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Warum mich der Kita-Streik wütend macht

Mai 12, 2015

Ganz lange hatte ich überlegt: was zum Kitastreik schreiben? Ja? Nein? Der Junge Mann ist ja schon lange nicht mehr in der Kita. Und in unserer Stadt gibt es keinen wirklichen Streik, soweit ich das beurteilen kann. Andererseits war ja in unserer Stadt vor kurzem Lehrer- & Erzieherstreik, besser bekannt als “Streik des Öffentlichen Dienstes”. Und weil es mehr auffällt wenn die Lehrer streiken als wenn es zeitgleich der Forstbeauftragte tut, kannte man es eher als Lehrerstreik. Ich habe darüber geschrieben, und ja, ich habe mich beklagt. Wegen der blöden, unklaren Vorabinfos. Nicht wegen des Streiks an sich, den ich gerecht fand, und dass den Streikenden auch mehrmals gesagt habe. Aus Prinzip.

Sei es, wie es sei – ich kann nun leider doch nicht mehr den Rand halten, seit nämlich kurz vorher wieder die GDL gestreikt hat und zeitgleich auch die Busfahrer in Brandenburg und zeitgleich auch die Geldtransporteure in Berlin und Brandenburg. Und eben die Kitas. Denn, und da kommt mir die Galle hoch, immer: die meisten anderen Menschen mit denen ich so zu tun habe sind…. DAGEGEN.

Sie sind dagegen, jetzt halte man sich mal fest, weil: DAS FÜR SIE PROBLEME MACHT. Was ich da alles für Mosereien gehört habe, war zum Auswachsen. Auch die Zeitungen waren/sind voll davon: Abiturienten kommen nicht zu den Prüfungen! Kein Bargeld mehr in den Bankautomaten! Eltern müssen Urlaub nehmen wegen des Kitastreiks! Ja, sind die denn alle verrückt geworden? Wissen die denn nicht, dass das für uns andere (unausgesprochen immer = normale, arbeitende, nette) Menschen Probleme macht?Also, wenn ich ein Busfahrer wäre, und streiken würde, würde ich bestimmt nur nachts von 2-3 Uhr streiken. Dann sind am wenigstens Leute unterwegs und ich würde mit meinen Forderungen niemanden belästigen. *Ironie aus.

Ich möchte auch nicht mehr darüber diskutieren, weil diese Diskussionen so unglaublich unfruchtbar sind. Und nur Ärger mit sich bringen. Ich habe gerade keine Energie für Ärger. Also schaffe ich es gerade mal: “ICH bin dafür!” zu sagen, bevor ich mich umdrehe und das weiter tue, womit ich gerade beschäftigt war. Deshalb bin ich heilfroh, dass es etwa Daily Pia doch mal in aller Ausführlichkeit gesagt hat. Für den Kitastreik, in diesem Fall.

Danke dafür an Pia. Und ich will es hier nochmal sagen: Wenn die Busfahrer, und Geldtransporteure, und Lokführer, und Lehrer, und Erzieher, und Kitaerzieher, und WERWEISSICH streiken will, dann sollen sie das tun. Und wenn die Zeitungen dann nur darüber berichten, wie furchtbar das für uns ist, und kein Wort über die Ziele der Streikenden verlieren, werde ich mich weiter ärgern. Und wenn die Medien stattdessen darüber reden, dass das bulgarische Lohnniveau großartigerweise geringer ist als das deutsche, und es deshalb toll ist, in Bulgarien zu produzieren, will ich weiter Galle spucken und verlangen dass es auch in einem sehr reichen Land wie Deutschland Beschwerden über zu geringen Lohn geben darf. Weil es nämlich um Teilhabe an diesem großen Wohlstand geht, nicht ums Überleben. Ach ja, um ANERKENNUNG geht’s übrigens auch. Braucht aber kein Mensch, ist ja nichts Reelles, Essbares, Kaufbares.

Wem meine Wut gerade nicht passt, dem möchte ich empfehlen nach Bulgarien zu ziehen und dort arbeiten und leben zu gehen. Denn da sind die Menschen mit ihrem geringen Lohnniveau bestimmt super glücklich, weiterhin Kinder betreuen, Bus fahren und Geld transportieren zu dürfen. Die meckern & streiken nicht rum. Oder vielleicht können wir unsere Busfahrer und Erzieher auch nach Bulgarien exportieren und jeden Morgen, Abend usw einfliegen. Auf Staatskosten, oder so.

Danke fürs Lesen.

Batmans Frau?!

April 30, 2015

In Berlin hängen zurzeit überall die Plakate für die Fotoausstellung Mario Testino´s In Your Face. Die Werbung dazu: eine Frau mit Maske hält sich mit den Händen die nackigen Brüste und macht ne Pose in die Kamera. Der Junge Mann hat dazu keine Fragen, sondern sofort die Erklärungen parat. FRAGEN bezüglich der Notwendigkeit des Motivs habe offensichtlich nur ich?!
“Mama – da, guck mal! Batmans Frau!

“Wieso?
“Na, die da mit der Maske! Das ist Batmans Frau!

“Hm. Sieht ganz schön unpraktisch aus, was die da macht.”

“Ja, die sollte sich mal ein Hemdchen anziehen.”

“Sollte sie. Dann hätte sie auch die Hände frei.”

Diese ganzen super sexualisierten Anzeigen, Plakate etc. nerven. Immerhin schreiben in unserem Bezirk häufiger mal Leute Sachen drauf: Sexistischer Kram! – zum Beispiel. Das ändert aber nichts daran, dass es in der Welt des Jungen Mannes völlig normal ist, dass Frauen in öffentlicher Werbung ausschließlich als dünn oder gar nicht bekleidete Wesen auftauchen, die sich in deutlichen Posen als Objekt outen. Interessiert betrachtet er sich das Ganze. Und ich frage mich: wenn ich im Internet zu dieser Ausstellung hauptsächlich Anzeigenfotos finde, auf denen tätowierte männliche Oberkörper zu sehen sind – warum sind dann alle Straßen mit der nackigen Frau zugepflastert?

 

 

Gelesen und sich unterhalten gefühlt….

April 27, 2015

… im April war ich einige Zeit krank zuhause und zwischen Fieber haben und sich aufraffen war doch Zeit auch einiges zu lesen. Da traf es sich gut, dass gerade eingies zuhause rumstand, vor allem leichte Kost.

Darunter folgendes:

John Grisham: Die Erbin

Noah Gordon: Der Schamane

Pontus Ljunghill: Der Mann im Park

Anne Perry: Die roten Stiefeletten

David Sedaris: Sprechen wir über Eulen – und über Diabetes.

Alle 5 waren leichte Kost für zwischendurch, nix Anstrengendes. Da ich ja viel und oft Krimnis lese – praktisch so, als würe man abends ne Runde GNTM gucken, zur Entspannung, waren Ljunghill und Perry die ersten auf der Liste.

Pontus Ljunghill war ein mir unbekannter skandinavischer Krimiautor, den ich wegen der Szenerie des Falles in den 1920er bzw. 1950er Jahren in Schweden wählte. Eine ungewöhnliche Wahl für einen “historischen” Krimi! Aber Plot und Setting haben mich tatsächlich überzeugt. Nüchtern, eher kühl, aber doch sehr berührend erzählt de Autor einen Krimifall, der sich um ein ermordetes Mädchen dreht. Was ich vor allem schätze: Ljunghill vermeidet all die üblichen Szenarien eines Falles, spielt aber mit ihnen. Da mir klischeehafte Lösungsvorschläge vieler “billiger” Krimis nach jahrelanger Lektüre zunehmend auf den Keks gehen weil sie vorhersehbar sind, fand ich diesen Fall wirklich angenehm!

Ähnlich Anne Perry. Aus ihrer Reihe “Inspektor Pitt” habe ich schon diverse Fälle gelesen und die Settings im viktorianischen London sind immer wieder super recherchiert und unterfüttert mit gesellschaftlichem Flair. Man fühlt wie sich diese doch sehr eingeengte Gesellschaft selber im Weg steht….. Leider waren die Roten Stiefeletten nicht Perrys bestes Buch. Ein langwieriger Plot endete in einem etwas schnellen Ende, das zwar wie immer überraschend, aber eben doch nicht mitreißend war. Na gut. Immerhin hab ich damit mal ein neues EBook-Format ausprobiert!

John Grisham & Noah Gordon hingegen stehen für altbewährte Unterhaltungsliteratur ohne großen Krimifaktor. Grishams neues Buch “Die Erbin” ist ein Band mit dem Anwalt aus “Die Jury“, dümpelt jedoch mehrere hundert Seiten lang herum um dann auf den letzten 50 Seiten loszulegen. Ich mags eher wenns von vorne an losgeht! Gordon´s  “Medikus“-Nachfolger, die zweite Partie der Familientrilogie namens “Der Schamane” sitzt in einem spannenden historischen Setting: den USA um 1850-60 und deckt viele Felder der Besiedlung durch europäische Siedler ab. Indianische Widerstandsstrategien, Umsiedlung, die Konflikte der europäischen Siedler untereinander, die Sklaven-Frage, der Bürgerkrieg – Gordon hat einen Rundumschlag vorgenommen. Und obwohl die Geschichte jetzt nicht mega spannend ist (das ist der Medicus mMn auch nicht unbedingt), ist es doch gut geschrieben, spannend und detailgefüttert bis zum Platzen. Dass der etwas konstruierte Plot um die Ermordung einer indianischen Schamanin nicht wirklich überzeugt, sondern immer so zwischengeschoben wirkt, muss leider erwähnt werden.

Ganz zum Schluss, leider, David Sedaris. Ich kannte von ihm einiges, aber als ich anfing zu lesen fiel mir wieder ein, warum ich seine Bücher nicht mehr kaufen wollte: das selbstbezogene Daherlabern von David Sedaris über sich selbst (sein Zahnarzt), sich selbst (seine Europaliebe) und nochmal sich selbst (die Geschichte seiner Darmspiegelung?!), ist leider höchst uninteressant und spätestens ab der 5ten Geschichte langweilig. Ich werde in diesem Leben kein Fan mehr von David Sedaris. Außer er wird von Harry Rowohlt vorgelesen – dann reißt die Stimme den Inhalt raus.

Noch mehr Hörspiele für Große Jungs.

April 23, 2015
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Hörspiele gehen ja, wie erwähnt, immer. Momentan vor allem eines, das ich zur Rezension erhielt. Und ein anderes, das mir wärmstens empfohlen wurde. Das heißt: eigentlich rezensiert ja der Junge Mann, indem er anhört, wieder zuhört oder eben nicht.

Diesmal handelt es sich um: die Große Hörspielkiste für Entdecker. Darin enthalten: eine CD namens “Die Welt der Magie”, dann noch “Die Welt der Drachen”, der Piraten und des Alten Ägyptens. Alle vier nehmen ihren Anfang in Warwicks wundersamem Buchladen im London des frühen 20. Jahrhunderts und der ältere Herr, der den Laden führt, gerät ständig in irgendwelche Verstrickungen, die ihn eben in besagte Welten führen. Mit gut 70-75 Minuten länger als unsere üblichen CDs, aber spannende Geschichten, ziemlich gut recherchierte Details (zumindest von Ägypten her kann ich das ein bisschen beurteilen….), einige nette Liedchen und auch immer wieder actionreiche Momente führen dazu, dass der Junge Mann die CDs immer und immer und immer wieder einlegt. Selbst bei eher mädchenbehafteten Themen wie Magie, denn die Geschichten werden so dargebracht, dass sowohl Jungs als auch Mädchen sich angesprochen fühlen. Super und ein absoluter Dauerbrenner seit 3 Wochen, ganz im Gegensatz zu …..

…. der mir empfohlenen Reihe “Abenteuer & Wissen” des Jumbo-Verlags. Hier hatte ich auf Empfehlung die CD “Magellan – auf den Spuren eines Entdeckers” gekauft. Grund dafür waren die super recherchierten Hörspiele, verbunden mit aktuellen Menschen, die ähnliches heute machen. In diesem Fall: ein bekannter Weltumsegler. Leider war der Kauf ein ganz schlimmer Fehler, denn: zwar ist diese CD ab 8 Jahren empfohlen, genau wie alles andere was der Junge Mann gerade hört. Aber die recht detailreichen Beschreibungen wie Magellan sich auf der Reise mit seinen Ko-Kapitänen auseinandersetzen muss, inklusive Auspeitschen, Kehle durchschneiden und anderem, führte dazu dass der Junge Mann mir die CD umgehend und noch VOR Ende des ersten Hörens zurückgab mit den Worten: “Die will ich NIE wieder hören! Das ist ganz schlimm!!!! Danach kann ich nicht schlafen!!!!”. Liebe Leute vom Jumbo-Verlag: Super Konzept, aber selbst abgebrühte Star Wars-Fans sind mit diesen blutigen Details überfordert. Und andere CDs der Reihe kann ich mir daher wohl sparen, denn der Junge Mann wird dem Ganzen so kritsch und leicht ängstlich gegenüber stehen, dass das wohl nix mehr wird.

Schwerkraft

April 17, 2015

Schwerkraft ist mein Feind. Ständig fällt mir was runter und bleibt liegen. Es ist eben einfach UNTEN. Auf dem Boden. Und wenn ich einmal dem Sofa nachgebe, habe ich verloren. Dann bin ich nämlich auch unten, wenn auch nicht auf dem Boden.
Warum können Tage nicht 48 Stunden haben, voller Arbeitslust? Dann bräuchte auch niemand mehr die Schwerkraft und ihre Anziehung und der Junge Mann müsste nie wieder seine Lego Star-Wars Laserdinger, äh, -schwerter, suchen, weil die ja nie runterfielen.

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Und ich hätte endlich genügend Zeit für Familie, entspannen, Herzensarbeit und alles andere.

Parallelwelten

April 13, 2015

Es geht mir schon sehr lange so. Und je näher wir uns sind, desto stärker ist sie, die Parallelwelt mit dem Jungen Mann.

Es ist nämlich so: wenn ich mit dem Jungen Mann irgendwo bin, also ich mit ihm, oder wir alle drei zusammen, dann zählt irgendwie nur er. Das muss wohl so eine Art Mutter-Ding sein – aber meine Welt verengt sich etwas und ich nehme alles mit ihm zusammen intensiver war. Dafür treten aber äußere Eindrücke viel stärker zurück. Wenn wir Hand in Hand laufen oder irgendwo Pause machen, dann ist es noch viel auffälliger. Die Nähe des Kleinen, jetzt Jungen Mannes sorgt dafür. Wir bilden eine kleine Blase, so ist mein Eindruck. Da drin sitzen wir beide, der Junge Mann und ich, und halten Händchen. Oder er hüpft gerade irgendwohin und ich gucke zu. Oder wie erzählen uns was. Oder wir spielen was.

Und in fast allen Momenten ist es dann so, dass für mich die Außenwelt zurücktritt und nur noch unsere Realität existiert. Das kann fast süchtig machen und ich bin mir sicher, dass solche Situationen nicht mehr so lange und so oft auftreten werden – er wird ja größer und Händchenhalten wird sicher bald ausfallen.

Black Box Schule

April 8, 2015

Seit August 2013 geht der Junge Mann in die Schule. Und er mag´s, immer noch. Er liest wie ein Weltmeister und entziffert alle Margarinenpackungen, Einkaufszettel und sogar Dinge wie “Bitte wahren Sie den Diiiiiis-krrrreeeet-i-on-s-aaaaaabs-taand.“. Nicht schlecht! Er rechnet wahnsinnig gerne. Vorwärts und rückwärts, er multipliziert und subtrahiert dass der Wald brennt. Seinen Wunschzettel hat er alleine verfasst dies Jahr.

Es hat sich viel für uns geändert, aber vor allem eines: Schule ist irgendwie für uns als Eltern beziehungsloser als der Kindergarten. Und nicht nur für uns, für viele andere Eltern auch, wenn man mal so rumhorcht. Man geht morgens hier und liefert den Jungen Mann am Schultor, der Straßenecke der nächsten Ampel ab. “Mama, du kannst jetzt gehen!!!“, heißt es dann. Okay, ich gehe. Nachmittags holt man ihn ab und sieht ebenfalls keinen außer der Erzieherin, die kurz den Jungen Mann rausschickt zum Nachhausegehen. Andere Eltern sehe ich eigentlich – mal überlegen – selten. Im Winter schon mal gar nicht. Man redet wenig miteinander. Ich habs wirklich probiert, aber da kommt wenig zurück. Also lass ich es. Ich muss nicht unbedingt mit anderen fraternisieren, wenn die kein Interesse daran haben.

Überhaupt ist das alles etwas distanzierter in der Schule. Von unserem Kindergarten war ich ja gewöhnt dass es immer mal ein Wörtchen zwischendurch gibt, Updates und Zusatzinfos am Schwarzen Brett. Jetzt: Schluß damit. Es gibt die Elternsprechstunde, 2Mal pro Schuljahr, mit Einschreiben für die 15minütigen Zeit-Slots. Sonst – Sense. Dabei haben wir noch Glück dass wir unsere Klassenlehrerinnen nötigenfalls mal bei der Hofausicht am morgen sehen können, falls wirklich was Wichtiges anliegt. Ja, es war eine Umstellung. Und ist es auch nach 2 Jahren immer noch, denn Informationen bekommt man eben wirklich ausschließlich, wenn man sie den Leuten trotzig abfordert. Und auch dann sind sie häufig widersprüchlich, sodass man eigentlich mindestens 3 Leute (LehrerInnen, HortnerInnen, andere Eltern) fragen muss bis man eine Idee davon hat, wie das Entsprechende Problem sich erklärt. Niemand hat Lust, irgendwelche Infos freiwillig rauszurücken. Also: Weniger Info, mehr Vertrauen auf die Aussagen des Jungen Mannes, die aber eben notorisch fragmentarisch sind. “Wie wars in der Schule?” – “GUT.”Also: Eigenverantwortung.

Aber was heißt Eigenveranwortung, wenn es Eltern gibt die eben mehr Informationen von Seiten der Schule bräuchten? Eltern, die vielleicht weniger trotzig eigenverantwortlich sich um Informationen oder das Schulleben ohres Kindes an sich kümmern? “Die, die es bräuchten, kommen sowieso nie!” sagen die LehrerInnen. Na toll. Warum bin ICH dann eigentlich hier? Ich muss nicht darüber informiert werden, dass die Kinder pünktlich & mit Frühstück im Bauch da sein sollen!

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