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Weltfrauentag 2016

März 9, 2016

Mutter & Mensch hat mich eingeladen. Zur Blogparade! „Ein Tag im Jahr“ war der Titel eines Buches von meiner Lieblingsautorin Christa Wolf. Ich war vor einigen Wochen endlich an ihrem Grab auf dem berliner Dorotheenfriedhof. Aber das ist ein anderes Thema.

„Ein Tag im Jahr – Frauen“ zeigt den Weltfrauentag, den 8.3.16, aus Sicht verschiedener Frauen- in diesem Fall meist Mütter. Wie war mein Tag?

Wie immer klingelt um 6 der Wecker. Der Junge Mann steht nicht gerne so früh auf, aber er muss gegen 7:40 in der Schule sein – ansonsten komme ich auch nicht um 8 rechtzeitig ins Büro. Aber jetzt, mit den zunehmend längeren Tagen, fällt ihm das leichter. Also stehen wir auf, frühstücken. Zeit zum Spielen ist auch immer – und seien es nur 7 Minuten. Um 7:15 gehen wir los. Der Junge Mann möchte nicht mehr, dass ich ihn bis weit zur Schule bringe, so auch heute. „Ich geh von der ersten Ampel!“ schreit er und rollert los, die Mappe auf dem Rücken. Ich steige in die nächste Bahn und mache mich auf den Weg zur Arbeit.Am UBahnhof verteilen zwei Mädels rote Rosen für eine Politerkin. Sowas ärgert mich seit Jahren, denn es ist einfach eine hohle Geste. Ein Kollege, den ich nur flüchtig kenne, wird im Laufe des Tages wie jedes Jahr Blumen an alle Frauen im Gebäude verteilen. Er meint, immerhin wäre es doch wunderbar dass jemand an diese Geste dächte. „Die Kunst des Positiven Denkens“ denke ich, und freue mich.

Wie immer versuche ich mir die interessantesten Artikel aus Twitter & Newslettern soweit zu verlinken, dass ich sie in der UBahn dann lesen kann. Flüchtlinge, AfD, es ist seit Monaten das Gleiche. Es stumpft ab und regt mich trotzdem auf.

Im Büro Arbeit über Arbeit. Keine Ahnung warum, aber ich arbeite viel mehr und intensiver als früher, obwohl ich nicht mehr Aufgaben übernommen habe. Auf jeden Fall bin ich um 16 Uhr platt. Ab in die UBahn und zurück nach Hause. Mann & Kind sind schon da als ich gegen 17 Uhr einfalle. Schön die beiden zu sehen, es ist auf jeden Fall ein Ruhepol. Der Ruhepol hat aber noch nicht Feierabend. Der Junge Mann macht noch Schulaufgaben, dann ist endlich Zeit fürs Spielen, Lesen, Fernsehgucken. Er sucht uns eine CD raus, die wir ewig nicht gehört haben: „Versonnen blickt der Borstenigel“, gelesen von Harry Rowohlt. Wir lachen uns halb scheckig, jetzt, nach 3 Jahren, versteht er auch die Feinheiten der Lesung. Ich mache ihm Essen und freue mich selber auf ein großes Paket Hamburger für uns Eltern.

Ich genieße den Gang zum TakeAway und telefoniere endlich mit einer Freundin auf dem Weg. Sie ist um 19:40 noch im Büro und arbeitet. Zumindest habe ich Feierabend, der Abend ist lau und ich bin glücklich sie endlich erreicht zu haben. Telefonate sind nicht so meins und Kontakt zu Freunden fällt beim Arbeits – und Familienpensum meist an die hinteren Stellen der To-Do-Liste. Mal bin ich geschafft, mal müde und manchmal habe ich einfach keine Lust. Ein ewiges Dilemma um Kontakt zu Freuden zu halten. Ich freue mich riesig ihre Stimme zu hören und beschließe zum 143sten Mal, nicht wieder soviel Zeit verstreichen zu lassen. Diesmal funktionierts eventuell. Man weiß ja nie.

 

 

Gelesen im November

Dezember 9, 2015

Auch im November wieder: viel gelesen!

Zum Ersten:

9783453268715_CoverRobert Harris: Dictator

Der dritte Teil der Cicero-Trilogie widmet sich den letzten Jahren des römischen Redners und Politikers. Wie bereits Teil 1 und 2 ist auch Dictator ein spannender Polit-Krimi rund um Rom, Cäsar, Cicero, Cato und viele viele andere römische Gestalten. Was mir bei Teil 3 etwas fehlte, war ein kleines „Who´s who“ ganz am Anfang, denn bei all dem politischen Hin & Her (Ciceros Maxime: „Wenn es der Repubik nutzt, mache ich es„) verliert man leicht den Überblick, v.a. wenn Gestalten aus Teil 1 plötzlich als neue Allianzen wieder auftauchen. Aber an Spannung mangelt es nicht, denn ganz offensichtlich bietet Ciceros Leben genügend Stoff für mehrere Bücher. Was ich jetzt mnit Spannung erwarte, wäre eine „Cäsar“-Quatrologie….

Eleanor Catton: Die Gestirne

9783442754793_CoverTja. Es gibt sie ja immer wieder: Bücher, mit denen man einfach nicht warm wird. Ich hatte „Die Gestirne“ zunächst auf Englisch versucht, denn alle Rahmenbedingungen klangen nach einem Buch nach meinem Geschmack. Eine etwas verschlungene Geschichte im 19. Jahrhundert, viele Beteiligte, gutes Setting in Neuseeland, ein dicker Schmöker und generell gehts um eine Art Vermisstenfall und/oder Rätsel, das von den Beteiligten abwechselnd erzählt und gelöst wird. Das heißt: wird es gelöst? Die Frage kann ich auch nach dem Versuch, die deutsche Version zu lesen nicht beantworten; ich konnte dieses Buch weder auf Deutsch noch auf Englisch zu Ende lesen. Die endlosen Erzählungen, die verschnörkelten Einzelheiten und der doch recht, sagen wir mal, schwach ausgeprägte Spannungsbogen brachten mich dazu, auf Seite 580 von 1087 aufzugeben. Sorry. Die einzelnen Gestalten blieben recht farblos und verloren sich immer wieder in der komplizierten Geschichte. Warum das Ganze „Die Gestirne“ (im Original „The Luminaries“) heißt, bleibt rätselhaft, da die astrologischen Anspielungen jeweils zu Kapitelbeginn an mir völlig vorbeigingen – bin da einfach kein Connaisseur. Was die mit dem Text zu tun haben, das bleibt für mich schleierhaft. Und da ist mir meine Zeit dann doch zu schade um mich aus Prinzip bis zum Ende durchzubeißen. Das Buch hat sehr sehr viele positive Kritiken & Preise erhalten – wer es also versuchen will? Von den Grundvoraussetzungen hätte ich jederzeit gedacht dass mir das Ganze sehr zusagen würde….

Denise Mina: Der Hintermann

9783453437159_CoverDenise Mina vom Besten! Bisher kannte ich ja nur die Serie um Kommissarin Alex Morrow, in „Der Hintermann“ begegnete mir eine weitere Protagonistin von Frau Mina: Paddy Meehan, die leicht übergewichtige, unsichere, aber doch sehr sehr zielstrebige Journalistin. Es ist der erste Teil einer ganzen Serie, die sehr spannend und vor allem durch ihre sozialen Bezüge in Glasgow extrem realistisch wirkt. Ganz Denise Mina also. Ich genieße ja Minas weibliche Protagonistinnen, und Paddy Meehan hat das Zeug zu Großem! Die Story (ohne hier zu spoilern): Spannend, aber nicht so, dass man nicht danach einschlafen könnte! Auf jeden Fall ein Kandidat für Teil 2 und 3!

Die Kinderuni: Warum bauten Ritter Burgen?

9783899406061_CoverDer Junge Mann kümmerte sich diesen Monat vor allem um eine CD: Warum bauten Ritter Burgen? von der Kinderuni. Nach den durchweg positiven Erfahrungen mit der Kinderuni war auch diese CD keine Enttäuschung. Gelesen von der wunderbaren Christine UrSprung (Tatort? Börne & Thiel? Wissta Bescheid!) gehts um Burgen, Ritter, die Schwierigkeiten, Baumaterial zu bekommen und das Ganze zu finanzieren und die Frage was Karl der Große damit zu tun hat. Als zweites Thema gehts um „Geschichten“ und warum wir Menschen überhaupt sprechen und Geschichten erzählen. Eine gelungene Kombination, und eine CD, die wieder und wieder lief!

 

Mit Kindern über Terror sprechen.

November 16, 2015

Es ist DAS Thema. Sowohl in meinem Kopf, als auch in allen Medien und im Internet überfluten mich Fragen wie: „Wie rede ich mit meinem Kind über Terror? Und über Flüchtlinge?„. Natürlich frage ich mich das auch. Und habe mich so entschieden: wir bereden das soweit wie nötig und so offen wie möglich. Aber ich versuche den Jungen Mann nicht zu überfordern, denn so sehr er Waffen und Geschieße liebt – sobald Gewalt aus die virtuelle Star Wars- oder Lego-Grenze überschreitet ist er völlig und komplett geschockt. Er hat – ganz offen – große Sorgen, das Gewalt auch hier und jetzt einbrechen kann. Und es ist auch für mich ein schwieriges Thema, das mir seit Monaten nahe geht. Deshalb gilt: Haltung bewahren und nicht emotional werden. Das beunruhigt den Jungen Mann nämlich über die Maßen.

Daher sind Themen wie Flüchtlinge, oder, noch krasser, Terroranschläge, schwierig. Das Thema Radio habe ich ja bereits abgeschlossen – das Radio bleibt bei uns aus. Denn: Radio an….. „…. die Opfer des Terroranschlags von Paris….“ – Radio aus. Das geht einfach nicht mit dem Jungen Mann. Dann lieber ne Playlist. Und Nachrichten schauen/hören, wenn er nicht da ist.

Aber natürlich müssen wir darüber sprechen – weshalb ich es sehr begrüße, dass die Sendung mit der Maus jetzt zunehmend brennende Themen einbindet. Sei es Kinderarmut in Deutschland oder eben Flüchtlinge – genauso ist es für Kinder ab 6 Jahren möglich, sich dem Thema ernsthaft, realistisch, aber nicht zu brutal zu nähern. Konkret geht es um Tiba, es 9jähriges Mädchen aus Syrien, das mit ihrer Familie nach Deutschland geflüchtet ist. Geplant ist eine ganze Serie darüber, wie sie hierher kam und wie es nun weitergehen wird. Hier ein Link zur Mediathek, von dem ich hoffe dass das Video möglichst lange anschaubar ist! Bereits Teil 1 hat dem Jungen Mann eines gezeigt: Krieg bedeutet, dass Menschen in Tibas Heimatland sterben. Dass dort jeder auf jeden schießt. Auch auf Kinder. Und auch wie eine Flüchtlingsunterkunft in Deutschland aussieht, weiß er nun. Daher war es nicht wirklich neu für ihn, als auch in die Turnhalle seiner Grundschule Flüchtlinge einquartiert wurden. „Mama, die sollen ruhig hierbleiben. Bei uns beschützt uns die Polizei und schießt nicht auf uns! Hier ist es besser!„. Ich sage mal: das Grundproblem hat er ganz genau erfasst.Aber da es ein sehr komplexes Thema ist, habe ich mich getraut auch einzuwerfen, dass es eben sehr schlimme Heimatländer gibt (Bürger-/Krieg etc.) und solche, aus denen man eher aus Armut flieht. Und das man dann in Deutschland überlegen muss, wer gerade am dringendsten versorgt werden muss.

Sorgen macht sich der Junge Mann natürlich trotzdem. „Aber bei uns hier wird doch KEIN Krieg, oder?“ fragt er mich und schaut mich intensiv an. „Nein, bei uns wirklich nicht!“ sage ich, denn ich glaube dass hier alle Relativierungen völlig falsch wären. Kinder müssen nicht wissen, wie nah der Terror schon gerückt ist, denn ich glaube sie haben ein Recht darauf, möglichst sorgenfrei aufzuwachsen – ohne dass man ihnen Dinge übermäßig verheimlicht. Deshalb auch: ja, es gibt Menschen, die Terroristen sind. Aber nein, es gibt keinen Krieg in Deutschland. Ich möchte nicht, dass der Junge Mann sich Gedanken darüber macht ob neben ihm ne Bombe hochgehen kann. Das ist unnötig. Wissen muss er aber, dass es diese Dinge gibt und dass Menschen davor fliehen. Und es IST wichtig, darüber zu reden. Soweit wie nötig & so offen wie möglich.

 

Gelesen im Oktober!

November 3, 2015

Auch im Oktober stand mein Bücherbord voller spannender Titel. Einige waren dann auch wirklich spannend – andere…äh, naja. Lesen Sie selbst.

Und das waren die Kandidaten:

Robert Harris: 
Imperium & Titan (Cicero I & II)

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Schon im letzen Monat stand ja ein Buch von Robert Harris auf dem Bücherbord: Intrige, über den Dreyfus-Prozess. Und auch dieses Mal war Harris wieder dabei, denn die Cicero-Serie hatte mich auf Englisch so begeistert, dass ich sowohl den ersten Teil nochmal lesen wollte wie auch wissen wollte, wie es weiter geht.

Während Teil I (Imperium) den Aufstieg Ciceros zum Konsul beschreibt, geht es bei Teil II („Titan“, bzw. auf Englisch „Lustrum“) um die darauf folgenden 5 Jahre.

Beide Bände bestechen einfach durch die, wie immer bei Robert Harris, extrem gut recherchierten Hintergründe, hier: des Alten Rom, und eine sehr detaillierte Geschichte. Hier stehen alle möglichen römischen Politiker und Gruppierungen gegeneinander, gehen Allianzen ein, brechen sie, nehmen neue auf… es ist unübersichtlich, aber sehr spannend. Wobei ich sagen muss, dass Teil I etwas spannender war als Teil II, denn hier ist doch etwas mehr Handlung während in „Titan“ die politischen Intrigen doch eindeutig im Vordergrund stehen. Aber generell sind beide sehr politische, sehr moderne und überraschend aktuelle Bücher. Aus diesem Grund freue ich mich auch schon auf Teil III: Dictator!

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Tanja Kinkel: Die Puppenspieler

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Dieser Klassiker des historischen Romans stammt schon aus dem Jahr 1994 – solide geschriebener Geschichts-Schinken über das Haus Fugger um 1490-1500 in einer neuen Auflage. Eine sehr sehr spannende Zeit, und durch den Kunstgriff, den Protagonisten im Auftrag der Fugger durch Deutschland & Europa reisen zu lassen ein umfassendes Bild der Frührenaissance. Ein wunderbare Geschichtsroman für zwischendurch, nicht ZU anstrengend, sondern eher leichte, aber gut recherchierte Lektüre. Etwas anstrengend sind Kunstgriffe wie die Einführung von Figuren, die sich mit irgendwas nicht auskennen und dann vom Hauptprotagonisten „aufgeklärt“ werden müssen – aber diese Art von Tricks benutzen eigentlich alle Autoren von Historienromanen, und Tanja Kinkel ist keine Ausnahme. Die Story: wie üblich ein Lebensroman mit etwas Liebe & Triebe, nur leider war mir der Protagonist von Anfang an etwas unsympathisch, weil er immer leicht überheblich durch die Gegend stolziert und vieles besser wissen will. Aber generell: solides Handwerk mit vielen historischen Details aber ohne viel Tiefgang und unterhaltender Story.

Anne Perry: Blinder Glaube (William Monk #19 )& Nacht über Blackheath (Inspektor Pitt #29)

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Anne Perry ist seit Längerem eine meiner bevorzugten Autorinnen für historische Romane. Natürlich sind bei Serien von mehr als 30 Bänden (wie etwa bei Inspektor Pitt) Wiederholungen und Story nicht immer das Gelbe vom Ei, aber Anne Perry schafft es in jedem einzelnen Buch, das viktorianische Zeitalter in vielen Facetten bestechend darzustellen und damit einige Verwicklungen und Längen in der eigentlichen Story auszugleichen. So auch in „Nacht über Blackheath“, dem Band # 29 der Inspektor Pitt-Reihe. Wieder führt ein mysteriöser Mord sowohl den Inspektor als auch seine Frau & seine Schwägerin auf die Suche nach dem Täter, und wieder sind es die viktorianischen Feinheiten, die dem Roman seinen besonderen Touch verleihen. Codes in Kleidung, Verhalten, Konversation stehen wie immer im Mittelpunkt und das ist genau das, was die Romaen so großartig macht: man hat das Gefühl, in eine fremde, vergangene Welt voller Codes einzutauchen, die wir heute nicht mehr verstehen. Das ist einer der ganz großen Reize der Arbeiten von Anne Perry

Obwohl „Blinder Glaube“ im gleichen Zeitfenster des viktorianischen England spielt, muss ich für diesen Roman leider sagen: lasst es lieber bleiben. Denn die eeeeeeeendlosen Gerichtsszenen über das Thema: korrupter Geistlicher betrügt seine Gemeinde und wer sind eigentlich die Hintermänner? und das wenige, was drumherum passiert gaben mir nach bereits 80 Seiten das Gefühl in einer sehr sehr langweiligen Matlock-Folge eingeschlossen zu sein. Nur ohne den sympathischen Matlock. Vielleicht sind die vorher gehenden 18 Monk-Folgen ja besser, aber diese brachte mich dauerhaft zum Einschlafen. Also: lieber Inspektor Pitt!

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Der Junge Mann hat genossen: Geolino extra / Erfindungen.

Aus dieser Serie haben wir schon mehrere CDs und „Erfindungen“ hält, was die Reihe generell verspricht: wie immer solide Info, von Wigald Boning witzig und informativ präsentiert. Kleine Ausflüge in die Zukunft, „Besuche“ von Experten, Infos über wichtige Erfindungen wie den Faustkeil, das Telefon oder Legosteine und Wigalds eigene „Erfindungen“ führten dazu, dass mir der Junge Mann nun vieles über das Patentwesen erklären kann. Großartig, spannend und wie immer solide Qualität.

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Es gibt Kuchen!

Oktober 30, 2015

Es.Ist.Kuchen.Basar.

Dieser Satz hat in der Klasse des Jungen Mannes heftiger eingeschlagen als es jede Zensur, Mathearbeit oder Fußballtruppe könnte. Es ist KUCHENBASAR!!!!! Mama!!! KU-CHEN-BA-SAR!

Spirch: die Klasse des Jungen Mannes wird Kuchen verkaufen. Das ist jetzt nichts sooooo Weltbewegendes, in der Schule finden eigentlich jede Woche diverse Kuchenbasare statt, sodass man sich fragt ob die Kinder überhaupt was anderes essen als Kuchen. Und unbekannt ist es ihnen also auch nicht – aber es ist der erste Kuchenbasar unserer Klasse, obwohl sie nun schon in der Dritten sind. Dass diese Meldung derart einschlagen würde, hatte ich trotzdem nicht erwartet.

Als das Ganze übers Hausaufgabenheft zu mir anlangte, dachte ich: Schön, ein Kuchenbasar, da back ich dann mal was. NEIN! So einfach ist es nicht. Der Junge Mann sagte mir sofort, WAS ich zu backen habe: Schokomuffins. Mit Deko. Er hätte das schon in der Klasse gesagt, und er könne die sogar selber machen. Im schlimmsten Falle können man auch einen Kuchen kaufen und mitbringen. Aber backen wäre schöner. In Ordnung, ich backe Schokomuffins, kein Ding, nur keine Panik.

Aus Zeitmangel bäckt sie nicht der Junge Mann mit mir, wie sonst, sondern ich backe, lasse abkühlen und der Junge Man verziert nach der Schule. Soweit der Plan. Bereits drei Tage vor dem Backen macht mich der Junge Mann darauf aufmerksam, dass ja nun bald KUCHENBASAR wäre! „Jaaaaa, ich habe das im Blick, Junger Mann!“ – „Wir haben schon Schilder gemalt! Die ganze Stunde hat das gedauert, JEDER hat ein Schiuld gemalt! Und wir haben die ÜBERALL aufgehängt!!!!„. In Ordnung… der Basar ist wichtig, ich weiß.

Der Backtag kommt, ich fabriziere wunderbare Kinderschokoladen-Muffins mit einer Tonne eingebackenen Kinderschokoladen-Riegel. Als ich den Jungen Mann abhole, sind alle seine Freunde total aus dem Häuschen. Obwohl gerade aus der Fußball-AG entlassen, haben sie es alle sehr sehr eilig, nach Hause zu gehen – heute kein Spielen, Rumtoben oder Schubsen.

Ich muss noch backen!“ ruft der Kumpel des Jungen Mannes und zischt mit seinem Papa ab.

„Der Kuchen ist noch nicht fertig!“ ruft Kumpel Nr. Zwo und hats ebenfalls mächtig eilig.

Der Junge Mann stürzt aus der Umkleide und ruft: „Ich muss SCHNELL nasch Hause heute, ich muss noch die Schokomuffins dekorieren!“ und rast in richtung Ausgang. Auf dem Weg zur Tram schreit er das Gleiche noch einer Klassenfreundin zu. Heute keine Zeit fürs Fachsimpeln über Lollies – heute muss dekoriert werden. Gerade man so, dass er zuhause die Straßenklamotten auszieht – sofort steht er an der Küchenzeile. „Wo sind die Muffins????“ – die stehen zum Glück gleich daneben.

Eifrig wird dekoriert, gehübscht und aufgelegt. Die Muffins sehen wirklich traumhaft aus. „Du musst sie GUT einpacken!“ rät er mir noch. Ich packe. Sehr sorgfältig. Auch abends anwesender Besuch muss sich die Muffins ansehen. Dann gehen wir ins Bett.

„MAMA!!!!!“ rufts am frühen Morgen sehr aufgeregt – „WAS???“ frage ich ängstlich. „Heute ist KUCHENBASAR!!!!“. Ich weiß. Heute. Ist. Kuchenbasar. So vorsichtig sah ich den Jungen Mann selten etwas tragen wie die Kiste mit den Muffins. Auf dem Weg zur Schule sagt er: „Hast du eigentlich meine Hose bemerkt?“ – „Ja…. warum?“ – „Ich hab mir die extra rausgesucht, man soll doch was Schönes tragen beim Kuchenverkaufen!“.

Wenn der Basar nix wird – an den Kindern lags nicht!

  

 

Äpfel selber pflücken mit Kindern.

Oktober 25, 2015

Arbeitstitel des Werkes in 5 Akten: Äpfel selber pflücken mit Kindern.

Die Beteiligten: Mama007, eine Freundin, 3 Jungs: ein Achtjähriger, ein Siebenjähriger, ein Fünfjähriger.

Akt 1: Die Anfahrt.

Die Kinder haben sich lange nicht gesehen und müssen jetzt erstmal abklopfen, wer der Coolste ist. Also: 1) Narben vorzeigen, 2) Lego aufzählen. Wenn das eigene Lego durch ist, wird auch 3) Lego von Schulfreunden mit eingerechnet in die Coolheits-Skala.

Ist das geklärt, steht die Rangfolge fest. Daher kann nun ordentlich rumgekloppt werden. Wir setzen die Kinder erst auseinander, dann zusammen, dann wieder auseinander. Zum Glück ist es ein großes Auto.

Akt 2: Die Ankunft.

Bei Ankunft auf dem „Äpfel selber pflücken“-Hof rasen die Kinder los in die Apfelplantage. Mama007 und die Freundin zockeln mit dem Apfelwägelchen und zwei großen Sammelkisten hinterher. Während sie noch die ersten Früchte prüfen, sind die Kinder schon weit hinten am Horizont. Als sie zurückkommen, werden Äpfel gepflückt und in die Kisten geschmissen. „LEGEN, nicht schmeißen!“ rufen die Mütter abwechselns und/oder im Chor. Es ändert sich nur langsam etwas an der Ablageart der Äpfel. Äpfel essen ist übrigens voll uncool. Äpfel sammeln hingegen großartig.

Akt 3: Der Aufenthalt.

Nach 30 Minuten durch-die-Plantage-rasen, um die Bäume hüpfen, mehreren Schubsereien und einem Apfel-auf-den-Kopf-bekommen weil man gegen den Baum geknallt ist und einer Schürfwunde weil einer der Jungs un-be-dingt zwischen den Bäumen und unter einem Draht hindurch durchkriechen musste, sind die Jungs etwas ruhiger. Nun widmen sie sich sinnvollen Aktivitäten wie: mit runtergefallenen Äpfeln Fußball spielen oder mit Fallobst andere Äpfel vom Baum werfen. Letzteres untersagen die Mütter – die Kinder geben widerwillig bei, um dann zu beschließen, dass man sich die Äpfel dann auch gegenseitig auf den Kopf werfen könnte. Wird ebenfalls untersagt. Kindseits herrscht Murren.

Akt 4: Nach dem Äpfelsammeln

Nachdem wir jeder eine Kiste bis zum Rand gefüllt haben muss verboten werden, weiterhin Äpfel zu pflücken. Wer soll das alles essen? Also: langsamer Rückzug zum Kassenhäuschen. Unterwegs werden noch Hagebutten gepflückt und mit Ruten und Stöcken ein halbstündiger Stockkampf ausgefochten. Das Werfen von Lehmbrocken und Steinen (!) wird von den Müttern lautstark verboten. Und dann nochmal verboten. Ebenso: das Überziehen von Schlägen mit einer Rute und das Benutzen von gesplitterten Holzlatten. Kindseits herrscht Murren.

Akt 5: Zahlen und Abfahren

Am Kassenhäuschen bezahlen wir je 15 Kilo Äpfel. Halleluja. Die Kinder rasen auf den Parkplatz, werden zurückgerufen. Unter Murren müssen sie noch die Toilette aufsuchen und streiten sich dann darum, wer vorne sitzen darf. Stücke und Ruten müssen zurückbleiben. Kindseits herrscht Murren. Zum Abschluss bietet der Fünfjährigen den Großen Gummibärchen an. Völlig verdreckt und sehr zufrieden treffen alle wieder zuhause ein. Die Mütter werden sich jetzt noch 6 Stunden lang der Verarbeitung der 15 Kilo Früchte widmen.

Äpfel – irgendjemand????

Mehr Platz für große Kinder!

Oktober 20, 2015

Der Junge Mann ist fast 8. Er liebt Fußball und lesen. Er treibt gerne Sport und ist glücklich, wenn Papa007 mit ihm auf den Bolzplatz kann: Tricks üben! Manchmal gehe ich auch mit und wir bolzen zu dritt. Auf einem dieser eingezäunten Bolzplätze, die es eben in der Stadt so gibt. Mit nem Basketballkorb und zwei Fussballtoren.

Und jedes Mal, wenn wir da sind, ist auf dem Spielplatz daneben mächtig viel los. Kleine Kinder bis 4-5 Jahre, Babies und Geschwisterkinder.  Horden von Kindern zwischen 0 und 5 mit ihren Mamis und Papis. So weit, so gut. Ich möchte nur mal verstehen, warum es für diese Eltern nötig ist, dass die Zweijährigen UNBEDINGT auch auf den eingezäunten Bolzplatz müssen. Isses nich süß, wie sie da aufs Tor halten? Zwischen, Moment, 10 großen Kindern zwischen 6 und 15 Jahren? Für die effektiv kein anderer Platz als dieser kleine Raum da ist. Denn der Park daneben ist belegt mit Sonnenanbetern und Federballspielern, Bücherlesern und Hunden. Da kann man kein Fußball spielen, ohne angeranzt zu werden.

Aber es ist ja sooooo süüüüß wie die Kleinen da ihrem Miniball bolzen und sich hinwerfen und stolpern und wieder loslegen! Ja, ich finde das auch süß. Weniger süß finde ich die Haltung, dass nun aber verdammt nochmal alle älteren Kinder Rücksicht nehmen sollen. „Vorsicht, der ist doch noch soooo klein!“ Süßer fände ich es daher, wenn die Kleinen woanders spielen würden – zum Beispiel auf dem extra für sie gebauten wirklich großen Spielplatz 2 Meter weiter. Damit die Großen auch mal volle Kanne aufs Tor halten können, ohne dass ihnen drei Kleinstkinder zwischen den Beinen rumwuseln.

Direkt daneben ein wirklich großer Spielplatz für Kleine und ganz Kleine. Für all die Eltern, die gerne mit ohne Kleinen Fußball spielen wollen. Für ältere Kinder gibt es wenig Platz und Raum in der Stadt, es sei denn man geht zu einem Verein oder Kurs. FREIRAUM, so wie für Kleinen, gibt es sehr wenig. Der umzäunte Bolzplatz gehört dazu. Und genau deshalb, liebe Miteltern mit Klein- und Kleinstkindern, haltet euch mal zurück. Lasst den Größeren auch etwas Raum. Sie nehmen eh schon oft Rücksicht und es darf auch mal einen Platz geben, der einfach für sie da ist. Ihr werdet mich verstehen, wenn eure Kinder erstmal 7-8 Jahre sind und die Plätze, auf denen sie im öffentlichen Raum das tun können was sie mögen, immer weniger werden. Und vielleicht versteht ihr dann auch, warum ich euch in Zukunft ansprechen werde, wenn ihr wieder halbstundenlang mit den süßen Kleinen auf dem Bolzplatz mithalten wollt. Und euch bitte, doch auch mal an die größeren Kinder zu denken und vielleicht lieber den Spielplatz statt den Bolzplatz zu benutzen. Denn andersrum würde es euch auch nicht passen: oder soll ich mti dem Jungen Mann mal kräftig im Sandkasten bolzen?

 

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