anstellen. Und von hier aus kann man alles ganz gut sehen ohne allzusehr zu stören. Denn, wie es schon eine Töpferin bei einem vergangenen Kindergeburtstag sagte: „Am besten, Sie lassen mich mit den Kindern alleine. Das ist für alle besser und entspannter„. Recht hat sie.

Allerdings stehen mit mir auch noch diverse andere Angehörigen an der Glasscheibe. Die sehen das mit dem „nicht stören“ etwas anders….. Darunter:

  1. Oma, die den Kindern noch die vergessenen Handtücher hintergebracht hat. Und nu erstmal drei andere Eltern bittet, diese ihren Enkeln zu bringen, weil sie ja nicht ans Becken könne. Dass die anderen Eltern ihre Enkel nicht kennen – egal. Sie heißen Otto und Myrdin. Die könne man doch finden. Die anderen Eltern sind etwas verblüfft, überrumpelt und tragen tatsächlich zwei Handtücher in die Halle. Währenddessen turnt Oma draußen neben mir vor der Scheibe und zeigt Otto & Myrdin pantomimisch, dass ihre Handtücher da sind. Scheitert. Otto schaut sie an und zeigt, dass er sie nicht versteht – und die Scheibe ist schalldicht. Oma legt noch eine Schippe drauf und geht pantomimisch (und leider, vergeblich, auch schreierisch) in die Vollen. Immer noch nichts. Endlich klappts, Otto raffts und dann kann Oma sich eine Pause gönnen.
  2. Oma und Mutti eines Kindes, das im Fortgeschrittenenkurs mit dem Jungen Mann schwimmt. Und wie ich dieses Kind da so sehe, brichts mir fast das Herz. Ich war selber jemand, der gerne schwamm aber Tauchen & „unter dem Wasser“-Sein hasste. Das hat Gründe, die hier nicht hergehören, war aber so. Und wie ich das Kind da so am Sprungblock stehen sah und es hatte Angst zu springen… furchtbar. Da hilft auch Typ „kernige Ingrid“ überhaupt nicht weiter – sondern machts eher schlimmer. NOCH schlimmer war aber das, was hier von Mutter & Oma geäußert wurde: „Nu guck dir das wieder an. Die zittert doch schon vorm Springen. Wie jedes Mal. Dämlich ist das. So eine Zicke. Die soll einfach mal springen statt zu diskutieren – jedes Mal geht das so! …. wieder nich. Schau dir das an! Reiner Zickenterror! Dabei hab ich das alles mit ihr besprochen!*“ – undsoweiter undsoweiter. Minutenlang….. Zwischendurch klopfte Mutti an die Scheibe um dem Kind „Aufmunterung“ zu spenden.Und nochmal – und nochmal. Das Kind zitterte ängstlich weiter.

Wenn ich daran denke wie grauenvoll ich das Springen fand, egal ob beim Üben mit den Eltern oder beim Schulschwimmen… da hilft kein Reden und kein Meckern. Und bei der ganzen Diskussion zwischen Oma, Mutter und Vater wird mir ganz langsam ganz übel. Ich stelle mich zur Seite. Und merke, wie ich jedesmal ganz glücklich bin, wenn ich sehe wieviel Freude dem Jungen Mann das Schwimmen und Springen macht. Ich wünschte nur, ich könnte das Mecker-Mutti erklären. Das es einfach herrlich ist, wenn Kinder etwas gerne tun. Und dass man, wenn sie etwas nicht gerne tun, es vielleicht mit Erklären & klaren Worten weiter bringt als mit diesem Runtermachen.

*Mir ist klar, dass ich die Vorgeschichte des Kindes nicht kenne. Trotzdem finde ich es bedenklich wenn Eltern solche Wörter und Tonlagen im Dauerfluss benutzen wenn sie über ihre Kinder reden. Soviel also dazu.

 

 

 

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: